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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Mgem. Zeitung.

184!). — .1 184.

t Die sieben Küsse Buckinghams.

(Fortsetzung)

ES begann zu tagen. Unsere beiden Reiter, die hin­länglich Terrain gewonnen zu haben glaubten, gestatteten ihren Pferden zu verschnaufen, indem sie Schritt gingen, und waren darauf bedacht, sich für das Schweigen zu entschädigen, wozu sie ihr schneller Ritt genöthigt hatte.

Der befreite Gefangene begann zuerst die Unter­haltung, indem er seinem Befreier seinen Dank aus­drückte.

„Der Dienst, den ich Ihnen erwiesen, erwiederte die­ser, kann Ihnen sehr wichtig erscheinen, doch in Anbe­tracht der Mühe, die er mir gekostet, erkläre ich mich aller Ihrer Danksagungen unwerth. Was habe ich denn über­haupt gethan? Ich hatte vier Gegner zu bekämpfen. Dem Ersten, der Geld nöthig hatte, habe ich Gelegenheit geboten eS zu gewinnen; den Zweiten, der Durst hatte, habe ich trinken lassen; dem Dritten habe ich auf eine oder zwei Stunden eine verliebte Unterhaltung verschafft. Sie sehen, daß bei Alledem ich sehr wenig mit meiner Person geleistet habe."

„Wenn dies nicht bei dem Vierten der Fall ist, von dem Sie nicht sprechen. Was haben Sie mit dem ange, fangen?"

„Ich habe ihn an dem Haken hängen lassen, wo die­ser respektable Haudegen ganz herrlich die Stelle des Ochsenviertels vertritt, das seiner Gefräßigkeit zum Raube gedient."

„Ist es möglich!" bemerkte der Andere.

„Meiner Treu, der würdige Sergeant wird seinen Bogenschützen Spaß machen, wenn sie von ihren Vergnü­gungsreisen zurückkehren; er hatte eine so erbärmliche Miene, daß ich bei dem Gedanken daran noch lache. Ich bedauere, keinen Maler bei der Hand zu haben, um das

Gesicht des Kardinals zu zeichnen im Augenblicke, wo er die Verhinderung seines Streiches erfährt."

„Meister Gouin wird wüthend seyn."

„Ich sehe schon den heiligen Mann mit den Zähnen knirschen und die orthodoxesten Anathemas nach dem Ka­techismus der Musketiere gegen uns schleudern."

„Gerade wie es Meister Satanas thun würde, wenn ihm eine Seele entrissen würde, die er schon an seiner Gabel stecken zu haben glaubt."

„Ich will Ihnen nicht verhehlen, Herr Edelmann, daß ungeachtet alles Interesses, das mir Ihre Lage ein­geflößt, vorzüglich die Hoffnung es ist, den Kardinal zu ärgern, was mich veranlaßte, Ihnen nützlich zu seyn."

„Sie hassen ihn also sehr?"

„Rein doch, sagte der Unbekannte lächelnd, ich wünsche ihm nicht viel Böses, da es mein lebhaftester Wunsch wäre, ihn dieses Jahr kanonisirt zu sehen!"

„Dann zählen Sie auf mich, erwiederte der Erge- fangene lächelnd, daß ich alle meine Kräfte aufbieten werde, um Meister Gonin sobald als möglich diese un­aussprechliche Seligkeit zu verschaffen."

„Ich begreife, daß Sie nach der Gefahr, der Sie so­eben entronnen, sich als Schuldner Sr. Eminenz be­trachten."

„Oh! wenn es sich nur darum handelte!" seufzte der junge Mann.

„Das heißt, Ihr Gefühl schreibt sich aus einer noch frühern Zeit her."

„Von dem Tage, wo ich zum erstenmale fühlte, wie mein Herz in meiner Brust schlug, wie meine Wangen erbleichten und das Blut in meinen Adern kreiste, erwie­derte feurig der Ergefangene; glauben Sie mir, nicht in dem Augenblicke, wo ich den Degen gegen einen Feind in die Hand nahm, habe ich eine solche Bewegung empfun­den, sondern als ich den Fächer aufhob, den die schönste