hernahm, stets bedeutend. Unbeschreiblich war der Ein- druck seiner Worte, als er in seiner Gründonnerstagsrede verlangte, daß der zu wählende Kaiser ein Diener des Volkes sein müsse, und sich dabei auf die Sitte der Fuß- Waschung in Oesterreich berief, nicht ohne die eingeflochtene Bemerkung: „Ich weiß nicht, ob man auch heute in Oesterreich mit dem armen zertretenen Volke die Zeremonie vornehmen wird — es wäre eine bittere Ironie, wenn es geschähe."
Mit dem großen sittlichen Ernst, mit dem gewaltigen Zorne und dem edlen Pathos, das in seinem Wesen vorherrschend ist, stand er stets wie ein Priester da auf der Rednerbühne, welcher der Göttin ver Freiheit opfert.
Waldeck ist am 31. Juli 1802 in Münster geboren. Er war vier Jahre lang Oberlandesgerichtsassessor in Halberstadt und Paderborn, und wurde dann Oberlandes- gerichtSrath in Hamm. Aus dieser Zeit mag sich sein Haß gegen das Junkerthum schreiben, das er auf der Rednerbühne so oft im Munde führte und allemal in einer Weise, der man es anmerkte, daß sein Haß gegen dasselbe wahrlich keine Phrase, sondern auf Erfahrungen und Erlebnisse gegründet sey.
Von Hamm aus schrieb Waldeck zum 31. Juli 1843 eine Versammlung rheinisch-westfälischer Juristen nach Soest aus, die gerade nicht dazu diente, ihn höheren Orts zu empfehlen. Indessen wurde er doch später als Obertribunalsrath nach Berlin berufen. Zum Abschiede besang man ihn in Hamm:
„Am Ufer der Ruhr, Wie am sandigen Strand Der Lippe wird dankbar Dein Name genannt."
Waldeck war ein Jugendfreund Heinrich Heine's. Daß er selbst in der Jugendzeit poetischen Versuchen nicht fern geblieben ist, sieht man seiner Rhetorik wohl an.
Literatur.
3 Die evangelische Kirchenverfassungsfrage in Nassau. Den Abgeordneten zur bevorstehenden ersten Generalsynode insonderheit gewidmet. Wiesbaden, Wilhelm Friedr ich's Verlagsbuchhandlung. 1849. 5 Bogen. 8.
Die veränderte Stellung, welche die Grundrechte der Kirche zum Staate angewiesen hat, hat die alten Beziehungen zwischen beiden gelöst und eine Umgestaltung der kirchlichen Verfassung zur unabweisbaren Nothwendigkeit
gemacht. Um so auffallender erscheint es, daß in manchen deutschen Ländern kaum die Vorarbeiten zu dem wichtigen Werke eingeleitet sind. Nassau ist mit raschen Schritten auf der Bahn der Entwickelung vorangeeilt. In den Wintermonaten traten die durch landesherrliches Edikt einberufenen Spezialsynoden zusammen und verliehen den Stimmungen, Bedürfnissen und Wünschen der von ihnen vertretenen Gemeinden einen öffentlichen Ausdruck. Nächstens steht die Eröffnung der ersten Generalsynode bevor, welche die neue Gestalt der Landeskirche und ihr Verhältniß zum Staate berathen und entscheiden wird. Ihre Beschlüsse werden durch das moralische Gewicht, das sie in die Wagschale legen, für die gesammte evangelische Kirche Deutschlands von Bedeutung seyn, und es ist zu wünschen, daß sie, fern von jeder Uebereilung, in welche Leidenschaft und vorübergehende Zeittendenzens fieÈ stürzen könnte, durch den Geist ächter Mäßigung dieses Gewicht nehmen und erstärken möchten.
Das vorliegende Büchlein bietet dazu einen trefflichen Beitrag. Es bespricht die nassauische Kirchenfrage mit gründlichem Eingehen und wissenschaftlicher Tiefe. Die Vorarbeiten der Spezialsynode treten übersichtlich geordnet, allenthalben auf klare Prinzipien zurückgeführt und vom Standorte kirchlichen Ernstes aus gewürdigt und beleuchtet, vor das Auge des Lesers. Die Bedürfnisse der Gegenwart werden ebenso freimüthig anerkannt, als die Forderungen,' welche die Selbstständigkeit der Kirche als einer göttlichen Stiftung und die Unabhängigkeit des Lehramtes zu stellen gebietet. Ueberall weht unS der Geist ruhiger Besonnenheit, geistiger Frische und reli- giösen Ernstes wohlthuend an. Gelingt es auf dem vom Verfasser gelegten Grunde das Werk der kirchlichen Reform aufzurichten, dann wird nicht nur ein friedlicher Uebergang auS den alten Zuständen in die neuen gesichert seyn, sondern dieser Uebergang wird auch zu einer lebendigen und eingreifenden Betheiligung der Gemeinde an dem kirchlichen Leben und zu einer gesunden Blüthe, einer kräftigen Erstarkung der letztern führen. Wir empfehlen darum dieses gehaltvolle Büchlein allen Freunden der kirchlichen Entwickelung, insbesondere den Mitgliedern der nassauischen Generalsynode, und sind überzeugt, daß kein unbefangener Leser es ohne reichen Gewinn aus der Hand legen wird.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.
