Die Padrona löste uns dieses Räthsel, indem sie erzählte, sie habe sämmtliche junge Mädchen ihrer Bekanntschaft zu sich gebeten, um sie hier, in dem festen Hauje, im österreichischen Hauptquartier in Schutz zu nehmen. Blos die Neugierde, den berühmten Marschall zu sehen, hatte einige vermocht, ihre Köpfe an dem sicheren Versteck blicken zu lassen, wodurch sie sich dem Feinde verrathen. Vor den Rothmantlern hatten alle eine ungeheure Furcht, und eine kleine naseweise Person behauptete fest und sicher, sie wisse ganz genau, daß die Sereschaner Menschenfresser seyen.
Im ganzen Orte waren die Leute gegen das Militär außerordentlich freundlich gesinnt und gaben gern willig, was man verlangte. Da wir nicht einquartirt wurden, ließ man sich nach Gutdünken irgendwo ein Zimmer geben, und hierzu öffneten die Leute mit Bereitwilligkeit ihre Häuser. Da in den Trattorien nichts Eßbares aufzutreiben war, so bat ich meine Hauswirthin, mir für mein Geld einige Eier zu kaufen. Sie bereitete mir auch mit Vergnügen ein kleines Frühstück und gab mir aus ihrem Keller eine Flasche Asti dazu, durch einen weißwollenen Faden um den Hals als etwas Vorzügliches bezeichnet. Doch war sie nicht zu bewegen, etwas dafür anzunehmen, und als ich später das Geld einem Dienstboten im Hause geben wollte, litt sie es nicht, indem sie versicherte, es habe ihr Vergnügen gemacht, mich zu bewirthen. — Ein Gensd'armerie-Offizier fand in der Stadt eine große Anzahl Kisten, welche mehrere Tausend neue Gewehre enthielten.
Gegen vier Uhr brach das Hauptquartier von hier auf und rückte auf der Straße gen Novara vor. Von unseren Truppen war das zweite Armeekorps unter Feldzeugmeister d'Aspre auf der Straße nach Novara schon weit vorgeschoben, das dritte und Reservekorps folgte ihm, und das erste und vierte bewegte sich in paralleler Richtung gegen die Rückzugslinie des Feindes, wodurch die Absicht, ihn von der Straße nach Alessandria und Turin abzuschneiden und in die Gebirge hineinzuwerfen, später vollkommen gelang. Gleich hinter Mortara waren die Straße und die Felder rechts und links von derselben dicht mit Soldaten, Kavallerie, Artillerie und Wagen aller Art besetzt. So wie sich der Wagen des Marschalls von Weitem sehen ließ, strömte Alles von den Feldern gegen die Landstraße zusammen, um ihm Hoch zu rufen.
(Fortsetzung folgt.)
Miszellen.
Es ist in London, dieser „Wildniß von Stein und Mörtel", nicht leicht, seinen Weg zu finden. Schon die Unzahl von Straßen, „Squares", „Crescents", Gassen, Höfen, Passagen, „Terrassen und Plätzen" würde dies erschweren, wenn auch jedes von ihnen seinen eigenen Namen hätte; aber die Topographie von London ist dadurch in unheilbare Verwirrung gebracht, daß man dieselbe Benennung an den entgegengesetztesten Enden der Stadt wiederfindet. So weist die neueste Ausgabe des Londoner Adreßbuches die Existenz von 37 Königsstraßen, 27 Königinstraßen, 22 Prinzenstraßen und 17 Herzogsstraßen nach. Es gibt 35 Karlsstraßen, 29 Johannisstraßen, 15 Jakobsstraßen, 21 Gevrgsstraßen und 13 desgleichen Höfe; die Namen Robert, Thomas, Friedrich, Charlotte und Marie finden sich gleichfalls in ansehnlicher Zahl. Auch an Anomalieen ist kein Mangel: man hat Nord- und Südstraßen, welche im Osten u. Westen liegen, 10 Ost- u. 11 Weststraßen, welche nach allen Punkten des Kompasses führen. Ferner besitzt die ehrwürdige Hauptstadt 24 neue Straßen, von denen einige zu den Antiken gehören, aber nur eine Alte Straße. Sie hat nicht weniger als 18 Parkplätze, 16 Porkstraßen, 14 Kreuzstraßen, 13 Kronenhöfe, 19 Parkplätze, 16 Unionstraßen, 10 Wellingtonplätze, 10 Gloucesterplätze. Die Vorstädte verrathen ihren nagelneuen Ursprung und den loyalen Sinn ihrer Bewohner durch riesengroße Inschriften mit den Namen „Victoria", oder „Albert", oder auch „Victoria und Albert", deren sich bis jetzt 25 Straßen, Squares, Terrassen und Haine (groves) erfreuen.
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Eingeweihte berechnen die Baareinnahme, die Fanny Elsler, welche neulich als „Esmeralda" wieder in Berlin auftrat, diesen Winter in St. Petersburg gehabt habe, auf 40,000 Rubel Silber. Außerdem beschenkte sie der Kaiser mit einem Blumenbouquet von Brillanten aller Farben, Rubinen und Smaragden, von Herrn Hossauer hierselbst auf 20,000 Thlr. tarirt, von der Kaiserin erhielt sie eine Broche, in deren Mitte ein Smaragd von der Größe eines Taubcneies, umgeben von einem Brillantkranz strahlt. Der Smaragd allein wird auf 10,000 Thlr. geschätzt. Mehrere Damen der Aristokratie verehrten der Künstlerin gemeinschaftlich ein Diadem von Brillanten im Werth von 20,000 Thlr. Außerdem sprach auch noch eine Unzahl Kavaliere ihre Huldigungen in der weltverstandenen Sprache der Juwelen aus.
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Vormals hatte man auf der Bühne zu London, wie auf so vielen andern, keine Frauenzimmer. Als Karl H. einst ungeduldig wurde, daß das Schauspiel noch nicht anfange, entschuldigte sich der Direktor, „daß die Königin noch nicht rasirt sei."
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Abraham sprach zu Lot: Willst du zur Rechten, so will ich zur Linken. — Hättest du, sprach in einer Mädchenschule, als diese (Stelle gelesen ward, ein achtjähriges Kind zur Nachbarin, hättest du das auch von Abraham geglaubt, daß er zur Linken ginge? ___________________
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
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