Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauische» Allgent. Zeitung.
INI». — .1" 11s
Klänge und Bilder aus Ungarn.
Von Joh. N. Vogl.
2.
Heidcstimmen.
Ich sause und brause die Heid' entlang, Kaum hör' ich vom eigenen Huse den Klang; Ein Storch nur klappert am Tümpel allein, Mit langem Bein.
Und weiter und weiter durch's öde Land, Kein Flüstern am Himmel, kein Knistern im Sand; Hei steh', da segelt ein Reiher vorbei, Mit heisrem Schrei!
Und wieder so still zu Land und Lust, So still wie bei Todten in modriger Gruft; Nur eine Stimme erschallet in mir: Zu dir, zu dir!
3.
Heidepoesie.
Ein fahles Gelb, so weit das Auge reicht, Um das zufernst ein grauer Nebel streicht, Gestein nur hier und da, sonst traurig Moos, Darüber hin des luft'gen Wind's Getos'.
Was regt sich dort? — Die Heide wird belebt, Am fernsten Saum ein schwarzes Pünktchen schwebt, Nun kommt's heran, schon klinget Schall und Ruf, Ein Rudel Rosse mit beschwingtem Huf, Die Treiber hintennach, verbräunt und jung, Das Haar im Flug, die Geißel hoch im Schwung, So fliegt's vorbei — schon schwebt's am fernsten Saum, War's Wirklichkeit, wie? oder war's ein Traum?
Grabgleiche Stille ringsum wie zuvor, Horch auf, was klingt so traurig jetzt in's Ohr? Das ist kein Klang aus eines Menschen Brust, Das ist kein Sang geweckt von inn'rer Lust, Zigeuner sind's auf kurzer Heiderast, Beim Mahl vergessend auch des Tages Last,' Und ibre Geige weint in'S Windgebraus Den alten Schmerz, die alte Klage aus.
Horch, hoch am Himmel, tSrlch' ein laut Gekreisch, Gezogen kommt'S mit schallendem Geräusch, Seegänse, die auf ihrem Mekkazug Gerade hier vorüberträgt der Flug.
Die Sonne dunkelt jetzt mit einemmal,
Und ferne murmelt's, mit verhalt'nem Schall,
In dichten Caravanen langsam nahn Die Wolkenmaffen, die wir kaum noch sah'n.
Dumpf rollt's und grollt's im krötenfleck'gen Knäu'l,
Da kommt der Sturm mit rasendem Geheul;
Nun schmettert's Schlag auf Schlag, da zuckt herab
Ein Schlangenblitz in's weite Steppengrab,
Und schleudert seinen schwefelblauen Schein
Auf Meilenweite in da« Land hinein, D'rauf wieder Nacht und Sturm, dann dumpf' Gesumm' — Und wieder Todesstille ringsherum.
Am Himmel steht der Mond in voller Pracht, Kein Laut, kein Wehen durch die weite Nacht, Am Boden ringsum flimmert's silberweiß, Fern bleicher Schwaden unbestimmter Kreis, Sonst alles dämmerig licht, der Mond nur geht
Den alten Pfad, ein körperlich Gebet, Doch keinen Schatten wirft auf diesen Raum Sein Licht, bis er versinkt am Heidensaum.
Und fragst du schließlich, da der Dichter schweigt, Was er in diesen Bildern dir gezeigt, Nun so vernimm, doch schmäh' nicht auf das Wie: Das ist der Ungarheide Poesie.
A Der schwarze Bettler.
(Schluß.)
Carral erhob sich zum zweitenmal.
„Aber mein Name steht darauf, sagte er; Jonquille.
— Dieses Kind ist Dein... Sohnesmörderin !"
„Dieser Mann ist wahnsinnig, entgegnete Frau von
