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Vertheidigung! rief die Marquise auS. Sprich!... so sprich doch!"

Carral stand langsam auf. Nach mehreren vergeb­lichen Versuchen gelang es ihm, sich verständlich zu machen.

„Dieser Mann hat die Wahrheit gesprochen, sagte er dumpf, indem er seine ehemalige Gebieterin mit Augen glühenden Hasses ansah. Ihr Leben war eine lange Lüge... möge Sie Gott verdammen!"

Er fiel wieder zusammen. Sein ganzer Körper krümmte sich im fürchterlichsten Todeskampf.

Der Bettler zog jetzt die Papiere des Hauptmanns hervor und zündete ein Licht an.

„Lesen Sie," fuhr er fort, indem er ihr dieselben gab.

Die Marquise las flüchtig den Geburtsschein.

„Es fehlt nur etwas, sagte sie endlich mit Nach­druck; in keinem Papier findet sich mein Name."

(Schluß folgt..)

Jungfrau Ilse.

Mährchen von R. Heller.

In der Nähe der Questenburg auf dem Harze, wächst eine Wunderblume. Sie hat einen schneeweißen Kelch, der mit goldenen Fäden gefüllt ist. Nur in der Oster­nacht blüht sie, und nur in der Osternacht ist sie zu fin­den. Aber da sie grade an den steilsten Abhängen sproßt, so ist es gefährlich, nach ihr zu suchen. Dazu müssen Die, so sie finden wollen, immer zu zwei nach ihr aus­gehen, und dürfen kein Wort dabei miteinander sprechen, was manchen Leuten ebenfalls schwer hält.

Wer die Blume entdeckt und gebrochen hat, darf sie auch nicht wieder aus der Hand legen, bis sie ihre Zau­berkraft bewährte, sonst verliert sie die Wundereigenschaft. Behält er sie aber treu und kommt mit ihr in den Wald zurück, so erschließt sich auf sein Geheiß das Geheimniß des Gebirges, welches er zu erblicken verlangt. Die Höhlen, worin die Zwerge ihre Schätze bewahren, thun sich auf nach seinem Gebote, und er mag davon nehmen, was er will. Die Geister und Gnomen müssen ihm Red' und Antwort stehen, wenn er es auf die Macht der Blume hin fordert, und wo irgend eine Truhe mit Gold­stücken vergraben ward, da klafft die Erde empor und bietet dem Besitzer der Zauberblüthe ihren Reichthum. Was er fortträgt, ist sein.

Dereinst trafen unmittelbar vor einer Osternacht in einer einsamen Waldschenke des Harzes zwei junge Ge­sellen zusammen. Von Müdigkeit erschöpft, ein Bündel mit allerlei Hausirkram auf dem Rücken tragend, erschien

der Eine, der Anselm hieß. Auch nachdem er seine Last aus die Bank abgesetzt hatte, blieb seine Haltung gebückt. Aber voll kluger Berechnung blickte ihm das schwarze Auge unter den fest zusammengezogenen Brauen hervor, und die scharf gebogene Nase verkündete kühnen Unter­nehmungsgeist. Der zweite Reisende, der ohne Gepäck eintrat, war jünger als der erste, rothwangig, blond, von schlanker Gestalt und freiem, edlem Wesen. Anselm wollte in ein Wechselhaus nach Hannover gehen, der Andere, dessen Name Wolfgang, war auf dem Wege zur Leipziger Hochschule begriffen und hatte nur die thüringer Hauptstraße verlassen, um dem Frühlinge des Harzge­birges etwas näher in's liebliche Auge zu schauen. Beide stammten aus Frankfurt, der alten Krönungsstadt am Mainstrome, aber sie hatten sich früher kaum gesehen, und kennen lernten sie sich erst, als sie jetzt in der Harz- herberge beisammen saßen.

Anselm lehnte sich an die Wand, und es fehlte nicht viel, so schlief er ein vor Ermattung. Wolfgang blickte hell um sich und horchte auf die Worte des alten Bauers hin, der den Kindern Mährchen erzählte. Duftige Harz­sagen waren es, von denen der Greis meldete. Auch von der weißgoldnen Blume auf der Questenburg sprach er, deren Besitz die Geister beschwört, oder unterirdische Schatz­kammern eröffnet.

Landsmann, sagte Wolfgang zu seinem Herbergsge­nossen, es ist heute gerade der Abend vor Ostern, wir sind zu zwei, und wenn wir auszögen, die Wunderblume fänden --

So stünden uns alle Schätze der Erde zu Gebote, fiel Anselm ein. Er war plötzlich ganz munter geworden und schaute so straff und rührig aus, als hätt' er jede Anstrengung der Reise verschlafen.

Die beiden Jünglinge ließen sich darauf die Richtung zeigen, in welcher die Questenburg liegt, und brachen dahin auf. Beide von großer Bestimmung, von glückli­chem Auge und glücklicher Hand, fand Jeder eine der ersehnten Wunderblumen, und kein Wort störte den Zau? ber. Auch hüteten sie sich, die Blume wegzulcgen; nicht um die Welt hätten sie ihren Fund aus der Hand ge­lassen.

Am folgenden Tage trennten sie sich. Ein Jeder hatte im Stillen seinen Entschluß darüber gefaßt, wie er in nächstkommender Nacht seine Blume gebrauchen wollte. Anselm suchte die Burg Falkenstein zu erreichen, von der ein unterirdischer Gang nach der verschütteten Tidians- höhle führt. Wem der Eintritt zu ihr zu Gebote steht — so viel ist im ganzen Harz bekannt — der hat die Wahl unter Tausenden von Kleinoden. Fässer voll gol­dener Kaisermünzen, nach der Jahreszahl ihres Gepräges geordnet, bilden in jener Höhle eine lange Reihe, die nur