Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Naffainschen Allgem. ZcitimA
1849. — M 111.
Klänge und Bilder ans Ungarn.
Don Joh. N. Vogl.
1.
Der Csikos *)
Die Pußta ist das Land, wo ich zu Haus', Mein liebster Klang int Schilf das Windgebraus', Mein liebster Trank der Quell in ihrem Grund, Und meine Lust der Erni rother Mund!
Mein Pferd und ich wir wuchsen darauf groß, Was Einem, ist zugleich des Andern Loos, Heut Streu und Mahl im Csârdahaus **) genug, Und morgen Peitschenschlag und Hewenflug.
Doch was auch kommt, nicht schwächt's den inner'n Trieb, Die Pußta ist mir wie dem Rosse lieb, So weit mein Auge reicht, die Kreuz und Quer, Sind wir auf Heimathgrund, was braucht es mehr!
Die Peitsche schwing ich, daß sie weithin knallt, Horch, wie eS in der Ferne wiederhallt! Mit luft'gen Lettern schreib ich's himmelan: „Die Pußta ist mein Reich, wer zweifelt d'ran?!"
A Der schwarze Bettler.
(Fortsetzung.)
Xavier glaubte auS einem wüsten, unheimlichen Traume zu erwachen.
„Wo seyd Ihr denn?" rief Frau von Rumbrye aus.
Sie stolperte über Carrals Leiche.
„Ein Leichnam!" rief sie erschrocken aus.
*) Sprich Tschikosch.
**) Cssrda, isprich Tscharda, Schenke.
Der Bettler schob den Vorhang zurück und das volle Mondlicht beleuchtete plötzlich das Zimmer.
„Frau von Rumbrye!" rief Xavier erstaunt.
Sie wollte entfliehen.
„Bleiben Sie, Wittwe des Hauptmanns Lefebvre, wir haben eine große Rechnung mit einander abzumachen."
„Die Wittwe meines Vaters! rief Xavier aus, meine Mutter!... Um Gottes Willen, was ist hier vorge» fallen?"
Die Marquise machte einen letzten verzweifelten Versuch, ihre gewöhnliche Kaltblütigkeit noch einmal zu gewinnen.
„Dieselbe Frage erlaube ich mir: Was ist hier vorgefallen? Ich sehe dort einen Leichnam!"
„Den Leichnam eines Mannes, den ich tödtete, unterbrach Neptun, weil er auf Ihren Befehl Ihren eigenen Sohn ermorden sollte."
„Meinen Sohn! wiederholte die Marquise. Ich habe keinen andern Sohn als Alfred Lefebvre-des Vallees."
„Sie glaubten ihn wohl langst verschollen, nicht wahr? begann der Bettler wieder. Es ist freilich schon lange her, und Sie glauben, eine Lüge reiche hin, Sie aus der Sache zu ziehen! Doch nein, Madame! Hier habe ich Etwas (er schlug auf seine Brust), wodurch Sie überwiesen werden sollen. Sie haben zwei Söhne, einen ehelichen Sohn, und das ist dieser hier, und einen andern, der unehelich geboren ist."
„Neger! sagte die Marquise mit einer Betonung, die glauben ließ, sie habe in ihrem ganzen kreolischen Wörterbuche kein verächtlicheres Schimpfwort finden können, Du sollst mir Deine Frechheit theuer bezahlen... Alles, was Du vorbringst, ist Lüge und Verleumdung!"
Der Leichnam des Mulatten schien sich wieder zu beleben; er machte eine leichte Bewegung.
„Wache wieder auf, Carral, und übernimm meine
