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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauische» Allgcm. Zeitung.

1849. — ^S 107.

Ihr Könige gebt Acht!

WaS Ehr im Leibe hat, ruft Einheit, Ehr und Macht Und Tilgung langer deutscher Schanden, Es ruft und flucht aus allen Landen:

Ihr Könige gebt Acht!

Der deutsche Gott lebt noch und wacht.

Es lebt und wacht der Gott der Herrlichkeit und Macht, Sein sind die Wonnen und die Schrecken, Die aus dem Schlaf die Völker wecken.

Ihr Könige gebt Acht!

Gott ist's, der Sturm und Heitre macht.

Erbebt! das Wetter ist des Herrn, der blitzt und kracht,

Er wird des deutschen Haders Drachen

Zu Staub zerblitzen und zerkrachen.

Ihr Könige gebt Acht

Auf Gottes Acht und Aberacht!

Erbebt! denn alles Volk ruft Einheit, Ehr und Macht,

Es schreit den Ruf in alle Winde, Wo eS den deutschen Kaiser finde.

Ihr Könige gebt Acht!

Schaut, horcht, woher es blitzt und kracht!

Erbebt! erkennt die Zeit, die Gott der Herr gemacht!

Wollt länger ihr im Stolz erblinden,

Dann haut euch Gott aus den vier Winden —

Ihr Könige gebt Acht! —

Die deutsche Acht und Aberacht.

Am 3. Mai. E M. Arndt

^ Der schwarze Bettler.

(Fortsetzung.)

Carral beachtete diese Schmähung nicht und fuhr ruhig fort.

„Man kann todten, ohne sich zu schlagen. .-. Was

kümmert Sie das Mittel, wenn das Resultat das­selbe ist?"

„Wie aber?" . . .

„Hören Sie mich an."

Der Mulatte setzte sich neben seine alte Gebieterin.

„Morgen, fuhr er fort, reifen Sie nach dem Schlosse von Rumbrye. Der Herr Marquis hat in meiner Ge­genwart Lavier zu einem Besuche dort eingeladen. Schreiben Sie ihm ebenfalls."

„Rein! nein! rief die Marquise lebhaft; dieser Brief könnte" .. .

„Sie haben Recht. Nichts darf Sie kompromitti- ren! . . . Das Schreiben übernehme ich. Nur lassen Sie Herrn von Rumbrye wissen, daß Sie mich auch einge- laden haben."

„ES sey."

„Das Uebrige ist meine Sache. . . Morgen also werden wir uns im Schlosse von Rumbrye Wiedersehen."

Der Mulatte entfernte sich. Als er auf der Straße war, erleichterte ein krampfhaftes Lachen seine Brust.

„Ich werde einen Mord begehen, dachte er, aber ich werde dadurch ihr Gebieter, wie ich vorher ihr Sklave war. O, wie werde ich mich dann an ihr rächen!..."

Er trat in ein Kaffeehaus, wo er schnell einige Worte niederschrieb, seinen Brief zusammenlegte, denselben an Lavier adressirte und auf die Post tragen ließ.

Es war schon sehr spät. Lavier war nach Hause zurückgekehrt und hatte sich gewundert, daß Carral seit Vormittag sich nicht mehr hatte blicken lassen.

Ein Diener überbrachte ihm einen Brief mit seiner Adresse und entfernte sich sogleich wieder. Als Lavier ihn gelesen, ging er händereibend im Zimmer umher.

„Neptun, sagte er zu dem Bettler, der mit ihm ge­kommen war, ich werde Dich auf einige Tage verlassen." I „Mich verlassen, warum?"