Der Wanderer.
Mristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1849. — â' 97.
A Der schwarze Bettler.
(Fortsetzung.)
nnige Tage nachher empfing der Hauptmann, wäh- r im Felde stand, durch einen Boten einen Brief .iner Frau, folgenden Inhalts:
„Mein Herr!
Ich habe Sie zu lieben geglaubt, ich habe mich ge# 'cht. Dies ist ein Unglück. Wir werden uns nie r sehen. Ich habe vergessen, Sie wissen zu lassen, ich selbst einen Sohn besitze, der nicht Ihnen ge# , einen Sohn, den ich liebe, weil sein Vater der ige Mann ist, den ich geliebt habe. Ich nehme $?5 Kind mit mir, und lasse Ihnen das Ihrige.
Die Urkunde über unsere Trauung werde ich in# Uh aufbewahren, sie wird meinem Sohne in Zu- t noch Dienste leisten können. Der Ihrige hat ^8 nöthig als Sie selbst.
Neben Sie sich keine Mühe, mir zu folgen. Ich I eine Trennung zwischen uns, und mein Wille ist iderruflich. Niemand wird mir das verdenken. Es einmal so in meiner Natur. Leben Sie wohl!
„Florence Angele."
er Hauptmann glaubte das Spiel eines bösen es zu seyn. Er las den Brief wiederholt durch, ard fast toll.
iese kalte Schamlosigkeit bestürzte ihn um so mehr, bis dahin für seine Frau eben so viel Achtung :be gehegt hatte.
och nicht lange überlebte er seinen Kummer. Drei er Tage nach Empfang des unheilvollen Briefes sein Detachement an den Ufern des großen Flusses n Aufrührern angegriffen. Der Hauptmann kämpfte iner Gewohnheit tapfer, wurde aber in demselben blicke, wo er sich auf die schon halb besiegten Ne-
gcrschaaren stürzen wollte, von einer feindlichen Kugel in die Brust getroffen, die ihn todt in die Arme seines treuen Dieners hinstreckte.
Frau Florence Angele Lefebvre des Vallees aber packte, nachdem sie mit ihrer hübschen Hand das zärt, liche Liebesbriefchen geschrieben, welches wir unsern Lesern eben vorgelegt haben, ihre Diamanten zusammen, versah sich mit einer hübschen Summe Geldes und begab sich nach London. Dort erfuhr sie durch die französischen Zeitungen den Tod ihres Gemahls, was ein Lächeln auf ihre Lippen hervorlockte. Sie war jetzt ganz frei, und ihr Sohn hatte einen Namen, den Niemand ihm streitig machen konnte. War sie nicht die Wittwe des Kapitäns Lefebvre?
Einige Zeit nachher erhielt sie eine minder erfreu, liche Nachricht. Die Neger auf St. Domingo hatten gesiegt, und Florence Angele verlor ihr ganzes Ver- mögen.
Doch sie war jung, von anbetungSwerther Schönheit, und führte mit den ihr übrig gebliebenen Resten ihres Vermögens ein glänzendes Leben. Zwei oder drei Dutzend Gentlemen hatten sich bereits an ihren Wagen gespannt. Da sie in England die Prinzipien anwandte, welche ihr ein Engländer eingeprägt, so ruinirte sie eine beträchtliche Anzahl von Mitgliedern des hohen Parlaments, ohne es unter ihrer Würde zu halten, auch noch das Vermögen mehrerer Kaufleute zu zerstören. Als sie dieses glänzenden doch im Grund elenden Lebens müde war, so reichte sie endlich ihre Hand einem'jungen Lord, der sich für den Glücklichsten unter den Sterblichen hielt. So geht es in London zu. Von dem Boudoir einer Buhlèrin bis zu dem gesetzlichen Ehebette eines Pairs ist nur ein Schritt.
Unterdeß ward der junge Alfred des Vallees ein großer und schmächtiger Bursche, der sich an der Seite
