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Wie das Auge der Vorsehung über den Unglücklichen wacht.

Mannheim, 20. April. DaS schon oft gerügte, de­fekte Rheindammgeländer, die jahrelange Ursache ängstli­cher Vorsorge der Eltern und Kinderwärterinnen, war gestern die Veranlassung zu einem so schauderhaften als wunderbaren Vorfall.

Am 18. Abends kam ein Mädchen von Landau auf der Eisenbahn hierher. In einem Anfalle von Schwindel und Uebelkeit lehnte sie sich ohnmächtig an obiges Ge­länder, bewußtlos sank sie nach einiger Zeit zur Erde, und, schlimm genug, mit dem Oberkörper durch das, der fehlenden Querbalken wegen, offene Geländer. Sie ver­suchte sich aufzuraffen, stürzte aber kopfüber den zirka 20 Schuh hohen Damm und die Quaimauer hinunter auf die spitzkantigen rauhen Rollsteine des Ufers. Als sie sich nach einiger Zeit bewußtlos erhob, taumelte sie in den Rhein,? trieb eine Strecke fort, arbeitete sich aber, trotzdem, daß das Wasser an dieser Stelle sehr tief ist, wieder herauf, sank todtmatt und zitternd auf die Steine nieder, und gebar in diesem Jammer ein Kind. Dann schleppte sie sich mit dem armen Würmchen hülfe- suchend zirka 150 Schritte weiter hinab bis zur Eis­breche, wo sie kraftlos niedersank, und eine fürchterliche Nacht, bei Sturm und Kälte, mit nassen an die Steine angefrorenen Kleidern, verzweiflungsvoll zubrachte.

Von den Leuten des nächsten Hauses in der Frühe gefunden, wurde sie mit vieler Mühe über die Balken der Eisbreche hinweg in deren Wohnung getragen, und hier menschenfreundlich gepflegt; ärztlicher Hülfe gelang es, sie im Verlaufe des Vormittags so weit herzustellen, daß sie in das Spital abgeholt werden konnte. Kind und Mutter waren ganz erstarrt, leben aber beide, trotz des Uebermenschlichen, was sie aushielten, und ist, so Gott will, ihre Rettung nicht unmöglich.

Zu bedauern ist, daß der Armen, so schwer Geprüf­ten, während ihrer schrecklichen Situation, wahrscheinlich von einem Vorübergehenden auf dem Damme, das we­nige Geld und die Kleidungsstücke, welche in ihrer Stroh-; lasche auf der Bank liegen geblieben waren, entwendet wurden. Die Unglückliche ist 26 Jahre alt und aus der Gegend von Würzburg zu Hause. (Mannh. Journ.)

Mis) eilen.

Der Dichter Moritz Hartmann, den die Ironie des Zufalls in die Paulskirche nach Frankfurt geschleudert, will sich

an letzterem Orte niederlaffcn. Diesen Reichstagsabgeordneten will die k. k. österreichische Polizei unter die Recruten stecken, wenn er heimkommt. DerPfaff Mauritius" hält es darum nicht für gerathen, in die k. k. Lande zurückzukehren. Er meint, 800,000 M. Soldaten seyen für den Gesammtstaat reichlich ge- nug, ohne ihn.

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Avis au 1 ccteur: In dem kernigen Norden Deutsch­lands singt man jetzt:

Und will he us denn nich, So will wie ein ook nich, Den Kaiser Wilhelm Friederich.

Wie willtn dütschet Rik, Wenn ook mit Republik,

Dat is uns Allens, Allens, Allens glik.

Das ist der Nachhall derköniglichen Worte!"

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Der HamburgerFreischütz", das bekannte Volksblatt, ent; hält folgende interessante und ganz thatsächliche Notiz:So spiet das Schicksal mit Schiffen, Menschen und Röcken! Wer es woh dem Kommandeur Paludan vorausgesagt hätte, als er mit seinen schwimmenden Prachtbau in den eckernförder Hafen einlief, das er einige Tage später genöthigt sein würde, sich bei einem ham burgischen Schneider einen Rock zu bestellen, weil ihm nichts an zuziehen blieb, als die Uniform, welche er beim Verlassen seines Schiffes trug. Und doch ist es buchstäblich wahr, daß der Be fehlshaber jenes mächtigen Linienschiffes seinen einzigen Uni forms-Rock durch einen Bekannten nach Hamburg schicken lief um nach dem Original eine ihm so dringend nöthige Kopie an fertigen zu lassen. Der Rock Paludan's ist reich mit Goldschnürei besetzt, ein weißrothes Ordensband schimmert an demselben. Au' den vergoldeten Knöpfen befindet sich, ein Anker mit einer Kron« darüber. Diesem Kleidungsstücke nach zu urtheilen, muß da (schon bejahrte) Paludan ein kurzer, untersetzter, kräftiger Mam sein."

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In seinen Briefen an Körner gibt Schiller folgendes Ge mälde des Herder'schen Familienlebens:Von den Weimarer großen Geistern überhaupt kommen einem immer närrische Dmz« zu Ohren. Herder und seine Frau leben in einer egoistischen Em samkeit und bilden zusammen eine Art von heiliger Zweieinigkeit, von der sie jeden Erdensohn ausschließen. Aber weil beide stolz beide heftig sind, so stößt diese Gottheit zuweilen unter sich selbst an einander. Wenn sie also in Unfrieden gerathen sind, so wohnen beide abgesondert in ihren Etagen, und Briefe laufen Trepp« auf, Treppe nieder, bis sich endlich die Frau entschließt in eigener Person in ihres Ehegemahls Zimmer zu treten, wo sie eine Stelle aus seinen Schriften recitirt, mit den Worten:Wer daè gemacht hat, muß ein Gott sein, und auf den kann Niemand zürnen""dann fällt ihr der besiegte Herder um den Hals, und die Fehde hat ein Ende. Preiset Gott, daß ihr unsterblich seid!"

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.