zu brechen, weil er sonst seinen guten Herrn hätte ver- lassen müssen.
Diese Anhänglichkeit war indessen eine gegenseitige. Der Hauptmann Lefebvre setzte in seinen Neger vas unumschränkteste Vertrauen; er hätte ihm ohne Furcht seinen theuersten Schatz in Verwahrung gegeben.
Und doch verbarg er ihm ein Geheimniß. Der Kapitän Lefebvre liebte Florence ves Vallees. Jeden Abend schlich er insgeheim zu ihr. Das erste Mal hatte ihm der Neger folgen wollen, aber auf des Hauptmanns ausdrücklichen Befehl auf sein Vorhaben verzichten müssen.
In der ganzen Kapstadt war der Hauptmann Lefebvre vielleicht der Einzige, der Florence's lasterhaftes Betragen nicht kannte. Er hielt sie für rein. Florence, für die er der Gegenstand einer ihrer glühenden vorübergehenden Launen geworden, breitete ihre zauberhafte Schönheit wie einen undurchdringlichen Schleier zwischen ihm und der Wahrheit aus. Der Hauptmann war überdies leicht zu täuschen. Ausschließlich getheilt in die Sorgen seines militärischen Dienstes und in die stillen Genüsse seiner Liebe sah er in der ganzen Kapstadt Niemand als Florence, und Florence wußte, wenn sie wollte, sich mit dem Heiligenschein engelgleicher Schamhaftigkeit zu bekleiden. Eine bürgerliche Ehe war doppelt unmöglich zwischen den beiden Liebenden, das junge Mädchen war noch minderjährig, und der Hauptmann konnte unter den dringenden Verhältnissen, in denen er sich befand, die Genehmigung seiner Vorgesetzten unmöglich erhalten. Ein Priester verband sie im Geheimen.
Es versteht sich, daß Florence Angele ihrem Gemahl das Daseyn des Kindes des Engländers verborgen hielt. Daher empfand auch der Hauptmann, als sie zum zweiten Male Mutter ward, eine ungetrübte Freude, und seine Liebe wurde durch die Geburt eines Sohnes wo möglich noch größer und inniger; Florence dagegen wurde traurig, ihre verliebte Laune hatte ihr Ende erreicht. Sie gedachte des kleinen Alfred, der fern von ihr aufwuchs, und empfand nur noch Gleichgültigkeit gegen ihr zweites Kind und Ueberdruß an dessen Vater.
Die Geburt hatte in dem Augenblicke stattgefunden, als der Bürgerkrieg die ganze Insel in Flammen gesetzt hatte. Die aufrührerischen Neger begannen die Oberhand zu gewinnen. In der Kapstadt, welche zweimal den Aufrührern in die Hände gefallen war, herrschte gänzliche Gesetzlosigkeit. Alles, was der Hauptmann thun konnte- war, die Geburt seines Sohnes kirchlich bestätigen zu lassen, eine Sitte, welche in einigen Gegenden noch gesetzlichen Werth hatte. Der Akt ward von demselben Priester ausgenommen, der die Heirath geschlossen. Auch unterzeichneten dieselben Zeugen diese zweite Erklärung.
Es waren ein Diener von Florenz und ein Mulatt Namens Jonquille, den sie freigemacht, damit er ihr dieser Dienst leisten konnte. Der Kapitän nahm eine Kopn von der Urkunde und ließ das Kind zu einer Amme außer halb der Stadt auf eine neutrale Pflanzung bringen welche von befreiten Negern verwaltet wurde.
(Fortsetzung folgt.)
Die Aula
(Fortsetzung.)
Wir drücken ihm unser Bedauern aus über den ganzen Fall. Der Minister antwortet kopfschüttelnd Ja, ist wahr, ist mir leid, hâtt's nicht thun sollen, ist mir leid — aber, fügt er, sich selbst tröstend, hinzu: Subordination! Der Kaiser!
Wir konversiren weiter, er schreitet im Zimmer mil uns auf und ab.
Aber sagen Sie mir, beginnt er plötzlich, wann komm ich denn hinaus?
Das ist eine kitzelige Frage; wie hilft man sich da? Man kann dem alten Manne nicht wehe thun und ihm seine Zukunft schwarz malen, er weiß ja ohnehin nicht mehr von der Sache, als er eben gesagt; man kann aber auch andrerseits nicht voreilig etwas aussprechen und der Würde des Komite's etwas vergeben. Was ist da zu thun.
Der Besuchende findet plötzlich einen Ausweg! Ja, Herr Graf, Sie können gleich hinaus, gleich, wir halten Sie gar nicht — Sie können gehen, Sie sehen, die Thür ist offen. Aber was draußen mit Ihnen geschieht, das wissen wir nicht, dafür können wir nicht stehen. — Sehen Sie, hier sind Sie in unserem Schutz, da darf Ihnen Niemand ein Haar krümmen; aber draußen! — Sie wissen, das Velk ist erbittert, und gerade am meisten über Sie; Sie wissen, daß das Manifest an Allem schuld ist — wenn Sie dem erbitterten Volke in die Hände fallen — gleich — gleich — Latour!!---Herr Gras Sie können gehen, gleich, wenn Sie wollen, wir haben Sie blos Ihretwegen hier behalten — aber wenn Sie wollen---!
Der Mann bleibt stehen, sieht uns einen Augenblick starr an, dann hält er sich die Hand vor die Augen, holt tief Athem und sagt mit bewegter Stimme: Sie haben Recht — ich bleib hier — Sie meinens gut mit mir — ich hab viel verschuldet! — Er drückt dem Legionär die Hand — und das Gespräch nimmt eine andere Wendung.
Während des Bombardements saß er ruhig, ganz unbewegt, wie ein Kind, in seinem Zimmer, horchte auf
