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die Termine verkündet. Aber kein Mensch wollte kommen, um sein Einkommen anzugeben. Wer mochte auch so leichtsinnig seyn, um in eidlicher Treue zu versichern, was er im Lause eines erst begonnenen Jahres noch ein- nehmen werde! Und so verlangte es doch das Ge­setz! Wir hatten zwar in dieser Zett der Wunder viele Seher, viele Weissager, viele falsche und achte Propheten, viele betrogene Betrüger aufstehen sehen; aber ein Prophet, der auf ein Jahr voraus Ebbe und Fluth seines Geld­beutels ermessen wollte, fand sich nicht, Betrüger, die sich zum Nachtheil ihres eigenen Geldkastens betrogen hätten, erblickte man nirgends. Es trat eine allgemeine Steuervcrweigcrung ein, die nicht um des Ministeriums, nicht um der Kammer willen, die rein zu Ehren der ge­sunden Vernunft geschah. Und als die Kammer wieder zusammentrat, war das Erste, daß sie ihr eigenes Gesetz suspendircn und fürunausführbar" erklären mußte. Zudem ergab sich's jetzt, daß diese Art der Besteuerung, aus welche Viele den ganzen Kredit deö Staatshaushal­tes, wie aus eine Glückskarte setzen wollten, nur wenige Tausende ausgeworfen haben würde!

Das war die zweite große Niederlage unserer gesetz­gebenden Versammlung. Der burschikose Glauben an die Untrüglichkeit sozialer Erperimente, an ein Universalheil­mittel des kranken Staatsgeldbeutels ward dadurch bis zum Eispunkte abgekühlt.

Die dritte Niederlage erfolgte durch die Verhand­lungen über das Schwurgericht, oder vielmehr durch die Nicht-Verhandlungen über dasselbe. Statt daß nämlich die Herren Juristen auf den rothen Stühlen dem Lande die dringend geforderte Wohlthat eines zeitgemäßen Ge­richtsverfahrens sofort hätten zu Theil werden lassen, in­dem sie nach dem Regierungsvorschlage das Gesetzbuch des benachbarten Hessen-Darmstadt kurzweg angenommen und bann die allgemeine Gesetzgebung für das ganze deutsche Reich abgewartet hätten, ließen sie sich von ihrer gesetzgeberischen Eitelkeit verführen, einen eigenen Entwurf auszuarbeiten. Nachdem solchergestalt die Erledigung der Jurysrage Monate lang verschleppt worden war, zeigte endlich ein zu Hülfe gerufener rheinhessischer Jurist, daß unser Schwurgerichtsausschuß bishcro mit der Stange im Nebel herumgeschlagen, und als Ende vom Lied erlebten wir's, daß doch der ursprüngliche Vorschlag mit geringen Abänderungen dürchging. So war in Monaten ein Ziel erreicht worden, welches man in eben so vielen Tagen hätte erreichen können, und während ringsum bei unsern Nachbarn bereits Schwurgerichte wirkten, mußten wir uns bis zuletzt mit der alten heimlichen Rechtsprechung be­gnügen. I

Unterdessen hatte sich's im Lande gezeigt, daß mi der eingetretenen Abkühlung in der That auch ein meh besonnener und gereifter Sinn eingezogen war. Den, die einzelnen, nunmehr freien Gemeinden fanden sich übe Erwarten gut in die neue Gemeindeordnung. Kamei auch hier und da Verkehrtheiten und Mißbrauch zu Tag so wurden doch die Befürchtungen ängstlicher Gemüthe zu Schanden, welche nichts als Unfug von der Selbst Verwaltung der Gemeinden erwartet hatten.

Im Gegentheil. Wo cs sich um praktische Ding, handelt, wo obendrein das Privatintcressc des Einzelnen so eng verflochten ist in das Ergreifen und Erfassen des Zweckmäßigen, da muß man auf den gesunden Sinn des Volkes weit mehr vertrauen, als auf alle Stubenweisheil. Wenn aber der Bauer höhere Politik treiben, wenn er gar in Sachen der Theorie die Männer der Wissenschaft meistern will, dann muß man ihm auch sagen, daß er bei seinem Leisten, nämlidf bei Karst,' und Pflug bleiben soll, Wir sind überzeugt, daß die neue freie Gemeindeordnung den Bauersmann bereits um ein gut Theil geschickter und selbstständiger in seinem Urtheile gemacht hat, und wenn heute oder morgen abermals eine Bewegung losplatzen sollte, dann wird sich das Landvolk nicht mehr wie im vorigen Jahre an der Nase herumführen lassen, da es in seinem eigenen Gemeindehaushalte bereits Selbstständig­keit, Selbstthätigkeit und Selbstprüsung gelernt hat.

(Forts, folgt.)

Miszelle n.

In der Spener'schen Zeitung wird die Jahreszahl. 1849 folgendermaßen gedeutet:

frIDerICVs g VILeLMVs qVartVs reX,

VIV AT Caesar!

(1849).

Die Zahl des Jahres deutet schon

Des Königs Ruf zum Kaiserthron z

Frisch auf, mein König, muthig dran! Wir folgen Dir, geh' Du voran!"

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Die größte Camelie, die man kennt, besitzt eine Dame bei Liverpool. Diese Camelie ist 15 Fuß hoch, hat einen Umfang von 63 Fuß und der Stamm mißt 10 Zoll im Durchmesser. Im Februar dieses Jahrs trug sie 7000 weiße gefüllte Blüthen.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.