Gewichte seiner eigenen Schwäche zu Boden gedrückt, für überwunden erklären.
Carral hatte auf den Befehl der Marquise Xavier aufgesucht. Er hatte ohne Mühe die Freundschaft des jungen Mannes erhalten, und da er ihm so vertrauens- voll und gutmüthig entgegenkam, so hatte er ihn lieb- gewonnen. Nichts destoweniger hatte Frau von Rum- brye das Innerste seines Herzens ergründet, als sie sagte: „Nicht aus Mitleiden für Xavier , sondern Deines eige nen Interesses willen vertheidigst Du seine Sache." Jedenfalls hatte der Mulatte nur den untergeordneten Willen, seinen Freund zu retten, während er vor Verlangen brannte, das Joch abzuschütteln, das auf ihm lastete.
Langes Schweigen entstand unter den redenden Personen, das endlich Carral, der seinen tiefen Groll unter der Maske erkünstelter Unterwürfigkeit verbarg, mit den Worten unterbrach:
„Gute Gebieterin, ich hatte Unrecht, und bereue... In Zukunft werde ich ohne Murren gehorchen."
„Reben wir nicht mehr davon, erwiederte Frau von Rumbrye. Du bist zwar zuweilen etwas wunderlich, doch Jeder hat seine Fehler. . . Erzähle mir die Geschichte unseres jungen Mannes."
Carral ließ sich das nicht zweimal sagen, und erzählte alles, was er von Xavier wußte. Die Marquise hörte mit größter Aufmerksamkeit zu.
„Bastard, murmelte sie, als er geendet; ich vermuthete es , aber ich hoffte nicht Alles das ... fünfzehn Goldstücke jeden Monat!... Fünfzehn Goldstücke, über deren Erwerb er sich nicht ausweisen kann; wir halten ihn daran. (Forts, folgt.)
i Zur Geschichte des deutschen Kaisers *) Adolph von 9t assa u
Vom Archiv-Direktor Oberschulrath Dr. Friedemann zu Idstein.
Non omnia possumus omnes. Virg.
Dem „Wanderer" wird auf seinem, wir wünschen und hoffen ununterbrochenen, Wege mitgegeben, was billiger Wei;e und eigentlich genommen anderwärts hingehört. Der berühmte deutsche Historiker, unser Nachbar, Hr. Stadtbibliothekar Dr. Böhmer zu Frankfurt a. M., hat in der neuen Bearbeitung seiner Register des deut-
*) Bekanntlich wurden die „deutschen Könige" erst durch Krönung und Salbung zu Nom „römische Kaiser", obwohl in früherer Zeit auch die Benennung „deutscher Kaiser" vorkommt. Adolph nach seiner Wahl zu Frankfurt am 20. Mai 1292, zu Aachen am 1. Zul. als „deutscher König" gekrönt, war nie in Rom.
' scheu Kaiserreiches von 1246 bis 1313 (Stuttgart 1844), wo er der trockenen, obwohl äußerst nothwendigen und eben deßhalb sehr sorgfältig ausgeführten Aufzählung der betreffenden gedruckten und ungedruckten Urkunden eine lebensvolle Schilderung jedes Kaisers und seiner Zeit aus tiefstem Quellenstudium voraussendet, S. 160 den Gymnasiallehrern Nassa u' s eine hohe patriotische Verpflichtung auferlegt, nach seiner Weise in kurze aber schwerwiegende Worte gefaßt: „Des ehemaligen Rektors Wagner Schediasmata de vita Adolph! Nassoici waren zehn Programme des Gymnasiums zu Idstein von 1775 bis 1780. Sie sind jetzt sehr selten und verdienten neu gedruckt zu werden." Ich meines Theiles habe nicht ermangelt diese Aufforderung weiter in der Nähe zu verbreiten, sowohl durch die „Zeitschrift für die deutschen Archive," als auch durch den „zweiten Vortrag über die Mitwirkung der Herzoglich Nassauischen Archive zu den Arbeiten und Zwecken des Vereines für Nassauische Alter- thumskunbe und Geschichtsforschung." (Wiesbaden 1848.) Aber der Beschluß der Mehrheit des Landtages hat alle und jede Kosten für die bisherigen Programme der Gelehrtenschulen des Landes verweigert, und so ist wegig- stens für jetzt eine ähnliche Arbeit, schon äußerlich auf solchem Wege, ohne Aussicht. Wenn im Laufe der Zeit ein Arbeiter aus dem genannten Kreise sich gefunden hätte, wovon aber bei den Archiven, wohin Anfragen nach dem vorhandenen Material zuerst gehören, noch feint Meldung geschah, so wird der historische Verein Nassau's die Mittel bieten können und müssen, da demselben der Landlag das vorigjährige Budget mit dem gewöhnlichen Zuschüsse bewilligte, und da alle solche Ausführungen zunächst und recht eigentlich in seinen Kreis gehören.
Diè verschiedenen Zweige deS Nassauischen Fürsten- «Hauses haben sowohl im vorigen als in diesem Jahrhunderte auf gemeinschaftliche Kosten durch inländische und auswärtige Gelehrte zur Geschichte ihres Urahns, des Kaisers Adolph, reichhaltige Materialien sammeln lassen, welche alle noch unverletzt aber auch unbearbeitet, in den Archiven aufbewahrt worden. Ganz besonders thätig hierbei war der damals in Weilburg wirkende und noch zu Hornau lebende Königl. Niederländische StaatS- minister Freiherr v. Gagern, welcher literarische Unternehmungen zu schätzen und zu schützen wußte, nach eigenem ruhmreichen Beispiele.
Nach der immer noch vorzüglichen „Geschichte des Königs Adolph" von H. W. von Günderrode, zuerst anonym zu Frankfurt a. M. 1779 gegeben, dann in den sämmtlichen Werken Bd.! wiederholt gab der jetzige Erzbischof zu Cöln, Joh. v. Geißel, als Domkapitular zu Speier, im Auftrage und auf Kosten des dortigen thätigen historischen Vereines als „Historische
