ria! Ich tauschte mich; Sie wußten es und ließen mich gewähren. Ich erinnere mich noch Ihres Lächelns, als Sie meine Verwandlung entdeckten. Sie hatten ein Recht zu diesem Lächeln, Gebieterin, denn der Zufall schenkte Ihnen dadurch einen Sklaven, einen Sklaven, dem mensch- liche Gesetze nimmermehr die Fesseln lösen können."
„Du bist beredt, Jonquille," sagte kalt Frau von Rumbrye.
„Noch immer dieser Name! rief der Mulatte zornig. Vergessen Sie denn, daß an dem Tage, wo ich wieder Jonquille werden würde, Sie alle Gewalt über mich verlieren würben?"
„Es ist wahr, Juan von Carral; ich habe Sie zu nöthig, um mich diesem Verluste auszusetzen. Doch reden Sie nur weiter."
Der Mulatte erstarrte vor diesem spöttischen Tone. Er antwortete nichts destoweniger:
„Ich bin auf Ihrer Besitzung geboren, Gebieterin, da kam die Freiheit; ich verkaufte mich von Neuem; doch die Sklaven lehnen sich zuweilen auf: nehmen Sie sich in Acht."
Die Marquise richtete ihren Kopf halb auf; dieses Mal jedoch hielt der Mulatte ihren Blick kühn aus.
„Wollt Ihr gegen mich ankâmpfen?" sagte Frau von Rumbrye, ohne aus ihrer nachlässigen Sorglosigkeit herauszugehen.
„Fordern Sie Etwas von mir, das ich ausführen kann... Ich will Lavier nicht verderben."
„Ihr wollt nicht!" sprach die Marquise langsam, wobei ihre schwarzen Augen unter ihren zusammengezogenen Brauen funkelten. »
Der Mulatte fühlte seine Kraft schwinden.
(Fortsetzung folgt.)
Vom Kriegsschauplatz in Italien.
(Schluß.)
Bis bei Vignale standen unsere Truppen auf der Straße; manches Bataillon erschien stark gelichtet; manches Regiment, das vorgestern noch eine große Strecke bedeckte, war klein zusammengedrängt, doch die Uebrig- gebliebenen gesund und Wohlgemuth, und wo zufällig nur ein Einzelner stand, schwenkte er die Mütze und schrie sein Vivat so laut er konnte. Rührend war dies bei den armen Verwundeten zu sehen, die auf Tragbahren und Wagen, noch elend zugerichtet, bei uns vorbeigeführt wurden. So wie sie den alten Feldmarschall erblickten, ließ sich ein schwaches Vivat, ein dumpfes Elfen hören, und die gesunde Hand hob sich zur Begrüßung in die
Höhe. Es ist etwas ergreifendes um die Liebe des eben vom Schlachtfelde heimgekehrten Soldaten zu seinem Führer, ein Band, das fester hält, als alle Disziplin. Ich sah verwundete Soldaten, die den Mann mit den weißen Haaren nur mit einem Blick grüßen konnten, aber dieser Blick fragte: Nicht wahr, du bist zufrieden? Der Soldat aber hat vor der Schlacht nicht gefragt: wo führst du uns hin? — er ist vertrauensvoll gefolgt. Wir haben viele Leute verloren — sehr viele sind verwundet, und wer sich eine Idee von den braven österreichischen Offizieren machen will, der höre, daß unter 10 bis 12 Blessirten ein Offizier ist.
Doch genug von diesen ernsten Bildern. Bald erreichten wir Vignale, und nachdem der Feldmarschall, umgeben von seinem zahlreichen und glänzenden Gefolge, in der Milte des Ortes eine Zeit lang gewartet, kam der König von Sardinien im vollen Galopp mit seinem Gefolge angesprengt, Ich könnte nicht sagen, daß dieser junge König etwas Jinponirendes oder nur etwas Würdiges in seinem Aeußeren hätte; er ist klein, rollt seine Augen auf eine sonderbare Art umher, und trägt einen ungeheuren hellblonden Schnurr- und Knebelbart. Sein Anzug war ganz phantastisch: er hatte eine Art reich verschnürten polnischen Rock an, einen eben solchen Dollmann, wie ihn die Husaren führen, und auf dem Kopfe, stark aufs rechte Ohr gesetzt, eine Feldmütze mit rother Einfassung ; in seinem Gefolge waren unter anderen eben so phantastisch aufgeputzte unbekannte Größen, die beiden Generale la Marmora, wovon der eine Chef und Cr- richter des Corps der Bersaglieri (Scharfschützen, die besten piemontesischen Truppen) — er erhielt bei Goito im vorigen Feldzug einen Schuß durch die Backen — und der andere derjenige ist, der sich beständig ein Vergnügen daraus macht, alles nur erdenkliche Böse und Unwürdige über die österreichische Armee zu schreiben. Der König küßte den Felbmarschall, das Gefolge grüßte uns — mit welchen Gefühlen, kann man sich denken; alsdann ritten der König, der Feldmarschall, Lieutenant Heß in den Hof eines nahe liegenden Hauses, wo nach viertägigem Feldzüge über den Frieden unterhandelt wurde.
Es war ein großer historischer Moment; die drei Männer standen in der Mitte des Hofes beisammen und in einem weiten Kreise um sie herum Sereschaner in ihren rothen, reich verzierten Kostümen. Einer meiner hiesigen Bekannten, ein junger Graf S. von Kaiserhusaren, der dem Könige entgegen geschickt worden war, unz ihm anzuzeigen, daß ihn der Feldmarschall erwarte, erzählte mir, Se. Maj. sey im vollen Galopp aus einem Bauernhöfe ihm entgegen gesprengt und habe unter Anderm gesagt: „Nun, in Mortara habt ihr mir sechs Pferde ge-
