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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur

Allgem. Zeitung.

1849. — J|f 83.

△ Der schwarze Bettler.

(Fortsetzung.)

Carral wischte, statt zu antworten, die Gläser sei- sLorgnons ab, und richtete dasselbe auf den Wappen- -ild des Wagens.

„Rumbrye!..." stammelte er.

„Es ist schon zu spät, um noch in die Kirche zu hen," erwiederte Lavier, der ihn nicht verstanden hatte. Vielleicht ist es ein galantes Abenteuer für Jemand von seren Nachbarn."

Don Juan erbleichte und zitterte.

„Für Sie vielleicht," fuhr Lavier fort, „für Sie, ’ Sie nichts sagen, loser Vogel."

Der Wagenschlag ging auf. Eine Frau von elegan- t und anmuthigem Aeußern setzte ihre kleinen Füße f das schlüpfrige Pflaster, und sah am Hause hinauf, r schwarze Bettler, der bis dahin unbeweglich an fei# n Posten geblieben, und unter dem Vorsprunge des rtals zu schlafen schien, trat herbei und hielt die Hand . Doch die schöne Dame ging schnell an ihm vorüber, > überschritt die Schwelle des Hauses.

»Ich hatte es meiner Treu errathen!" rief Lavier.

„Sie ist es!" dachte Carral, seine Farbe wechselnd.

„DaS ist eine seltsame Aehnlichkeit!" murmelte der oarze Bettler, dessen Gesicht Ueberraschung und Arg« in ausdrückte. „Ich muß erfahren wer sie ist!"

Die Dame stieg indeß die Treppe des Hotels hinauf. Lavier legte sein Ohr an das Schlüsselloch der Thüre, seine kindische Neugierde zu befriedigen, und zu er# en, zu welch' glücklichem Nachbar sich die schöne Un# nnte begeben würde.

Der Bettler nahm ruhig wieder seinen früheren Platz Der Kirche ein.

Nach Verlauf einiger Sekunden ertönten drei kleine I

Schlage an die Thüre des Zimmers, in dem sich unsere beiden jungen Leute befanden.

„Immer besser! sagte Lavier scherzend; es betrifft Sie oder mich."

„Es betrifft mich;" erwiederte Don Juan mit er# stickter Stimme.

Er öffnete. Eine Frau trat ein, deren Gesicht von einem unvurchstchtigen Schleier verhüllt war.

„Ich will nicht beschwerlich fallen, Freund, sagte Lavier leise, ich ziehe mich zurück und begebe mich an den Ort, wie Sie wissen...."

Er grüßte die verschleierte Dame und ging hinaus.

Als er fort war, änderte sich plötzlich die Miene Carral's; seine dünkelhafte, prahlerische Dreistigkeit fiel wie durch Zauber. Er neigte sich tief und nahm eine achtungsvolle und unterwürfige Stellung an.

„Gute Gebieterin, sagte er mit halblauter Stimme, was verlangen Sie von mir?"

II.

I o n q u i l l e.

Die Person, welche eingetreten, war eine Frau von mittlerer Gestalt und wundervollem Körperbau. Ihr Antlitz hatte die Frische der Jugend verloren, aber immer noch war es schön und man durfte annehmen, daß die Blässe ihrer Wangen und der matte Glanz ihrer großen schwarzen Augen eher die Folgen der Abspannung, als der Jahre waren. Es war eine jener Frauen, auf deren Alter man keine Wette eingehen darf, wenn man nicht wenigstens ihren Taufschein in der Tasche hat. Manche hätten sie für dreißig Jahre gehalten, während besser Un­terrichtete von vierzig sprachen. Wenn letztere Ver­muthung die Wahrheit war, so muß unsere Unparthei- lichkeit ihr das Zeugniß ausstellen, daß die Zeit ziemlich spurlos an ihrem Gesicht vorübergegangen war. Indes-