Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Naffanischcn . Zeitung
1849. — â 88.
):( Moderne Kapuziner - Predigt.
Halten in der Paulskirche nach der Abstimmung über den Welcker'schen Antrag.
'a ! Juchheisa! dudeldumdei! geht'S ja bunt zu! bin auch dabei, das ein Benehmen für Deutsche, für Christen? v wir Polen, find wir Anarchisten?
bt man so mit unsrer Einheit Spott, hätte der allmächtige Gott
Chiragra, könnte nicht drein schlagen?
jetzt Zeit zu kleinlichem Streit, Hader und Unversöhnlichkeit? d hic statis factiosi?
I zieht Ihr Mäuler und macht Euch Fäuste! Feinde Deutschlands drohen ganz dreiste,
1 Bollwerk des Baierland's ist schon unsicher, )er Böhmer Gränz' höhnt schon des Russen Gekicher, Ihr sitzt hier zu Frankfurt am Main, t Euch und bart Euch in den Tag hinein? mert Euch mehr nm Partei als Partie, 1 wer die gewinnt, was kümmert Euch die. eit lieber in der PaulSkirch wie Eisenfresser, wetzt statt auf'n Feind auf'nander die Messer!
im Vaterland Haß und Zwietracht haust, sich der Oest reicher höhnisch in die Faust.
st eine Zeit der Schmach und der Noth !
Himmel kommen keine Zeichen noch Wunder, in Frankreich, blutigroth
t die Fahne des Aufruhrs; den deutschen Zunder t' es entzünden der Welt verkünden
Evangelium des Mord's! —
Schifflein Deutschlands schwimmt ohne Steuer im deutschen Reiche — o! weh! st's nicht geheuer!
soll jetzt führen einen Krieg zur See, hat zu seinem Schutz — nur Riffe — keine Schisse!! tandheere, können nicht über die Meere.
!t hilft da den Pfaffen und frommen Baiern Ave und Pater noster Leiern ?
Sie können's nicht hindern — noch lindern, Daß die gesegneten deutschen Länder Verkehrt werden in — Elender! — Woher kommt das? Das will ich Euch sagen, Das kommt von Eurem nutzlos langen Tagen,
Von dem Zank und Haderleben,
Dem sich Recht' wie Link' ergeben.
Denn Euere Sünd' ist der Magnetstein,
Der das Eisen zieht in's Land hinein.
Auf das Unrecht da folgt das Uebel,
Wie die Thrän' auf die herbe Zwiebel,
Hinter dem II folgt gleich das Weh,
Das ist die Ordnung im A B C! —
Ubi erit — o! wie jämmerlich wankt
Nostrae victoriae spes! Wie wollt Ihr siegen,
Wenn Ihr Euch untereinander nur zankt,
Nichts thut als in den Haaren Euch liegen?
Die Frau in dem Evangelium
Fand den verlorenen Groschen wieder,
Der Saul seines Vaters Esel wieder,
Der Joseph seine sauberen Brüder:
Aber wer bei Euch Parlamentäre sucht,
Eiuträcht'gen Sinn und gute Zucht
Und Lieb', der wird wenig finven,
That er auch hundert Laternen anzünden.
Zu dem Prediger in der Wüsten,
Wie wir lesen im Evangelisten,
Kamen auch Staatsmänner gelaufen, Thaten Buß' und ließen sich taufen,
Fragten ihn: quid faciemus nos?
Wie machen wir's, daß wir kommen in Abrahams Schooß?
Et ait illis: unb er sagt:
Si porro nunquam mendacium dicatis, Wenn Ihr nie mehr falsch zeugt oder lügt.
Contenti estote, Euch begnügt
Stip^ndiis vestris, Cu'ren Diäten
Und verflucht alle bestechlichen Féten!
Es ist ein Gebot: Du sollst die Gefühle
Der Vaterlands lieb' nicht verrathen im Gewühle
Des Kampfs der Partei'» aus nied'ren Rücksichten, Doch hier in der PaulSkirch' hat's eigene Pflichten!
I Wenn man für jeden Land- oder FreundeS-Verrath,
