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„Sie sind sehr glücklich, Carral."

„Geht an ... NebrigenS wenn Sie auch den schön­sten Namen in Frankreich hätten, so würden Sie doch noch stets ein Hinderniß auf Ihrem Wege finden."

„Was für ein Hinderniß?"

Die Stimme Carral's ward ernst.

„Sie haben einen Todfeind, Lavier, einen mächtigen, furchtbaren Feind, der Ihnen nie verzeihen wird ... fra­gen Sie mich nicht nach seinem Namen, ich kann Ihnen denselben nicht nennen."

„Einen Todfeind! wiederholte der junge Mann, ein Feind, der mir nie verzeihen wird?... So weit meine Erinnerungen reichen, finde ich nichts.... Sie scherzen, Carral! Ich weiß ganz gewiß, daß ich Niemanden be­leidigt habe." (Forts, f.)

Ludwig von Schwanthaler.

(Fortsetzung.)

Schwanthaler war eine ganz romantische Natur. Zwar kannte er das Alterthum; er hatte der Schönheit der alten Welt frühzeitig in's Auge gesehen und, hinge­rissen von ihr, seine Seele erfüllt mit ihren Reizen und seine Phantasie mit ihren Thaten und Erlebnissen; aber sein Herz war anderswo zu Hause. Schon als Knabe schwärmte er für Nittergeschichten, und sie waren es, die ihn von dem Weg zum Schlachtenmaler, den er bereits betreten, wieder abführten. Nicht mit Abgüssen und Ab­bildungen antiker Kunstwerke umgab er sich; nur spär­liche Fragmente derselben fand man bei ihm, aber eine vollständige Waffensammlung aus der Ritterzeit und Ge­mälde und Skulpturen des Mittelalters nahmen die Wände seiner Wohnung ein; ja, er ruhte nicht, bis er sich in einsamer Gegend am obern Isar-Ufer eine voll­ständige Ritterburg mit Mauern und Zinnen erbaut, in welcher er die Träume seiner Jugend noch einmal unb nun mit sichtlichen Augen träumen wollte. Derselbe ro­mantische Sinn ließ ihn auch mit einem bei einem Bild­hauer kaum erklärlichen Enthusiasmus an einem Bilde hangen, das er seinem Arbeitstisch gegenüber aufgestellt And in welchem nichts zu sehen war, als das Stück einer in Bewegung gesetzten Glocke und durch die Oeff- nung der Glockenstube ein Stück Lust in der Morgen­dämmerung. Für ihn lag in diesem so zu sagen ganz form- und inhaltlosen Bilde eine ganze Welt, nämlich seine, die romantische. Wie ausgezeichnet daher auch seine homerischen Schlachten und seine Triumphe der Aphrodite und deö Bachus sind, wie tief durchdacht und schön sein Schild des Herkules, wie zarr seine CereS

und Proserpina ist, in all diesen Dingen ist er nicht i übertroffen und reicht jedenfalls, auch abgesehen von Formenvollendung, nicht an die wie aus dem Geist alten Kunst gebornen Werke Thorwaldsens. Dagegen er nicht nur wirklich Schöpfer der romantischen Sku Kür in unsern Tagen, sonvern auch ihr Meister ü Allen.

Schon in der Arminius-Schlacht waltet das rom> tische Element vor, und gibt den Charakteren und Grup pen ein fast malerisches Gepräge; entschieden aber t es in den Künstler-Statuetten und unvergleichlich in älteren FürstewStatuen des Saalbaues auf: reizen no'ch in den Gestalten des Tafelaufsatzes, wo die Hell und Heldinnen der Nibelungen- und Amelungen-S dargestellt sind; höchst eigenthümlich in den allegorisci Statuen am Karlsruher Denkmal, in dem Brunnen Austria zu Wien, in den Statuen der böhmischen Ruh« meshalle und in höchster Schönheit und Erhabenheit im Koloß der Bavaria.

Feiert nun Schwanthaler in diesen und ähnlichen Werken seine höchsten Triumphe, und hat er auf diesem Gebiet keinen gleichwiegenden Nebenbuhler, so muß ei dafür auf einem andern die Palme Anderen überlassen. Christliche Gegenstände hat Schwanthaler nur wenig bl arbeitet. Noch ferner aber stand der romantischen Seele des Künstlers die Gegenwart. Gewiß sind die Ehren Statuen Mozart's, Jean Paul's, Göthe's, Wrede's u. A ungeachtet aller unläugbar schönen Eigenschaften nicht be friedigend, jedenfalls die schwächsten feiner immer und unläugbar geistvollen Arbeiten.

Wenden wir uns nun von dem Künstler zum Men­schen, so begegnen wir einem durchaus liebenswürdige! Charakter.

„Es ist schon sehr lange her" (heißt eS von ihm in der Allgemeinen Zeitung vom 25. November), „daß wir von Schwanthaler nicht anders mehr, als mit dem AuS- druck des Bedauerns sprechen gehört. Der „am Schwanthaler" war seit lange schon der Gefangene sei* ncs tyrannischen Körpers, der Hüter unsäglicher Schmer zen. Heiter und gesellig von Natur, war er fest.lang! schon vom frohen Kreise der Freunde geschieden, uni Becherklang war seit Jahren nicht mehr an sein Ohr g« kommen. Gemüthlichkeit war der Grundton seiner Seele! und doch fehlte seinem Leben die letzte Befriedigung seines Gemüths, die Gemeinschaft der Liebe. Ohne Frau uni Kind (er war nie verheirathet), ohne Eltern (sie waren längst tobt), unb Geschwister, ohne Anverwandte (einen Better ausgenommen), lebte er ein einsameS Leben wir ein Klausner in sich und mit sich allein; eine weite Ein öde lag um sein Herz und um seine Leiden. Und doch hätte sich geirrt, wer ihn für unglücklich gehalten! 8w