Gewöhnlich sprach er nicht. Seine ausgestreckte Hand rief schweigend die Mildthätigkeit an. Wenn er etwas erhalten hatte, verneigte er sich ernst zum Zeichen seines Dankes.
Wenn mitunter ein junges schönes Mädchen ihm Almosen gab, so lächelte er schwach und legte die Hand auf sein Herz. Die kleinen Kinder des Viertels fürchteten sich sehr vor ihm und der Schenkwirth an der Ecke behauptete fest, der schwarze Bettler sey der König der Wilden, und ehedem von dem Kaiser gefangen genommen.
Wie wir bereits erwähnt, war es vier Uhr. Während der Bettler unbeweglich wartete, setzten die beiden jungen Leute ihre Unterhaltung fort, die von Zeit zu Zeit durch lange Pausen unterbrochen wurde.
„Xavier!" rief plötzlich Don Juan von Carral, seine Zigarre wegwerfend, „Sie sind verliebt, mein Freund!"
Xavier fuhr zusammen und erzwang ein Lächeln.
„Sind Sie es nicht auch?" murmelte er.
„Nicht so wie Sie.... Bei Gott, alle Welt ist verliebt, aber Jeder auf seine eigene Weise; Sie verstehen mich!. .. Sie sind verliebt, Theuerster, bejammernswerth verliebt, ganz liebestoll!"
„Woraus entnehmen Sie das?..."
„Nun, Sie läugnen es doch nicht!... Woraus ich das entnehme? Ha! Ha! aus einer Menge von Anzeichen. Wir andern Spanier, sehen Sie, sind sehr zu fürchtende Beobachter... wahre Argus!... Ich habe bemerkt...."
„Was?" fragte Xavier lebhaft.
Don Juan brach in ein lautes Gelächter aus.
„Herrlich! sagte er, Sie verrathen sich selbst. Es wäre grausam von mir, Sie noch weiter zu treiben."
(Fortsetzung folgt.)
Ludwig von Schwanthaler.
Mit Ludwig Schwanthaler ist der deutschen Kunst vielleicht ihre süllereichste, mächtigst schaffende Kraft untergegangen. Eine Uebersicht über die unendlich reiche Thätigkeit des Mannes bringt eben das „Kunstblatt" aus der Feder Ernst Förster's, des Freundes deS Geschiedenen; wir lassen hier einen Auszug daraus folgen:
Schwanthaler, geboren 1802 zu München, war der Sohn eines Bildhauers, dessen auffallend einfacher Natursinn wohl seinen Werken einen bleibenden Werth, ihm selber aber keinen dauernden Namen zu geben vermocht hat. Anfänglich wissenschaftlichen Studien bestimmt, folgte
Schwanthaler bald dem mit Gewalt hervorbrechenden Kunsttrieb und begab sich zu seiner Ausbildung auf die Akademie seiner Vaterstadt, an deren Spitze der Direktor Peter v. Langer stand. Derselbe Mann, welcher früher in Düsseldorf (in gleicher Stellung) dem Cornelius das Talent abgesprochen, Heinrich Heß von der Münchener Akademie gewiesen, rieth nun freilich auch Schwanthaler, von seinem Berufe abzustehen, zu dem ihm die Befähigung fehle. Die Welt hat es nicht zu beklagen, daß der junge Künstler den Rath nicht befolgte. Vielmehr wenden wir uns dankbar nach der Seite hin, von wo ihm Aufmunterung und Anerkennung kam.
König Mar I. wünschte ein reich verziertes Silberservice, und sein Oberstallmeister v. Keßling nannte ihm den jungen Schwanthaler, dessen künstlerische Studien in der Reitschule seine Aufmerksamkeit erregt hatten. Schwanthaler erhielt den Auftrag, und mit dem „Einzug der jungem Götter in den Olymp beginnt er seine Künstlerlaufbahn. Inzwischen hatte Cornelius im Göttersaal der Glyptothek zu malen begonnen, und nicht sobald den Schwanthaler und seine Arbeiten gesehen, als er in Uebereinstimmung mit dem Architekten des Gebäudes, v. Klenze, dahin wirkte, daß ihm die hauptsächlichsten bildnerischen Arbeiten bei der inneren Ausschmückung übertragen wurden. Schwanrhaler bereitete sich dazu vor durch eine Reise nach Rom und zu Thorwalvsen, an den er sich in Verehrung und Bewunderung anschloß, und eS gelang ihm, durch seine Geburt der Venus, Amor und Psyche, noch mehr durch die Achaierkâmpfe im Trojanersaal die günstigste Meinung von seinem Talent, von seinem Sinn für Zartheit und Schönheit, wie von seiner eigenthümlichen Frische und Darstellungskraft bei Künstlern und Kunstfreunden zu befestigen. Schwanthaler war fortan der Repräsentant seines Berufs in den Reihen der Münchener Künstler, und eine vielumfassende Thätigkeit beginnt.
Die Art und Weise, wie er Gegenstände der My thologie und des Alterthums in der Glyptothek aufgefaßt und behandelt, brachte ihm den Auftrag, die Zeich, nungen zu entwerfen für die Darstellungen aus den Dichtungen des Orpheus, Hesiodus, des Aeschylus, So, Phokles, Aristophanes, womit König Ludwig seinen Königsbau durch Malerhände schmücken ließ; deßgleichen den Thronsaal auszustatten mit einer langen Folge von Reliefs zu Pindar'S Gesängen. Auch das Treppenhaus hatte er mit Statüen und Reliefs und einen oberen Saal mit einem Fries zu verzieren, zu welchem der Mythus der Venus den Stoff gab. Einen ähnlichen Fries mit dem Triumphzug des Bacchus hatte er für den Palast deS Herzogs Mar ausgeführt und Medaillons mit der baierischen Geschichte für die Pinakothek entworfen.
