Der Wanderer.
Belletristisch Bciblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1849. — â 77.
Cin NeLse-Schwank
(Schluß.)
„Ruhig," sprach der Koch, „sonst werft ihr diese Büffel mit Kraut um; hu, das geht noch über Alles! tit den gewürzreichsten Nürnberger Bratwürsten ist es irnirt. Jetzt stech' ich mit der Gabel in eine derselben ib die duftreichste Brühe spritzt wie ein Springbrunnen nten nach, und dann ein Glas alten Steinwein darauf, r Teufel!"
„Meuchelmörder!" sprach der Pfarrer und bog das atte Haupt.
„Ach," sprach ich, „der arme Mann, der erst vor i paar Tagen von einem wüthenden Hunde gebissen arde!"
„Wie," schrie der Bronnenmacher, von einem wüthen, 1 Hunde?"
„Ja," seufzte der Pfarrer, es hat aber wohl nichts bedeuten, die Sache ist noch im Zweifel und hat der »irurgus mir indeß die Nase mit einem Blasenpflaster egt."
„So!" sprach der Bronnenmacher, „darum habt r mich gebissen? O ich unglückseliger Mann, so wer- i alle die schrecklichen Träume noch wahr. Wißt, Nacht ' Nacht träumt es mir schon ein halb Jahr, ich sey Hund und nage vor einem Wirthshaus die heraus- ! vorfenen Knochen ab, worauf ich stets mit dem schreck-- issten Hunger erwache. Das deutet auf nichts Andeals Hundswuth."
„Das glaub' ich auch," sprach der Koch leise zum Honnenmacher, „der Herr Pfarrer kommen mir über# ipt schon längst nicht ganz richtig vor; die Augen — weiß nicht--"
Der Pfarrer schneuzte sich, der Bronnenmacher fuhr jammen, vermeinend, der Pfarrer habe gebellt. Dex
Pfarrer erschrack ob dem Hinwegfahren des Bronnen, machers und sprach: „Wie? seht Ihr mir etwas an? Um Gotteswillen, sprecht!" Der Bronnenmacher konnte kein Wort hervorbringen, er bewegte sich konvulsivisch und fing zu bellen an. Der Pfarrer gerieth ganz außer sich vor Schrecken, er wollte aus dem Wagen; zum Glück fuhren wir gerade in das Städtchen Hundsschnauzen ein. Da hielt der Postwagen vor dem Wirthshaus „zum grünen Rezensenten," um den Pferden trockenes Brod zu geben.
Der Pfarrer und der Bronnenmacher schlichen sich ganz stille in eins der oberen Zimmer und bestellten zwei Schinken und mehrere Bouteillen Wein. Der Koch aber war boshaft genug, alsbald vor allen Anwesenden in der untern Wirthsstube zu erzählen, wie die zwei Herren da oben von einem wüthenden Hunde gebissen worden und wie man sich in der That ein wenig vor ihnen in Acht zu nehmen habe, besonders vor dem Bronnenmacher, der eigentlich so dürr, ja noch dürrer von Natur als der Pfarrer sey, der aber durch den Hundsbiß bereits auf das Allerschrecklichste angeschwollen. Da ward das ganze Haus voll Schrecken. Vergebens schrie der Pfarrer um Fleisch, Niemand getraute sich in das Zimmer.
„Mein Hunger ist rasend! Meine Geduld ist auS!" schrie jetzt der Bronnenmacher, indem er wie eine Bombe aus dem Kessel, schnaubend aus dem oberen Erker herabfuhr; der Pfarrer folgte ihm als ein schmaler feuriger Schweif. Alles floh, was außer der Wirthsstube, in dieselbe; alle Thüren wurden versperrt. Die Nachbarn sprangen herbei. Der Koch rief ihnen durch daS Fenster: „Ihr lieben Leute, sperrt eilends die Thüren des Wirths, hâuses, sonst wird das ganze Dorf gebissen!" Der Koch, der Kondukteur, die Postknechte, die Wirthsleute und ich befanden uns in der untern Wirthsstube. Der Koch re# kognoözirte durch das Schlüsselloch und machte Alles noch
