Präsident Zacharias Taylor.
Am 4. März hat die Republik der Vereinigten Staaten von Nordamerika ihren Präsidenten gewechselt. An Polk's Stelle ist Taylor getreten; die Demokraten geben das Ruder an die Whigs ab, ohne daß irgend eine Erschütterung stattfände. Man achtet in jenem Lande die Freiheit und fügt sich der Majorität.
Die Whigs in Amerika gelten für die konservative Partei gegenüber den Demokraten oder Lokofokos. Das Stimmrecht, welches früher nur den sogenannten inskri- birten Bürgern zukam und an die Steuerrollen geknüpft war, wurde durch die Demokratie der Ver. Staaten alb mählig immer weiter ausgedehnt, weil sie überall gern den Willen der Menge rasch zur ^Geltung zu bringen sucht, ohne eben abzuwarten, bis derselbe geläutert ist, und die Ansichten sich abgeklärt haben. Die Whigs möchten die Reformen behutsamer in's Werk setzen. Dagegen wollen sie dem Präsidenten das Recht, sein Veto einzulegen, so viel als irgend angeht, einschränken, ja wo möglich dasselbe ganz abschaffen, weil sie meinen, eS dürfe einem Einzelnen nicht zustehen, die Beschlüsse der beiden Kammern (denn am Zweikammersystem halten die Republikaner Amerika's unbedingt fest) zu neutralisiren. Ihrerseits streben gerade dort die Demokraten, dem Veto die möglichste Ausdehnung zu geben, sind dabei aber doch Gegner der politischen Zentralisation, und vertheidigen die sogenannten „Staterights," die Rechte und die Autonomie der Einzelstaaten. In einem Lande, wo der Zentralgewalt ihre Rechte und Befugnisse so genau vorgezeichnet sind, und wo in den Einzelstaaten keine Dynasten ihren Privatwillen, ihre Vorurtheile oder ihr Familieninteresse geltend machen können, bringt ein solcher Parti- kulariSmus keine Gefahr. Die Whigs suchen dagegen die Befugnisse der Zentralgewalt möglichst auszudehnen und diese zu stärken und zu kräftigen. Beide Parteien haben Recht und thun wohl.
Die Demokraten sind lange Zeit im Besitze der Majorität, also auch der Präsidentschaft gewesen. Jackson, van Buren und Polk gehörten zu ihrer Partei. Taylor ist Whig und sein Lebenslauf folgender: Er stammt aus einer englischen Familie, welche im siebenzehnten Jahrhundert nach Virginien übersiedelte. Sein Vater, Oberst Taylor, diente während des Unabhängigkeitskrieges unter Washington, der ihn hochschätzte. Im Jahre 1790, als Zacharias noch sehr jung war, siedelte der Oberst sich in der Wilduiß an, in welcher seitdem der Staat Kentucky sich bildete. Damals war sie noch beinahe unbestritten im Besitze der Indianer, gegen welche die weißen Ansiedler harte Sträuße zu bestehen hatten. Wer pflügte, mußte das Feuerrohr auf dem Rücken tragen. Zacharias,
der jetzige Präsident der großen Union, wuchs in dieser Wildniß auf, welche allmählig angebaut wurde, erhielt nothdürftig eine wissenschaftliche Bildung und trat 1808 als Lieutenant in die Armee der Vereinigten Staaten. Damals war er achtzehn Jahre alt Im Jahre 1812 wurde er zum Kapitän befördert; im Kriege mit den Engländern (1812 —1815) wurde er Major und stand bis 1832 an der Grenze gegen die Indianer. Er brachte es dabei bis zum Obersten. Im Kriege gegen die Seminolen in Florida wurde er Brigadegeneral, zehn Jahre später, während des mexikanischen Krieges, Generalma, jor. Er schlug den Feind bei Palo alto, Resaca de la Palma, Buena vista und Monterey. Als einige seiner politischen Freunde den Plan faßten, ihn als Kandidaten für die Präsidentschaft aufzustellen, erklärte der alte Haudegen, er habe sich eigentlich nicht viel mit Politik be, schäftigt und würde die Stelle nur annehmen, wenn man ihn nicht als Mann der Partei hinstelle. Dadurch wurde er noch mehr populär. Als dann Polk und dessen demokratische Freunde ihn anfeindeten, drängten sie ihn völlig zu den Whigs hinüber, mit denen er übrigens von jeher in allen wesentlichen Punkten einverstanden war. Er trug in der Wahlschlacht den Sieg davon.
Taylor ist ein Mann von gedrungenem Körperbau, mittelklein, etwas dick, dabei jedoch sehr behend. Sein Gesicht hat nichts Ausgezeichnetes, aber das Auge ist scharf und sehr lebhaft. Er spricht wenig, und daS nicht mit Leichtigkeit, manchmal stottert er ein wenig, aber was er sagt, ist verständig und gediegen. Als Kentuckier vom alten Schlage, „halb Roß, halb Alligator," ist er einfach, gutmüthig und durchaus ungeziert. Sein Urtheil ist immer gründlich, er gilt für einen ausgezeichneten Menschenkenner und einen durch und durch.rechtlichen Mann. An Energie übertrifft ihn so leicht Niemand. Man sieht aus dieser kurzen Schilderung, daß die Nordamerikaner den rechten Mann zum Präsidenten gewählt haben. (D. Rchsz.)
* Nassau vom 4. März 1848 bis zum 4. März 1849.
(Fortsetzung.)
Als der Morgen des 18. Juli graute, rückten vielmehr ganz andere Hülfstruppen vom Mosbacher Berg herunter gegen Wiesbaden — tausend Mann Oestexreicher und tausend Mann Preußen zu Fuß waren es, und preussische Dragoner dazu, sammt österreichischer Artillerie. Es waren die ersten Reichstruppen, welche überhaupt in Deutschland im Dienste der Reichspolizei marschirt sind.
