Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1849. — M 74.
Die Familie Wilberston.
(Schluß.)
„Meine Herren," sagte der Anwalt des Fräuleins Anna Wilberston zu den versammelten Richtern, „wir verlangen Genugthuung für eine Schmähschrift, welche uns auf die ärgste Weise verleumdet, uns lächerlich macht, unseren Ruf, unsere Zukunft vernichtet hat. Oeff- nen Sie das Buch, Sie sehen hier den Namen ganz richtig, Anna Wilberston in allen Buchstaben. Es wird in diesem schändlichen Romane von einer tugendhaften Dame gesagt, daß sie eine alte Kokette, eine böse Zunge 'ey, daß sie sich mit Intriguen abgebe, ihre schöne Ju« gendzeit bedaure. Was soll aus der Gesellschaft werden, wenn die Presse sich Solches erlauben darf! Die Ge- ellschaft ist in ihren Grundpfeilern erschüttert, und Ihre Pflicht, meine Herren, ist eS, sie zu schützen. Die Klâ- zerin hat durch die Verleumdungen des Romans den größten Nachtheil erlitten, da mehrere-glänzende Hei- :athsanerbietungen deßhalb zurückgezogen sind; sie ver- angt mit Recht Entschädigung dafür."
Damby that alles Mögliche, sich zu vertheidigen; 'er Anwalt seiner Gegnerin wußte eS aber durchzusetzen, mß er zur Zahlung einer Entschädigungssumme und der kosten verurtheilt wurde.
Dieses Urtheil ist historisch; es verbreitet sich mit Jen Einzelheiten, eben so die Geschichte deS Zwei- ampfes — Dank der neugierigen Tagespresse — in sehr urzer Zeit durch ganz England, und noch nie hatte aan so viel von Thomas Damby gesprochen, als jetzt.
Unterdeß zitterte der Dichter, indem es ihm einfiel, aß seine zahlreichen Romane ihm auf ähnliche Weise wch viele Duelle und Prozesse zuzichen und ihn um sein Vermögen und seine Gesundheit bringen könnten, und
um dieser Gefahr zu entgehen, entschloß er sich, nach Amerika auszuwandern. „Ich beklagte mich über die Dunkelheit, in welcher ich bisher lebte," sagte er, „und bedauerte, daß meine Bücher bei dem Verleger liegen geblieben sind--ich wäre schon ruinirt und todt, wenn ich berühmt geworden wäre!"
Aber jetzt kam die Berühmtheit; sie kam spät, aber besser spät, als garnicht. Man sprach von seinen Duellen und seinem Prozeß, und Jedermann wollte die Familie Wilberston lesen; in kurzer Zeit war die Auflage vergriffen, und das Buch mußte wieder gedruckt werden. Thomas Damby ward bekannt und seine Bücher wurden gelesen. Die Verleger klopften an seine Thür und bezahlten ihm die Romane sehr gut. Für ein wenig Blut, das er im Duell vergossen hatte, und eine geringe Summe gewann er, waS er seit zehn Jahren vergebens gesucht hatte — Ehre und Geld.
Herr Damby blieb in London und schrieb Romane; aber er war bedacht, Namen zu erfinden, um Duelle und Prozesse zu vermeiden. (Köln. Ztg.)
) Gemeinde - Lehrerwahlen aus älterer Zeit.
(Schluß.)
II.
Noch in demselben Jahre wurde die Schulstelle zu F., einem Dorfe desselben Kirchspiels, offen. Drei Lehrer, wozu ich gehörte, wurden der Gemeinde vom Kreisinspektor vorgeschlagen. Wir drei waren der Gemeinde bekannt und die Wahl fiel ihr deßhalb um so leichter. An
