anderen Vergnügungsorten, so wie das TabaTauchen ist von Seiten der Schule nicht verboten.
8. 13. Das Maturitätseramen, welches re. -- werde aufgehoben.
§. 16. Die Lehrstunden in Prima müssen so gelegt werden, daß mehr Nachmittage frei werden rc.
Und schließlich trugen die souveränen Gymnasiasten in aller Bescheidenheit auf Entfernung des mißliebigen Direktoriums und des Regierungsreferenten an!
Selbiger Zeit erging auch von einem nassauischen Journalisten die naive Aufforderung, man möge die Worte: „Proletarier" und „Pöbel" für immer und ewig aus der deutschen Sprache streichen. Proletariat und pöbelhaftes Wesen thatsächlich abzuschaffen, schien vermuthlich weniger erheblich; denn man befliß sich gerade damals ganz besonders, Beides künstlich zu pflegen und zu vermehren.
Selbigesmal geschah es auch, daß ein verständiger Bauersmann, als von den Leistungen eines Theiles der nassauischen Presse die Rede war, folgendes bem-crkens- werthe Urtheil fällte: „Was ist denn die freie Presse? Was hat sie uns gebracht? Was so schmutzig ist, daß man sonst sich schämte, sich'S unter vier Augen zu sagen, das liest man jetzt alle Tag' gedruckt. Das ist die freie Presse!"
Selbigesmal war eS, wo man oft nur mit Lebensgefahr eine Holzversteigerung besuchen konnte, weil die Gemeindemänner sich mit Knüppeln bewaffnet zufammen- stellten, um das höhere Gebot fremder Leute abzutreiben. Und doch versteigerten sie den Ertrag ihres eigenen Gemeindewaldes, und der Mehrerlös des höheren Gebotes wäre in ihren eigenen Säckel geflossen! So hatte Gott die Menschen mit Blindheit geschlagen.
Selbigesmal war ferner die große Volksversammlung zu Hochheim, wo die Herren von der Frankfurter Linken ihre apostolischen Mtssionsreisen zu unsern Bauern begannen, wo Zitz zum erstenmale aus das Parlament schimpfte und den Landleuten den Sozialismus predigte; wo das „Volk" fraternisirte mit dem Militär, Letzteres iu Gestalt zweier betrunkener hessischer Soldaten, von welchen jedoch der Eine während des Verbrüderüngsaktes die Tribüne herabrollte.
Daran reihete sich die andere große Volksversammlung zu Höchst, wo zum erstenmale die „rothe Republik" um Anhänger warb und ihre Prosolyten sinnreich genug durch Klapperrosen im Knopfloch auszeichnete, wo Schütte aus Wien den tiefsinnigen Ausspruch that, Deutschland sey nicht blos bereits reif, sondern sogar „faul" für die Republik! Wo Bürger Esselen am
Schluffe prophetisch sprach: Wenn wir wieder zusammen- kommen, dann ist's hoffentlich nicht auf dem breiten Boden der Rednerbühne, sondern auf dem engen, thatsächlichen Boden der Barrikade!" Eilt Wort, welches wenige Monate nachher in den Frankfurter Septembertagen seine Erfüllung finden sollte.
Es war auch zu selbiger Zeit, wo geschickte Volksagitatoren die ihrer Erledigung harrende Zehntfrage ausbeuteten, um das Landvolk lebendig zu machen, wie einen schwärmenden Bienenkorb, wo die lithographirten Petitionen des Limburger Zehntprokurakors von Dorf zu Dorf wanderten, wo man die Bauern mit der unentgeltlichen Abschaffung des Zehntens köderte und die politische Bewegung in eine Bewegung des persönlichen Eigennutzes zu verwandeln suchte. Dieses Unternehmen glückte nur zu sehr, es trug auf lange Zeit seine unseligen Früchte. Es verderbte den Kern unsers von Haus aus höchst konservativen Bauernstandes, es ries den Gedanken einer allgemeinen Theilung wieder wach, der sich im März bereits in so naiver Weise geäußert, als die Landleute mit Geldsäcken auf die Rezepturen gekommen waren, um ihren Antheil an den zu Staatseigenthum erklärten, d. h. nach ihrer Deutung an alle Staatsbürger zu gleichen Theilen verschenkten Domänen, abzuholen. Ein Mißtrauen der Bauern gegen die gewerbtreibenden Städter und die Regierung ward ausgesäet, welches sobald nicht wieder ausgerottet werden konnte. Die Ueberzeugung, daß Staats- eigenthum so heilig sey, wie jeder Privatbesitz, und nicht auf Kosten der Gesammtheit einer einzelnen Klasse gut geschrieben werden dürfe, ward gewaltsam aus dem Gewissen der Bauern gerissen. (Forts, folgt.)
Miszellen.
Mulcy Ismael, Kaiser von Marokko, hatte von einem Franzosen das L'hombre-Spiet gelernt. — Als er das erste Mal mit seinen beiden Wessirs spielte und ihm die gewünschte Farbe nicht angebracht wurde, rief er plötzlich voll Wuth: „Spielt Coeur, Ihr Canaillen, oder ich lasse Euch spießen!"
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Theater zu Wiesbaden.
Sonntag den 25. März. Der Bauer als Millionär, romantisches Feenmährchen in 3 Akten von R a y mlnd.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.
