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Der Wanderer.

's Bciblatt zur Nassauische» 9(I(gcm. Zeitlins

18-19. 32 64.

Der de»ltsche Kaiser»

In dem zweiten Heft der satirischen Reimchronik des Pfaffen Mauritius befindet sich folgendes Kaiserlied:

Der Kaiser soll nicht erblich sciu,

Der Kaiser soll nicht sterblich sein,

Und auch nicht lebensdauerlich,

Und gar sechsjährig schauerlich!

Der Kaiser soll nicht wählbar sein

Und nicht vom Volkshaus quälbar seyn,

Der Kaiser soll nicht unendlich sein

Und auch nicht prästdentlich sein

Was soll er sein, was soll er sein?

O Gott im Himmel sieh darein!

Der Kaiser soll kein Märker sein,

Er soll auch kein Berserker sein;

Er soll, als andere, nicht stärker sein.

Er soll kein halber Slave sein,

Der Kaiser soll kein Baier sein,

Er soll kein geflickter Dreier jein.

Der Kaiser soll sein Sklave sein,

Der Kaiser soll kein Freier sein:

WaS soll er sein, was soll er sein?

O Gott vom Himmel steh darein!

Er soll ein Kaiser auf Miethe sein,

Er soll eine bloße Mythe sein,

Das wird von besonderer Güte sein,

Ein Kaiser von Verständigung,

Ein Kaiser beliebiger Endigung,

Und ohne Principsversündigung,

Ein Vogtischer Kaiser auf Kündigung

Das soll er sein, das soll er sein!

Ein Kaiser auf Kündigung soll er sein!

Cinem Todten.

Dem in Wien erschossenen Musikdirektor Becher singt der Reimchronist folgendes schöne Lied:

Er war ein guter Kamerade

Im Kellerloch, bei Wein und Bier,

In Saus und Braus und am Klavier

Und endlich auf der Barrikade Bei Gott! 'S ist ewig, ewig Schade!

Ich sah ihn noch, da an dem Throne

Der Widersacher schon gepocht, Die Tapfersten den Muth verloren Er stand und sprach und focht.

Die blond und grauen Locken wehten Wie Fahnen um sein alt Gesicht Und also glich er dem Profeten, Der noch auf Trümmern Zukunft spricht.

Im Büchsenknall hört er die Noten Zu einem künft'gen hohen Liede, Tont ihm noch Freiheit, Glück und Friede Und also ging er zu den Todten."

Die S ch w e st e r.

(Schluß.)

Mehr als zwanzig Jahre waren nach meinem Ab, schiede von Louisen verflossen; da führten mich die Dienst­geschäfte in eine kleine Grenzstadt unserer Monarchie. Am Nachmittage meiner Ankunft benutzte ich eine Stunde, die mir lästige Besuche freigelassen hatten, zu einem Spa­ziergange in den freundlichen Umgebungen des Städt­chens. Auf einer Wiese, die dicht an der Straße lag, sah ich viele junge Mädchen fröhlich spielen. Ich blieb stehen und ergötzte mich an ihrer Munterkeit; eine ältere Dame, die ihre Lehrerin zu seyn schien, ging unter den fröhlichen Kindern umher, und rief eben eines zu sich. Täuschte mich der Ton dieser Stimme? nein, nein, es war keine Täuschung sie war cs, meine Schwester Louise.--