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hatten diese Quelle des Wohlstandes, der Bedeutung, des historischen Ansehens verloren, sie hatten dies alles dem neu ausblühenden Wiesbaden zum Opfer bringen müssen. Hierdurch weit mehr als durch eine tiefere politische Er­kenntniß, bildete sich allmählig im Volke die Abneigung aus gegen das Zentralisationssystem der Regierung, wel­ches man noch in den zwanziger Jahren als ein Meister­stück von Freisinnigkeit und staatsmännischer Weisheit ge­priesen hatte.

Nimmt man hierzu das gerechte Mißvergnügen der einzelnen Gemeinden über die Regierungs-Bevormundung ihres inneren Haushaltes, die tiefe Unzufriedenheit, welche es jedesmal bei dem besitzenden Bürger- und Bauernstande erregte, wenn die Regierung einen besitzlosen, der Gemeinde weltfremden Mann aus der Schreibstube herausgriff, um ihn einer Stadt oder einem Dorfe zum Schultheisen auf­zuzwingen, dann wird man so ziemlich alle Anregungen zusammengefaßt haben, durch welche eine Erhebung des nassauischen Volkes möglich wurde.

Zugleich ersieht man daraus, was ursprünglich die Forderungen der Nassauer waren. Ihre Formulirung vom 4. März läuft auch ganz auf dasselbe hinaus. Sie fügt nur noch als ein allgemeines Verlangen der ganzen Nation das deutsche Parlament hinzu. Die Wortführer wußten wohl, was darunter zu verstehen war, die große Masse wußte es nicht, wie man ja bekanntlich darüber stritt, ob unter diesem „Parlament" eigentlich Dragoner gemeint seyen oder Husaren.

Hiernach wird man bemessen können, ob überhaupt von einer nassauischen „Revolution" geredet werden darf. Die Wortführer wollten Reformen, keine Revolution, die große Menge des Volkes wußte gar nicht, was eigentlich eine Revolution sey, und als sie nachgehends die Bedeu­tung dieses Wortes praktisch erfuhr, verlor sie verzweifelt hurtig allen Geschmack an demselben. (Forts, f.)

K u n st n o t r 3.

Kommenden Montag den 12. d. Mts. werden die Geschwister Neruda ein großes Konzert im hiesigen Theater geben. Die beiden Mädchen haben sich bereits in Berlin, Paris rc. den größten Beifall erworben, und erst in diesen Tagen in Frankfurt den Enthusiasmus deö gesammten Publikums erregt. Namentlich wird von kom, Petenten Beurtheilern die 9jährige Violinspielerin Wil­helmine Neruda den Milanollos als vollkommen ebenbürtig zur Seite, ja noch über dieselben gestellt. Wir dürfen also unterm Publikum einen außerordentli­chen Kunstgenuß versprechen.

Miszellen.

Abermals haben wir einen Todten begraben! Karl Andree's Reichszeitung bringt uns die Trauerkunde. Am 22. Februar starb in Braunschweig der gefeierte Componist Alexander Fesca im 29ten Jahre seines thatenreichen Lebens. Lungen­schwindsucht, der Erbfeind der Jugend, raffte ihn so früh hin­weg. Der Tod hat ihn nicht überrascht, ersah ihn kommen; beschleunigt hat ihn die Hast, womit der ungebeugte Genius in dem siechen Körper ein noch nicht beendetes Werk, die Oper „Ulrich von Hutten", zum Abschluß bringen wollte. Fesca wanderte von Karlsruhe in Braunschweig ein und lebte dort seit seinem 18ten Jahre. In den Formen der höheren Kam­mermusik lieferte Fesca: zwei Sinfonien, zwei Concertouver­türen, zwei Septetts, ein Sextett, fünf Trio. Ueber seine Kom­positionen für Piano allein, zu einer Zeit geschrieben, wo er als Virtuos Deutschland durchreiste, hat er selbst bei seinen Leb­zeiten den Stab gebrochen. Unsterblich wird er leben als Lieder- componist; hier hat er Töne angeschlagen, die als die schönsten Zeugnisse dessen gelten werden, was grade dem deutschen Cha­rakter ureigenthümlich — tiefe melancholische Innerlichkeit. In seinen letzten Jahren hat er den reichsten Lohn des Sängers er­halten : das Volk har seine Lieder gesungen. — Als dramatischer Komponist trat er dreimal auf: in „Mariette", einer kleinen komischen Oper; dieser folgten die „Franzosen in Spanien", ein Werk im großen militärischen Styl Spontini's; zuletzt „der Troubadour", eine Oper, worin der Komponist in einer organi­schen Mischung der verschiedenen Style den Standpunkt Meyer- beer's anstrebte. Sein letztes Werk dieser Gattung, „Ulrich von Hutten", bis auf die Instrumentation der letzten drei Acte, in allen Intuitionen bereits auf dem Papiere scheint, wie schon der Titel besagt, ein den Lebensfragen unserer Zeit nähergerücktes Werk. Dem Vernehmen nach wird der Freund des Entschlafnen, Heinrich Litolff, die fehlende Jnstrumentirung übernehmen. Ein langer Zug folgte dem Sarge: die Mitglieder der herzoglichen Hofkapelle, der Männergesangverein, die Mitglieder des Kunst- clubbs, das Militärmusikchor in der Vollzähligkeit und viele Freunde des Dahingeschiedenen hatten sich vereinigt. Sechs von dem reichgeschmückten Sarge niederhängende Trauerflöte wurden getragen von den Herren A. Mcthfeffel, A. Teichs, A. Stahl F. Schmezer, Th. A. Schröder und W. R. Griepenkerl. Dat Militärmusikchor geleitete den Sarg mit Trauermärschen zr seiner Stätte. Am Grabe sprach Th. A. Schröder paffend, Worte, der Männergesangverein spendete Lieder. —

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Theater zu Wiesbaden.

Sonntag den 11. März. Eulenspiegel , Poffe in 4 Akte von Nestroy.

Montag den 12. März. (Mit aufgehobenem Abonnements Großes Konzert der Geschwister Neruda.

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.