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kannten war er mir sehr gewogen und bewies dieses durch mehrere ehrenvolle Aufträge.

Eines Tages waren mir vier Soldaten meiner Kom­pagnie entlaufen, und, wie ich später erfuhr, auf Zu­reden eines Priesters. Alles Schreiben half mir nichts, der Priester hatte sie so zu überreden gewußt, daß sie es wagten, mir förmlich den Gehorsam aufzukündigen. Zum Glück für mich kam Cabrera nach dem Orte, wo ich mich befand, um dort seinen Namenstag zu feiern. Ich mel­dete ihm den Vorfall. Der General, entrüstet, läßt den Priester, der eigenmächtig mit dem Beistände meiner Sol­daten die Cruzada (eine Steuer) erhob, ergreifen und ohne weiteres als einen Betrüger des Volkes und Ver­führer der Soldaten erschießen.

Der Bischof von Mondonnedo, Präsident der karli- stischen Junta von Aragon, beklagte sich bei Don Karlos und berief sich auf das hergebrachte Verfahren, nach welchem Priester nur auf Befehl des Königs hingerichtet werden könnten, nachdem sie von geistlichen Richtern ver- urtheilt wären. Don Karlos schrieb hierüber an Cabrera einen Brief, worin er ihm empfahl, mehr Rücksicht auf die Mitglieder des geistlichen Standes zu zeigen. Cabrera antwortete kurz: Ich habe einen Spitzbuben erschießen lassen; ehemals wurden Spitzbuben gehenkt, heute lasse ich sie erschießen: los tiempos cambian los costumbres.

Ungefähr ein Jahr nach dieser Begebenheit, als Oraa vor Morella rückte, befahl Cabrera allen zum Kampfe nutzlosen Einwohnern, den Platz zu räumen. Die Frauen, Kinder und ungefähr fünfzig Franziskaner verließen die Festung. Letztere kehrten zurück, als die Belagerung ausgehoben war, um Besitz von ihrem Kloster zu nehmen. Cabrera ließ sie rufen und fuhr sie an: Ihr wißt doch noch, daß Ihr Euch selbst für nutzlos gehalten habt; geht wieder fort, hier wohnen nur Tapfere. Die Mönche wußten wohl, daß Vorstellungen hier nichts fruch­teten. Sie zogen ab, ohne ein Wort zu sagen; Cabrera begleitete sie bis an'S Thor und entließ sie ihnen zuru­fend : Hütet Euch, zurückzukehren, das nächste Mal kommt Ihr nicht so leicht davon.

Der Bischof von Mondonnedo klagte deßhalb aber­mals beim Könige; dieser schrieb aufs Neue, und Cabrera antwortete: Es ist möglich, obgleich ich dies nicht be­greife, daß die Mönche dem Dienste Euer Majestät nütz­lich seyn werden, wenn dieselbe in Madrid ist. Ich kann jedoch die Versicherung geben, daß sie in Morella zu nichts taugen, als zur Verzehrung der Rationen, welche ich für diejenigen ausbewahre, die sich täglich für die gute Sache schlagen.

Seine Regierung im Maestrazgo war von der Art, daß die Bauern ihn in hohem Grade verehrten. Wie gewaltthätig er auch gegen Feinde seyn mochte, so ließ

er in seinem kleinen Fürstenthume durchaus keine Be­drückung zu. Gegen Jedermann war er leutselig; seine Verwaltung hätte vielen Regenten als Vorbild dienen können.

Obgleich ihm die Sache des Don Karlos heilig und theuer war, so hatte er doch gegen die Person desselben seit dem Rückzüge von Madrid einen starken Widerwillen.

Er fragte mich einst nach meiner Meinung über Don Carlos. Ich antwortete ihm offen: Bei allen Män­geln des Königs, welche in natürlichen Anlagen sowohl, als in seiner Erziehung ihren Grund haben, besitzt er doch einen gewissen Ehrgeiz; aber es ist der Ehrgeiz einer kleinen Seele, die, geblendet vom Glanze des Gegen­standes ihrer Wünsche, weder die Gefahren erblickt, die mit dem Erwerbe, noch die Folgen, die mit dem Besitze dieses Gegenstandes verbunden sind. Gelingt es ihm, sich die Krone des heiligen Ferdinand auf's Haupt zu setzen, so wird Spanien gewiß nicht glücklicher dadurch. — Cabrera antwortete: Sie haben, guter Freund, ganz aus meiner Seele gesprochen. Auch ich beurtheile den König so wie Sie. Der König hat weder Geld noch Kraft, noch persönlichen Muth, Spanien zu erobern; was bis jetzt geschehen, hat allein die göttliche Fürsehung befördert. Don Karlos ist eigensinnig und umgeben von Menschen, die weder Klugheit noch Erfahrung besitzen; er ist ganz der Spielball ehrgeiziger Priester, die lieber das Szepter handhaben, als das Brevier.

Cabrera hat jetzt von neuem die Fackel des Krieges angezündet, aber sein altes Glück nicht wiedergesunden. Der Friede hat in Spanien zu tiefe Wurzeln gefaßt, was jetzt geschieht, ist ein nutzloses Hinopfern; eine bal­dige Flucht nach Frankreich wird für immer die neu- erweckte Hoffnung der Karlisten zu Grabe tragen und so der Sache ein Ende machen. Loning.

Das vielköpfige Götzenbild.

Unter dieser Ueberschrift gibt der alte Arndt einer Artikel in der Deutschen Zeitung, welcher in ergötzlick humoristischer Weise die ernste Tagesfrage des Reichs oberhaupts behandelt. Er lautet:

„Da kommt der Herr Schüttelkopf," tönte es wei land in meines Vaters Hause von den Lippen der Kin der, wenn ein alter hinkender Bäckergesell aus dem nahe: Städtchen mit dem großen Korbe aus dem Rücken durd daS Hofthor trat. Nota bene dieser alte Gesell hinkt mit einem Fuße und schüttelte sehr mit dem Kopfe; wes wegen ihm die Kinder diesen Namen gegeben Hatter Aber es ging doch noch leidlich mit seinem Marschiren