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groß; die Einwohner der Stadt waren zwar entschlossen, dieselbe bis aufs Aeußerste zu vertheidigen, allein Trup- pen waren nicht vorhanden, um dem Feind entgegen zu rücken, und die Urbanos (Bürgerwehr) hatten nicht den Muth, die Stelle der Soldaten einzunehmen. Cabrera hatte somit volle Muße, die reiche und fruchtbare Gegend, die Huerta, mit aller Bequemlichkeit zu brandschatzen. Er blieb dort zwei Tage lang und holte das, was das Erpeditionsheer ein Jahr vorher versäumt hatte, reichlich nach. Lange Reihen mit Beute beladener Maulthiere und Pferde rückten in Morella und Cantavieja ein.

Cabrera blieb nach dieser Erpedition einige Tage in Morella und brach dann plötzlich in der Nacht auf, um Hälfet, eine zwanzig Stunden entfernte, sehr christi- nisch gesinnte, reiche Stadt zu überfallen. Auf diesem Zuge gewährte ihm das Glück einen Erfolg, den er nicht erwartet hatte.

Der General Pardinnas hatte den Rückzug der Ar, mee mit Unwillen gesehen; als er die Nachricht von dem Marsche des neuen Grafen von Morella erfuhr, ging er ihm auf der Stelle entgegen. Cabrera suchte niemals ein offenes Gefecht, schlug dasselbe aber auch nicht aus, sobald es ihm geboten wurde. Die Christinos zahlten 6000 Mann, die Karlisten die Hälfte.

Am 1. Oktober 1838 trafen beide Korps zusammen, zwischen Flir und Maella. Pardinnas deployirte seine Division in einer Linie, Cabrera ebenfalls. Von beiden Seiten war diese Aufstellung fehlerhaft; besonders aber bei Cabrera, der bei seiner geringeren Streitmacht be< fürchten mußte, umgangen zu werden.

Der Kampf war erbittert, die christinischen Soldaten schlugen sich voll Muth, um die frühere Niederlage zu rächen. Nach zwei Stunden wichen die Truppen Cabre- ra's, der linke Flügel kam in Unordnung, und bald war die (ganze Linie auf der Flucht. Cabrera stürzte voll Wuth vorwärts. Er stieg vom Pferde und riß im Augen­blicke der furchtbarsten Gefahr aus der Hanv des sinken­den Fahnenträgers des Bataillons von Mora die Fahne dieses Bataillons, mit der er sich, von Siegesahnung leuchtend, an die Spitze dieses tapfern Korps stellte und unter einem Hagel von Kugeln in den Feind stürzte. Ihm folgte der Oberst seiner aragonesischen Kavallerie, die sich mit solcher Wuth auf den linken feindlichen Flü­gel warf, daß dieser sich augenblicklich zerstreute.

Der General Pardinnas warf sich jetzt während die­ses Angriffs der Karlistcn allein mit seinem Generalstabe einer Schwadron aragonesischer Reiter entgegen und fiel auf der Stelle, von einer Lanze durchbohrt. Der Gene­ralstab war bald zerstreut; im entscheidenden Augenblick war niemand da, welcher Befehl ertheilte. Es entstand die größte Unordnung in der Schlachtreihe der Christi­

nos; ein panischer Schrecken ergriff das Heer, als er hieß, der General sey gefallen. Die Soldaten setzter sich auf den Boden, hielten die Gewehrkolben in die Höh« und ergaben sich auf Gnade und Ungnade. Nur vierzic Reiter entwischten; tausend Mann waren geblieben. Du übrigen von dem 6000 Mann starken Korps wurden zr Gefangenen gemacht und nahmen Kriegsdienst bei Cabrera die Offiziere und Unteroffiziere ließ der Karlist in der- selben Nacht noch erschießen.

Die Niederlage des Generals Pardinnas war eine der größten, welche die Armee der Christinos während des ganzen Krieges erlitt; sie wurde zugleich Cabrera's glänzendste Waffenthat, so wie der glorreichste Tag in seinem Leben. Nach diesem Siege hielt er von Morella aus ein Drittel von Spanien in Athem; feine Armee zählte bereits 25,000 Wann, worunter 15,000 regel­mäßige Truppen; zu den letzteren konnte man auch lOOC Mann tüchtige Kavalleristen rechnen. Er besaß mehrere Festungen, 50 Kanonen jeglichen Kalibers und drei tapfere und erfahrene Unterfeldherren in Llangollera, For- cadell und Polo. (Forts, folgt.)

Goethe und Deutschland's Cinheit.

Am 17. Oktober 1828 sprach Goethe mir Eckermann über die Einheit Deutschlands, und in welchem Sinne sie möglich und wünschenswerth sey. „Mir ist nicht bange," sagte Goethe, „daß Deutschland nicht eins werde; unsere guten Chausseen und künftigen Eisenbah­nen werden schon das Ihrige thun. Vor allem aber sey es eins in Liebe unter einander! und immer sey es eins gegrn den auswärtigen Feind! Es sey eins, daß der deutsche Thaler und Groschen im ganzen Reiche gleichen Werth habe; eins, daß mein Reisekoffer durch alle sechs­unddreißig Staaten ungeöffnet passiren könne. Es sey eins, daß der städtische Reisepaß eines Weimar'schen Bür­gers von dem Gränzbeamten eines großen Nachbarstaats nicht für unzulänglicher gehalten werde, als der Paß eines Ausländers. Es sey von Inland und Ausland unter deutschen Staaten überhaupt keine Rede mehr. Deutschland sey ferner eins in Maaß und Gewicht, in Handel und Wandel, und hundert ähnlichen Dingen, die ich nicht alle nennen kann und mag. Wenn man aber denkt, die Einheit Deutschlands bestehe darin, daß das sehr große Reich eine einzige Residenz habe, und daß diese eine große Residenz, wie zum Wohl 6er Ent­wicklung einzelner großer Talente, so auch zum Wohl der großen Masse des Volkes gereiche, so ist man in Irrthum.