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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauische» Allgcm. Zcituug.

1849. — M 58.

Cabrera»

(Fortsetzung.)

Der glückliche General Cabrera kehrte als Triumphator n die befreite Stadt zurück. Kein spanischer König, nicht linmal Ferdinand VH., nach seiner Rückkehr aus Frank- eich, wurde mit größerem Enthusiasmus empfangen. Fanatiker stürzten vor ihm auf die Knie, als er vorbei ntt; Soldaten küßten ihm die Hände, Don Carlos er­hellte ihm den Titel Graf von Morella und fügte fot­zenden , halb sentimentalen Brief der Ernennung hinzu:

„Mein lieber Cabrera!

„Groß war meine Zufriedenheit über den ruhmvollen Sieg, den du erfochten hast, und über die gänzliche Niederlage der Feinde des wahren Glückes unseres Spa- riens, meiner legitimen Rechte und Gottes. Groß war ruch meine Freude über diesen neuen Beweggrund, deine anunterbrochenen Dienste, deine standhafte Treue, deinen Eifer und deine Uneigennützigkeit zu belohnen. Ich bin Dem Höchsten viel Dank schuldig, daß er mir einen so apferen Diener, wie dich, geschenkt und denselben mit solchem Heldenmuth, so großer Treue und Thätigkeit, für das Ziel unserer Unternehmungen begabt hat. Sei immer standhafter und fester in unseren wahren Grundsätzen; sey das Messer der Gottlosen, und du wirst mir das Vergnügen gewähren, dich nach meinem Wunsche zu belohne». Ich habe gehört, daß du nahe Daran warst, mir einen großen Kummer zu verursachen, weil du hättest umkommen können. Ich befehle dir deß­halb, dich nicht verwegen der Gefahr auszusetzen. Wenn Dir ein Unglück begegnete, so würde ich sehr großen Schmerz empfinden; außerdem wäre dies ein großer Ver­lust für mich und für eine Sache, welche mit der Reli­gion gleichbedeutend ist. Gott fahre fort, dir Siege wie früher zu bewilligen; die sehr heilige Jungfrau der

Schmerzen, unsere Generalissima, bedecke dich mit ihrem Mantel, beschütze, leite, vertheidige dich und lasse uns bald ruhig in Madrid verweilen, nachdem alle unsere Feinde besiegt sind. Gott schütze dich. Ich liebe und achte dich. Carlos."

Das Gerücht von der Aufhebung der Belagerung Morella's verbreitete sich schnell in Spanien. Es war der unerwartetste Erfolg, den die Karlisten seit lange er­fochten hatten. Cabrera wurde der Held seiner Partei. Sein ganzes Verdienst aber bestand darin, den Feind ohne Plan und Ordnung, als braver Guerillero, be­kämpft zu haben.

Nachdem Cabrera in Morella wieder eingezogen, marschirte er am nächsten Tage, statt Oraa zu verfolgen, mit allen seinen Streitkräften nach der entgegengesetzten Seite. Wäre die Armee der Königin zurück gekehrt, so hätte sie ohne Widerstand in Morella einrücken können. Truppen waren nicht zurück geblieben und die Bresche noch immer offen. Ein einziges Bataillon folgte dem flüchtigen Heere und machte 500 Gefangene, die alle bei Cabrera Dienst nahmen; die Offiziere und Unteroffiziere aber wurden erschossen.

Mehrere Tage nach der Aufhebung der Belagerung von Morella war die Nachricht dieses Ereignisses in Va­lencia noch nicht bekannt geworden. Die Zeitung von Valencia enthielt Berichte von den Fortschritten Oraa's, und man erwartete die baldige Einnahme Morella's; die Einwohner trafen sogar Vorbereitungen zu Festlich­keiten. Die Thore der Stadt standen offen, und Alles lebte in größter Sicherheit, als plötzlich der Ruf: Los facciosos! dicht unter den Mauern ertönte. Eine Eska­dron war den Truppen Cabrera's vorausgeeilt und be­wirkte den Schrecken. Zugleich trafen Flüchtlinge von allen Seiten ein, in Valencia wurde Alarm geschlagen und die Sturmglocken geläutet. Die Verwirrung war