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Inion in Sitten, Denkungsweise, in Erziehung und in­nerer Gesetzgebung weit getrennter von einander, als Nord- und Süddeutschland jetzt von einander stehen. Jede ver dreizehn Kolonien hatte ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Gesetze, ihre besonderen Vorurtheile, ihre ge­trennten Interessen. Die nördlichen Staaten wollten die Sklaverei aufheben, die südlichen sie erhalten. Massa­chusetts wollte ein fast allgemeines Wahlrecht geben, Virginien nur ein sehr beschränktes. Das ultra-prote­stantische New-Hampshire wollte die Religionsfreiheit nicht einführen, ebensowenig das ultra-katholische Mary­land. Rhode-Island wollte seine alte aristokratische Ver- jassungsurkunde, die ihm König Karl bescheert hatte, wonach nur erstgeborne Söhne stimmfähig waren, nicht aufgeben. Delaware, und mit ihm die anderen kleine- cen Staaten, wollten im Senate eine eben so große Ver­tretung , wie die Riesenstaaten Virginien, New-Aork und Pennsylvanien. Die Hindernisse, welche der Einigung Deutschlands entgegen stehen, erscheinen uns geringfügig, mit denen verglichen, welche der Einigung Nordamerika's ntgegen standen.

Und doch einigte sich das große Land. Man erlaubte )cm Norden, die Sklaven abzuschaffen, dem Süden, sie wizubehalten; Massachusetts das allgemeine, Virginien )as beschränkte Wahlrecht einzuführen, New-Hampshire mf die eine Weise, Maryland auf die andere Weise in- olerant zu seyn, Rhode-Island aristokratisch zu bleiben, inb als die großen Staaten sahen, wie die kleinen ihnen licht nachgeben wollten, spielten sie die Weiseren und -ewilligten Diesen im Senate eben so viel Macht, wie ie selbst ausübten.

Man ließ Pennsylvanien selbst entscheiden, ob die -eutsche oder die englische Sprache die diplomatische Sprache des Staates sein sollte. Ein Deutscher, Müh- enberg, war der Sprecher des Hauses, und als die Stimmen gleich getheilt waren, gab sein Votum den llusschlag, das gegen die eigene Muttersprache abgegeben vurde. Als Louisiana ein Staat der Union wurde, nachten die Franzosen die Mehrzahl der Einwohner aus and man anerkannte die französische Sprache darum als ie herrschende; jetzt läßt man in den Territorien, welche )on Mexiko erworben wurden, der spanischen Sprache asselbe Recht angedeihen.

Was ist die Folge dieser Nachgiebigkeit gewesen? hat sich das staatliche Band in Nordamerika gelöst oder befestigt? Sind die ursprünglichen Unterschiede, welche wischen den Bewohnern des großen Landes bestanden, reller oder milder geworden? Sind die Staaten mit (liberalen Institution liberal oder sind im Laufe der Zeit iejenigen mit liberalen Institutionen illiberal geworden? Stehen sich Abkömmlinge verschiedener Nationen feind­

lich gegenüber? Fühlen sie wie Ein Volk oder wie ver­schiedene Völker? — Das sind Fragen, kauf welche die Welt bereits die Antwort kennt. Jedermann weiß es, daß die Amerikaner der verschiedenen Staaten in Sprache und Dialekt, in Sitten, Gebräuchen und Gefühlen ein­ander ähnlicher geworden sind, wie irgend ein anderes Volk der Welt, und daß die Verfassungen der einzelnen Staaten, die von Rhode-Island mit eingeschlossen, im volksthümlichen Sinne verändert und umgewandelt wor­den sind.

Der deutsche Bund kann so dauernd geschlossen wer­den, wie der amerikanische, falls bei dem wichtigen Ver- fassungswerk dieselben Prinzipien, wie bei der Konstl'- tuirung Nordamerika's, zur Geltung kommen. Die einzelnen Theile deS deutschen Bundes werden auch glück­licher Weise nicht so große Konzessionen verlangen, wie die amerikanischen Staaten es thaten.

i Was bedeutet eigentlich Demokratie, und wer ist ein Demokrat?

(Schluß.)

Also nicht darum hält Amerika keine Truppen, weil es eine Demokratie ist, sondern darum, weil es keine Feinde zu fürchten bat, und wir zahlen in Deutschland so ungeheuer viel mehr Steuern, weil wir unsere Sol­daten zu unserem Schutze gegen das Ausland nicht ent­behren können. — Und dieses Verhältniß würde ganz das nämliche bleiben, auch.wenn Deutschland noch heut' am Tage eine Republik würde, es sey denn daß es vor ;ei- nen Nachbarn zu Kreuz kriechen und sich geduldig zn Sklaven machen lassen wollte: wozu doch unter uns Kei­ner feig ober niederträchtig genug seyn möchte. — Und ein anderer Grund, warum die nordamerikanischen Demo- kratieen keine Steuern oder doch um so viel weniger Steuern zu erheben nöthig haben, als wir, ist der, daß die dortige Bundesregierung noch mehr als tausend Mil­lionen Morgen Ackerland zu verkaufen hat, das bis jetzt noch nicht angebaut worden ist, so lange die Welt steht. Diese tausend Millionen Morgen Land machen aber im geringsten Anschlag über 3000 Millionen Gulden an Ein­nahme aus! Da hat denn die nordamerikânische Demo­kratie gut keine Steuern haben, da sie ein so unermeßli­ches Kapital in Land besitzt! — Und nun vergleicht ein­mal damit den Zustand diesseits des großen Wassers, in unserm Europa! — Hat nicht alles Land da schon längst seinen Herrn gefunden? und wo wollten da die Regie­rungen, wenn sie keine Steuern haben sollten, hernehmen.