eine Barrikaden vorhanden sind und die Nationalgarde ie Truppen nicht durch Demonstrationen demoralisirt, o vertheilt, der Empörung einer ganzen Stadt die Spitze neten. Aber selbst eine doppelte Anzahl Soldaten kann uchts ausrichten, wenn sie durch Barrikaden von ein# mb er getrennt ist und die Nationalgarde auch nur in iner Minorität gegen sich hat. Die einzig zweckmäßige Maßregel wäre daher gewesen, sich um die Tuilenen )erum zu verschanzen, die Brücken abzusperren, um Zeit •u Unterhandlungen mit der Nationalgarde zu gewinnen. Daß Bugeaud nicht diesen Plan ausgeführt, muß als ein zweites Unglück für die Dynastie Orleans betrachtet werden. Was aber folgt, entschied ihr Schicksal.
Thiers ließ Remusat zu sich rufen und ging mit diesem zwischen 3 und 4 Uhr Morgens zum zweiten Male zum Könige. Beide Herren waren entschlossen, ihre neue politische Rolle nicht mit einer Straßenschlacht zu beginnen, und schlugen dem König deshalb vor, Bugeaud wieder abzusetzen. Ludwig Philipp war bereits im Nacht- gewande und antwortete in offenbarem Mißtrauen gegen ;bie Friedenspolitik seiner neuen Minister: Bugeaud ist meine Waffe. Darauf gingen Thiers und Remusat zu Odilon-Barrot und Duvergier de Hauranne, weckten diese auf, hielten bei Ersterem eine Art Konferenz und begaben sich gegen 7 Uhr Morgens in's Schloß. Der König bewilligte die Auflösung der Kammer. Da stellten ihm die Minister ferner vor, daß die Anwesenheit der Truppen an der Aufrichtigkeit der Absichten des Resormministeriums zweifeln machte, und drangen auf den Rückzug der Armee. Der ermüdete Greis willigte endlich auch hier ein. Sein Schicksal wurde in dieser ersten Konferenz entschieden: er gab seine Waffen und erhielt dafür Versprechungen. Thiers und Odilon-Barrot überbrachten dem Marschall Bugeaud selbst die Ordre zum Rückzug der Truppen. Es ist durchaus unwahr, daß die Armee dem Könige m*eu wurde, durch seinen eigenen Befehl wurde sie gelähmt.
Dieser Rückzug verwandelte die Revolte in eine Revolution, die Einwilligung des Königs war der erste Akt seiner Abdankung. Die Armee und das Volk, beide erkannten augenblicklich, daß die Krone sich selbst aufgegeben hatte.
Ein seltsames Geschick ist aber, daß Thiers, dessen politische Rolle stets gewesen war, der böse Genius von Ludwig Philipp's Hauspolitik zu seyn, auch die letzten entscheidenden Schritte lenken mußte, durch welche das Haus Orleans gestürzt wurde.
Er hat sicher nicht den Wunsch, an die Eristenz der verhängnißvollen Ordre zu erinnern; aber Marschall Bugeaud hat nicht dasselbe Interesse, mit einem Beweis
zurück zu halten, welcher ihn und seine Armee von allerlei Vorwürfen befreien kann.
So fiel Ludwig Philipp nicht durch die Barrikaden, sondern durch denselben Egoismus und den Mangel an Charakter, an dem er selbst unb daö ganze Parlamente rische Frankreich von 1830—1848 gekrankt hatte. Seine Fehler, die Mißgriffe und Schwächen seiner Freunde haben den Kampf entschieden, nicht die Blousenmänner der Februarnächte. Unsere Wühler aber und Barrikadenmänner werden gut thun, zu bedenken, daß die Kraft des Volkes unwiderstehlich wirkt, so oft sie in den Ufern des Gesetzes vorwärts drängt, daß aber da, wo brutale Gewalt gegen Gewalt kämpft, der Sieg den undiszipli- nirten Volksmassen nur dann kommen kann, wenn ihre Gegner sich überraschen und betäuben lassen. Von jetzt ab wird das schwerlich möglich seyn. — Schon im Februar 1848 zu Paris wäre die materielle Gewalt der Massen trotz den unpraktischen Angriffskolonnen Bugeau's einer disziplinirten Armee unterlegen, wenn diese regiert wurde durch festen Willen und sichere Kraft.
f Was bedeutet eigentlich Demokratie, und wer ist ein Demokrat?
(Fortsetzung.)
Aber, sprecht Ihr, gut — den erblichen Herzog lassen wir uns gefallen; doch er ist zu theuer — er soll's wohlfeiler thun ! Und auch darauf will ich Euch die Antwort nicht schuldig bleiben. Weil wir aber gerade in Nordamerika sind, und in einem erzdemokratischen Lande, so will ich Euch eine Geschichte von daher erzählen. In Amerika gab es große Landstriche, die, als das Land noch an England gehörte, Eigenthum einiger reichen Familien, wie z. B. des Lords Baltimore u. a. waren. Was thaten nun die Demokraten Nordamerika's, als sie diese Landstriche an sich nahmen? Sie verglichen sich mit jenen reichen Familien und kauften ihnen ihre Rechte ab! Und warum thaten sie das? Je nun, weil es im siebenten Gebote heißt: „du sollst nicht stehlen!" und weil unrecht Gut nicht gedeiht! — Nun ist aber unsers Herzogs Familie schon vor tausend Jahren eine sehr reiche Familie und wohl die reichste in Nassau gewesen, und sie ist darum in den Fürstenstand hinaufgerückt, eben weil sie so reich war und am besten die Mittel hatte, zu einer Zeit, wo noch keine Steuern gehoben wurden, aus ihren eigenen Einkünften die Unkosten der Regierung zu bestreiten! Als ihr dann die Regierung von Kaiser und Reich in diesem Lande aufgetragen wurde, da ist wohl
