Nun hör' ich Euch sagen: Gut, wenn denn die Volkssouveränetät da ist, wo die Volksvertreter sind, und dadurch in der Hauptsache auch Alles das, was eine Demokratie ausmacht, warum wollen wir denn nicht lieber gteich den Herzog abschaffen, der uns doch so viel Geld kostet, und einen Statthalter einsetzen, der doch um so viel billiger zu haben ist? Und darauf diene Euch dies zur Antwort. Mit dem Abschaffen unsers erblichen Oberhaupts wollen wir's, wie ich denke, sein bleiben lassen. Denn erstlich haben wir den nicht eingesetzt, sondern die tausendjährige Geschichte unseres deutschen Volks hat den eingesetzt und die in allen menschlichen Dingen waltende Vorsehung, sowie der Wille unserer Vorfahren. — Sodann aber hat unser Herzog uns die Treue gehalten, die er versprochen, und müssen wir als ehrliche Leute ihm auch die Treue halten, die wir versprochen. Und dann überlegt nur, was es geben sollte, wenn wir alle vier oder acht oder zwölf Jahre ein neues Oberhaupt wählen müßten, und unsere übrigen Brüder in Deutschland alle vier oder acht oder zwölf Jahre gleichfalls ihre Großherzoge oder Könige in den dreißig und so viel deutschen Landen neu wählen müßten! Das sollte eine schöne Geschichte geben! In Deutschland, wo die Menschen so dicht auf einander sitzen, daß sie bald nicht mehr zu bleiben wissen, und wo es so viele Tagediebe und Faullenzer und Gesindel giebt, die alle lieber krawalliren als arbeiten, wie leicht sollte es da jedem Reichen und Vornehmen werden, sich eine Partei zu erkaufen und die Menschen zu bestechen, daß sie ihn wählten. Da würde denn Zank und Streit und Blutvergießen und offenbarer Bürgerkrieg an der Tagesordnung seyn, und waS sollte da aus unserer Volkswohlfahrt werden? Das würde genau eine zweite polnische Wirthschaft geben, woran wir so gut zu Grunde gehen müßten, als Polen an seiner Wirthschaft zu Grunde gegangen ist. Und Rußland, welches Polen eingesteckt hat, hat noch immer Platz genug auch für ein gutes Stück von Deutschland — und unsere Nachbarn, die Franzosen, die, was Gott geklagt seyn soll, schon so viele schöne Länder von Deutschland losgerissen haben, beschweren sich auch noch nicht über Mangel an Appetit, und würden das linke Nheinnfer bei Gelegenheit — und noch Einiges dazu mit Vergnügen an sich nehmen. Und dann könnten nicht blos die Polen mit dem Bettelsack durch Europa ziehen, sondern die Deutschen könnten ihnen Gesellschaft leisten! Darum halt' ich dafür, daß wir unserm Herrn Gott aufrichtig danken müssen, daß wir erbliche Regenten haben und nicht genöthigt sind, uns selbige erst zu w ä h l e n — ja es ist meine feste Ueberzeugung, daß wenn wir keine erblichen Re
genten hätten, wir solche noch zur Stunde sammt und sonders erblich machen müßten. Und darum bin ich auch für ein erbliches Oberhaupt an der Spitze des deutschen Bundesstaats, Weil ohne ein solches unser armes Vaterland nie groß und mächtig werden und nie aus ewigen Unruhen und Zerrüttungen herauskommen wird!
(Fortsetzung folgt.)
Miszellen.
München, 24. Febr. Als eine interessante Neuigkeit auf dem Gebiete der bildenden Kunst dürfte die von unserm rühmlichst bekannten Schlachtenmaler Alb. Adam dieser Tage dahier erschienene Lithographie gelten, welche uns den Feldmarschall Radetzky, umgeben von seinen Generalen und Generalstabsoffi- cieren, zu Pferde zeigt. Adam, im Innern angeregt den alten tapfern Degen von Angesicht zu Angesicht zu schauen, begab sich selbst nach Mailand, und hatte sonach Gelegenheit alle hervorragenden Persönlichkeiten des Heeres: Schönhals, dÄspre, Elam, Wratislaw, Heß rc., welche sich in der Umgebung des Feldmarschalls befinden, nach der Natur zu zeichnen und zu malen, so daß ihm möglich war, dieselben mir sprechender Aehnlichkeit wiederzugeben. Die künstlerische Anordnung der Figuren dieser Gruppe und die correete Zeichnung in all ihren Einzelheiten dürfte nichts zu wünschen übrig lassen. Besonders angenehm berührt uns auf dem Bilde auch noch jene Kunst der Anordnung, wodurch dem Beschauer die militärische und persönliche Beziehung der einzelnen Heerführer zu einander zweifellos ins Auge springt. Gleichzeitig mit vorgenanntem Blatt erscheint die erste Lieferung kleiner Scenen aus dem Kriegsleben der ruhmreichen österreichischen Armee aus dem italienischen Feldzug, gezeichnet von einem Kunstdilettanten, k. k. österreichischen Officier, der, wenn wir nicht irren, in dem tapfern Regiment Prohaska mitgefochten, an dessen Spitze sich der Oberst desselben bleibende Lorbeeren erwarb. Auch diese verdienen rücksichtlich ihrer charaktervollen Schilderung einer rühmlichen Erwähnung. In freundlicher Weise reiht sich das der österreichisch-italienischen Armee gewidmete Soldatenbüchlein von Zedlitz an, das kürzlich (Wien bei Gerold) erschienen ist (Allg. Ztg.)
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Theater zu Wiesbaden.
Dienstag den 6. März. Wilhelm Tell, Schauspiel in 5 Aufzügen von Friedrich von Schiller. Musik von B. A. Weber.
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Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.
