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Der Wanderer.

BkllttristischkS Beiblatt zur Nassauische« Allgem. Zeiwng.

1849. — M 54.

Cabrera»

(Fortsetzung.)

Cabrera war unablässig bemüht, seine Banden immer nehr zu geschickten Soldaten heranzubilden. Es gelang hm dieses auch endlich mit vieler Mühe und Strenge. Im seinen Zweck zu erreichen, ahmte er den großen jumalacarregui nach und führte das Standrecht für alle iejenigen ein, die ohne Erlaubniß der Vorgesetzten Reihe inb Glied verließen und unter dem Vorwande, ihre An- ehörigen zu besuchen, kleine Dörfer und Weiler brand- chatzten. Nachdem an Einigen die Drohung zur Wahr­eit geworden und so die ältesten der Guerilleros, die ch zuerst um Cabrera geschaart hatten (wahres Gesindel, ller Ordnung abhold), auf diese Art dezimirt worden mren, konnte erst ernste Manneszucht gehandhabt wer- en. Am meisten aber fühlten die Proviantmeister der rmee Cabrera'S Strenge. Ein Kriegökommiffâr , der att zwei Ochsen einige Thaler Geld vom Alkalben eines >rteS empfing, dafür aber den Empfangschein so auS- ellte, als wenn ihm die Ochsen zur Proviantirung für e Armee geliefert worden wären, wurde sammt dem lkalden auf Befehl Cabrera'S an den ersten Baum auf# tknüpft. Als man Cabrera ersuchte, er möge sie doch schießen lassen, antwortete er: Für Spitzbuben habe ich in Pulver und Blei, ich muß besser damit haushalten, in sehr charakteristischer Zug des Guerilla-Chefs ist fol- nder: Auf demselben Marsche, wo die Beiden aufge- ngt worden waren, begegnete dem ersten Bataillone n Mora auf einem engen Bergpfade ein armer Tage- Hner aus Chiva, der eine Ladung Essig in Schläuchen ch Valencia brachte. Diese Ladung trug ein alter, rhungerter, höchst traurig aussehender Esel. Wie das itaiUon den Esel erblickte, lachte es laut auf: Was m Teufel, Tio (Oheim), wo hast du diese abenteuer­

liche Bestie her? sagten die Soldaten, wir sind ja nicht im Karneval!

Sennores! erwiederte der arme, durch diese Ver­höhnung gereizte Tagelöhner, diese abenteuerliche Bestie, wie Ihr sie nennt, ernährt mich, meine Frau und vier Kinder.

Aber warum kaufst du dir nicht ein anderes Thier? Dieses scheußliche Vieh sieht ja aus, als ob es auf der Stelle verenden würde, sagte der Feldkaplan des Ba­taillons, ein Franziskanerpater, der auf einem stolzen Maulthier vorüberritt. Cabrera hatte die Neckerei mit angehört, das Betragen der Soldaten hatte ihn in Har­nisch gebracht und die Unverschämtesten hatten die Elasti­zität seiner Reitgerte dafür fühlen müssen. Um aber den Uebermuth des Mönchs zu strafen, sagte er: Sennor Padre, der heilige Franziskus ging stets zu Fuß und unser Herr Jesus Christus hielt seinen Einzug zu Jeru­salem auf einem Esel; wie wäre es nun, wenn Ihr, eingedenk Eures Ordensgelübdes, dem armen Bauer Euren Macho (Maulthier) gäbet und dafür dessen Esel erhieltet? Da Ihr weiter nichts zu ernähren habt, als Euch selbst, der arme, schwache Esel aber sechs Perso­nen zu ernähren hat, so gebietet Euch die Christenpflicht, hier ein Wohlthätigkeitswerk zu verrichten. Das Bataillon mußte nun Halt machen, der Mönch nolens volens ab­steigen und die Soldaten dem Bauer beim Umpacken des Essigs behülflich seyn. So, sagte Cabrera, nachdem dieses geschehen, zum Franziskaner: Dieses Mal kostet Euch Eure Unverschämtheit Euern Macho, ein ander Mal würdet Ihr nicht so wohlfeilen Kaufs davon kom­men. Der Mönch schlich sich noch denselben Abend vom Bataillon weg und begab sich nach Valencia zu den Christinos. Cabrera konnte diesen Mann nicht leiden; er wußte, daß er seit lange mit dem erhängten Kriegs­kommissar unter einer Decke gespielt.