Wir brauchen aber Macht und starke Macht, wir brauchen eine glänzende und majestätische Macht. Sonst iberholt uns das wilde und unruhige Ding, was man etzt noch Freiheit zu nennen beliebt und was ohne schir- nende und leuchtende und erhaltende Macht bald entwe- )er völlige Herrenlosigkeit und Unordnung oder die alte angweilige Ohnmacht seyn würde.
Der Mensch, welcher der irdischen Luft und Speise ;enießt, lebt doch nicht allein vom Brode. Er, der sich jöttlichen Geschlechts fühlt, will den Wein Gottes schlür- en, er will Luft und Athem des Geistes schlürfen, und nuß ihn schlürfen wollen, wenn er nicht thatenlos und 'hrlos forttrâumen und fortdämmern will. Zu diesem Heist, zu diesem geistigen Athem gehören, wenn man von Völkern spricht, Ruhm und Ehre, und diese beiden Herr- ichkeiten sind nimmer ohne Macht und Majestät da.
Was meine ich damit? Ich meine einen tiefst im Renschen wurzelnden Urtrieb. Was hat der Schwede on seinem Karl dem Zwölften, der Franzose von seinem Napoleon, der Brandenburger von seinem Friedrich dem Zweiten, endlich was hast du, o Deutschland, von deinem Friedrich Rothbart gehabt? Siehe eS waren fast über# menschliche Arbeiten und Anstrengungen der Völker, welche iese Gewaltigen ihnen zugemuthet haben. Und die Völ- :r haben den aus diesen unendlichen und schwersten Ar- eiten und Mühen aufleuchtenden Glanz, diesen kostbaren mit Gold und Glück und Blut erkauften Glanz ewollt. Ja, sie haben ihn gewollt: denn sonst hingen ie Bilder solcher Gewaltigen nicht in der Hütte jedes Zauers und Soldaten, sonst säßen sie nicht so fest in en Gedächtnissen auch der Aermsten und Elendesten im Zolke.
So ist es: wir leben von der geistigen Speise. Frei- eit, Vaterland, Majestät, es sind eben Ideen, keiner ann mit den Fingern zeigen, was uNd wo sie sind: denn e sind nur der Schatten und Schemen eines tieferen nd höheren Schemens. Wir wollen endlich Macht und iuhm; das deutsche Volk ruft sehnsüchtig, „Macht und èuhm!" es ruft: „Komm, Kaiser Friedrich, steige aus em langen Siebenschlaf deines Kyffhäusers herab!"
Ja, solche Erleuchtung und Erhebung wollen wir )eutsche,,die aus dem langen sechshundertjahrigen Sie- enschlaf endlich Wiedererwachten. Wir haben Furcht nd Ehrfurcht für die eigene Freiheit nöthig , wir haben : den fremden Welttheilen und Völkern gegenüber fast öthiger. Diese Furcht und Ehrfurcht, welche allein eine arke Regierung geben kann, wird unsern Schiffern wie nsern Weltwanderern und Auswanderern allein den Schutz und Schirm und unserm Fleiß und Handel allein e Auswege und Hülfe öffnen, wonach alles Volk so mt und einstimmig schreit. Solches könnte die halbirte
und getheilte Herrschaft, womit Einige unter dem Titel Freiheitsverbürgung uns eben so unverständig als listig vorgaukeln, nimmer schaffen; diese könnte die mit buntesten chinesischen Farbenfeuern gespiegelte und vorgespiegelte österreichische Lockung unS noch viel weniger geben.
Also: Ein Herr, ein starker Herr, ein ganzer Herr, ein ganz deutscher Herr über und neben den Königen und Fürsten!
„Aber dieser Eine wird die Könige und Fürsten endlich verschlingen." So winkt und warnt man. In gleicher Weise hat man ja früher bei allen Kaiserkapitulationen, welche wahrlich die Macht und Freiheit des Volkes am wenigsten meinten, gewinkt und gewarnt, und darüber ist die. Macht, Ehre und Freiheit des Vaterlandes endlich ein Nichts geworden. Was künftige Zeiten für Wechsel der Völkergeschicke bringen können, das weiß ich nicht und sage mit Schmalz: ich sitze nicht darin, aber ich habe die Hoffnung, daß gerade unter einem recht starken Halter und Verwalter der höchsten Macht wird die deutsche Freiheit und auch die einzelne Selbstständigkeit der deutschen Fürsten und Republiken am würdigsten und edelsten und vor Erschütterungen und Umwälzungen am festesten und längsten bestehen. So wird das frische, gesunde, durch alle Adern und Poren des großen Volkes pulsirende Blut am fröhlichsten rund getrieben werden; so wird der rechte gewaltige Druck und Gegendruck eines gedeihlichen und vollkräftigen Lebens in dem großen und mächtigen Kaiser und in dem starken und freien Reichsparlamente allein da seyn.
Versteht ihr, oder nicht? singt der Schlußklang der Voluspa, oder Weissagung der Vola in der Edda.
f Was bedeutet eigentlich Demokratie, und wer ist ein Demokrat?
. Liebe Landsleute!
Das Wort Demokratie ist auch so eine Lockpfeife, womit man — dumme Gimpel fängt. Und gar lieblich wissen die Wühler auf derselben eins vorzupfeisen, also, daß es Denen, die nicht weiter sehen, als ihre Nase reicht, gar wässrig im Munde wird, und daß sie meinen, sie hätten die gebratenen Tauben schon wirklich drinnen, die in der Demokratie den Leuten in den Mund geflogen kommen sollen. — Dagegen hat ein deutscher Landsmann, der nach Amerika ausgewandert ist, an seine Freundschaft daheim zurückgeschrieben: mit den gebratenen Tauben sey es nichts in der Demokratie; denn die flögen nirgends höher, als eben dort! Wer hat nun Recht? Der Mann, der das Ding aus eigener Erfahrung kennt, oder die
