wie Hannoveraner und Würtemberger sind neu und undeutsch."
„Daß bei den Römern die Völker der rechten Rheinseite überhaupt Germanen heißen ist bekannt. — Undeutsch aber erscheint der Name, weil er niemals im Munde unserer Vorfahren selbst geführt wird; nie, weder bei angelsächsischen oder altnordischen Dichtern taucht er auch nur als dunkles, veraltetes Beiwort auf, was doch kaum unterblieben wäre, wenn er im Volk und in der Sprache je gewurzelt hätte. Seine scheinbar mögliche Deutung nach deutschen Worten muß darum aufgegeben werden; er ist nicht aus gèr (käste) und man zusammengesetzt, noch aus irman, irmin entstellt. Im ersten Jahrhundert und vorher hatten die Römer für gér noch ges vernommen, das ihnen zudem aus gaesum geläufig war. DaS E in Ger galt ihnen offenbar kurz, und von Ger- mani weiß ihr Ohr sehr wohl die Namen Hermunduri und Arminius zu scheiden. Aller deutscher Klang in Germani trügt also."
„Nun ist aber weiter höchst wichtig festzuhalten, daß der Name von einem Winkel der linken Seite des Nied errh eine ö her ausgegangen war und sich von da in immer weitere Kreise gedehnt hatte. Wir besitzen darüber eine berühmte, oft besprochene Stelle des Tacitus Genn. 3*). Vorerst kann hier recens und nuper nicht auf die jüngste Zeit gehen, weil schon Cäsar den Namen kennt und verwendet; es soll sagen, daß er nicht der alte ursprüngliche gewesen sey, sondern bei besonderem Anlaß aufgekommen. Nämlich die zuerst über den Rhein schreitenden und die Gallier austreibenden Deutschen, die jetzigen Tungern seyen damals Germanen genannt worben. Von dem einzelnen Stamm hebe sich der Name allmählig.
Am richtigsten scheint mir, die Benennung von den gallischen Nachbarn der Deutschen ausgehen zu lassen, wie auf entgegengesetzter Seite die der Sueven von den slavischen; sie braucht aber blos zufällig den schreckhaften Sinn enthalten zu haben, den hernach eine auch den Römern zu Ohr gekommene Ueberlieferung damit verknüpfte, Germani hat ganz das Aussehen eines keltischen Wortes, und stehet auf gleicher Linie mit dem bei Cäsar verzeichneten Volkönamen Paemani, welcher zu
*) „Caeterum Germaniae vocabulum recens et nuper additum, quoniam, qui primi Rhenum transgressi Gallos expulerint, ac nunc Tungri, tune Germani vocati sint. Ita nationis nomea, non gentis evaliusse paulatim, ut omnes primum a victo ob metum, mox a se ipsis invento nomine Germani vocarentur. Ich ändere das Untaugliche Victore des TerteS in victo, für welches hier kein victis gefordert wird, da Gallos weit vorausgeht. Mit Victore ist Nichts anzufangen."
leiten scheint vom Irischen oder Gallischen beim (Wunde Streich), das den Plural beimeanna (viri vulnerantes bellatores). Von gairm, Plural, gairmeanna, Ruj Ausruf (welsch garm) könnte wieder ein männliche, Subst. mit der Bedeutung des heutigen gallischen gair madais, garmadair oder welschen garmwyn (Rufer) das dem Sinn des griechischen ßo^v a/«Sö; nahe ftânb und sich trefflich für einen Helden im Kampf schickte für den rauhen Deutschen, Galliern gegenüber, um si mehr, da ihm baritus oder fremitus ausdrücklich zuge schrieben wird. Germani bedeutet daher nichts, als un gestüme, tobende Krieger, und schon ein solcher Nam» mochte den Galliern Schrecken einflößen. *) Von der wüthenden Berserkern heißt es in altnordischen Sager ähnlich. So erschienen den belgischen Galliern die Tungern, und mit diesem Namen wurden sie von ihnen belegt, der hernach auch auf andere deutsche Stämme unt allmälig von den Römern auf alle übertragen wurde Möglich, daß Germani geradezu Uebersetzung von Tungr war; denn tungar, althochdeutsch Zungar, ist linguosui clamosus." (Schluß folgt.)
*) „Nachdem ich diese keltische Etymologie selbst finde, freut es mich beim Nachschlagen von Haupt S. 514, daß sie schor Leo gefunden hatte."
Miszellen.
Die electro-magnetischen Telepraphen, die ü der ganzen preußischen Monarchie die bisherigen Telegraphen ersetzen sollen, sind auf der Route zwischen Berlin und Frankfurt völlig im Gange. An den einzelnen Stationen sind preußische Beamte angestellt. In Kassel ist der Stationsort auf dem dortigen Bahnhöfe. Zwischen den beiden Endpuncten, Berlin unt Frankfurt, sind fünf Stationspuucte, in Köthen, Halle, Eisenach, Kassel und Gießen. Bei jedem dieser letzten fungiren zwei Telegraphisten, im Ganzen also, mit den an den Endpuncten in Berlin und Frankfurt beschäftigten, 14 Unter-Beamte, die einen gemeinsamen Telegraphen-Director über sich haben. Neben bei kurhessischen Regierung isi auch Privaten aus der ganzen Linie von den verschiedenen Stationspuncten aus die Benutzung dieser telegraphischen Anstalt zu Correspondenzen gegen Entrichtung von Gebühren nach einem billigen Tarife erlaubt.
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