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Schulter legte, um ihn aufzufordern, sich die Augen ver­binden zu lassen, da zitterte er einen Augenblick und trat einen Schritt zurück. Im nächsten Augenblicke jedoch trat er wieder muthig vor und sagte lächelnd zum Offi- zier, indem er das Haupt wo möglich noch stolzer empor hob: Sie überraschten mich, Cabaleiro, aber Furcht ist mir fremd; thun Sie Ihre Pflicht, ich bin bereit, aber ich mag keine Binde und sehe dem Tode ruhig entgegen.

Der Offizier gab das Zeichen, die Soldaten legten an, und mit einigen dumpftönenden Schüssen war es ab­gethan. Darauf sah man Manoel, der sich plötzlich em­porstreckte, wie von einer elektrischen Kraft bewegt; mit einer schreckenerregenden Neugierde betrachtete er den blu­tigen Leichnam seines Bruders, welcher die Grube hinun­terstürzte, dann kroch er wieder langsam zusammen, weinte bitterlich und lachte dabei laut auf und zeigte mit dem Finger auf den Leichnam: er hatte plötzlich den Verstand verloren.

Ein Unglück kommt selten allein, und die Familie Oliveira war dem Unglücke verfallen. Die Marquise d'Oliveira erfuhr den Tod ihres Sohnes, obgleich man ihr das traurige Ereigniß verheimlichen wollte, und starb schon nach einem Monate vor Gram; ihr. letzter Blick war auf das Bildniß des geliebten Sohnes gerichtet, ihr letzter Hauch sein Name.

Der Marquis hatte nur Eine Aufgabe noch zu er­füllen. Er verließ mit seinem Sohn Manoel Portugal, e durchreiste ganz Deutschland und befragte die berühmtesten § Aerzte; dann kam er nach Frankreich, wo er einige Zeit in dem bekannten Gesundheitshause des Doktor Blanche ; verweilte, aber auch hier blieben die Bemühungen der Wissenschaft ohne Macht. Von hier aus begab sich der Marquis nach England, und wir haben Anfangs dieser Erzählung mitgetheilt, welches unglückliche Zusammen­treffen im Hause des Doktor Clarke das Leben Manoel's — denn dieser war der kranke Zögling ■— vielleicht um nur wenige Tage verkürzte. Ein Leichenstein auf dem Kirchhofe zu Bedlam, auf welchen der Marquis d'Oliveira nur das Wort „Hope“ eingraben ließ, ist die einzige Erinnerung an Manoel. Und was seinen Vater anbe­trifft, so scheint es, daß er das Versprechen, welches er seinem Sohne am Grabe gegeben, treulich gehalten hat, denn man hörte seitdem nichts mehr von ihm.

Es ist bekannt, daß die Mutter Dom Miguels ruhig und sanft in ihrem Schlosse zu Bemposta gestorben, am: 7. Januar 1830. Sonderbares Schicksal, das ein langes j Schicksal, das ein langes Leben und einen ruhigen Tod £ vergönnte einer Katharina von Medicis, Elisabeth von

England, Katharina von Rußland — und Dona Carlota von Portugal!

Miszellen.

Die Gräfin Eleonore Christine von Ulfetb, (Tochter deë Königs Christian IV.) eine sehr gelehrte Dame, die 1697 bis Beschreibung ihrer 23jährigen Gefangenschaft herausgab, soll durch Uebergießung von dem Blute ihres Gatten in ihre eigener Blutgefäße eine solche Sympathie mit dem gräflichen Gemahl her« vorgebracht haben, daß sie jederzeit empfand, was mit ihm, auck in der größten Entfernung vorging. Sie widerlegte daher jeder zeit die ungegründeten Gerüchte von seinem Tode mit größte, Ruhe; und als er 1664 zu Breisach wirklich starb, brachte sie a: demselben Tage zu Kopenhagen dem Könige die Nachricht vor seinem Tode, die auch genau eintraf. — Das Mittel dürfte and in unserer Zeit zur Erweckung und Steigerung der Sympathi manchem Ehepaare zur erfolgreichen Anwendung zu empfehle: sein.

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Gotha, 31. Jan. An: 17 ward hier die Oper „Ton, oder die Vergeltung" aufgeführt, zu der die Musik vom regieren den Herzog Ernst herstammt. Die Zuschüsse, welche bisher de Herzog der Theatercasse machte, werden nach einer Mittheilung an die Stände ganz oder mindestens theilweise aufhören, wa auf das Gothaer Theater, jetzt eine der besten Bühnen zweite, Rangs, nicht ohne störenden Einfluß bleiben kann.

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Der Kaiser besucht in Olmütz täglich das Theater au eine Stunde. Der Komiker Beckmann ist dort anwesend und wir auf den ausdrücklichen Wunsch des Kaisers in dem Stück „de Vetter" von Benedir auftreten. Auch die Künstlerinnen Hai zinger und Neumann sind wieder nach Olmütz berufen und e sollen dreimal in der Woche Stücke mit Besetzung vom Burc theater Statt finden.

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Berlin, 15. Febr. Die Aufführung von „Eigenthum i Diebstahl", (einer nicht übel gelungenen Berlinisirung des fra: zösischen Dramas la propriéte' c’est le vol) füllte gestern b Räume des Friedrichsstädtischen Theaters. Fast alle politische Notabilitäten, die in den Bewegungen des vorigen Somme, und Herbstes hervorgetreten waren, sind in dieser Bearbeitn: persiflirt. Hr. Held nimmt die Stelle ein, die der französiss Dichter Hrn. Proudhon angewiesen hat. Da die Helden b Stückes fast alle sich unter den Zuschauern befanden, so war diesen vergönnt, die Masken aus der Bühne mit den Original« im Parterre zu vergleichen.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.