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Ueber diese tiefen Eigenheiten und Verhältnisse sprach G. 1824, 4. Jan. zu Eckermann, nachdem er die mancherlei Anfechtungen in religiösen und wissenschaftlichen Dingen erwähnt Hatter „Und nur gar in politischen Dingen! — Was ich da für Noth und waS ich zu lei­den gehabt, mag ich gar nicht sagen. — Kennen Sie meine Aufgeregten? — Ich schrieb es zur Zeit der französischen Revolution, und man kann eS gewissermaßen als mein politisches Glaubensbekenntniß jener Zeit ansehen. AlS Repräsentanten deS Adels hatte ich die Gräfin hingestellt, und mit den Worten, die ich ihr in den Mund gelegt, ausgesprochen, wie der Adel eigent­lich denken soll. Die Gräfin kommt so eben aus Paris zurück, sie ist dort Zeuge der revolutionären Vorgänge gewesen, und hat daraus für sich selbst keine schlechte Lehre gezogen. Sie hat sich überzeugt, daß das Volk wohl zu drücken, aber nicht zu unterdrücken ist, und daß die revolutionären Aufstände der unteren Klaffe eine Folge der Ungerechtigkeit der Großen sind. „Jede Hand­lung, die mir unbillig scheint, sagt sie, will ich künftig streng vermeiden, auch werde ich über solche Handlungen Anderer, in der Gesellschaft und bei Hofe meine Mei­nung laut sagen. Zu keiner Ungerechtigkeit will ich mehr schweigen, und wenn'ich auch unter dem Namen einer Demokratin verschrieen werden sollte." Ich dächte, fuhr G. fort, bie|e Gesinnung wäre durchaus respektabel. Sie war damals die meinige und ist eö noch jetzt. Zum Lohne dafür belegt man mich mit allerlei Titeln, die ich nicht wiederholen mag."

Eckermann erinnerte hierauf an Egmont: er kenne kein deutsches Stück, wo der Freiheit des Volkes mehr das Wort geredet würde, als in diesem. Bekannt­lich warb Egmont deßhalb auch von der Bühne verbannt, wie Schillers Wilhelm Tell. — „Man beliebt einmal, erwiederte G., mich nicht so sehen zu wollen, wie ich bin, und wendet die Blicke von Allem hinweg, was mich in meinem wahren Lichte zeigen könnte. Dagegen hat Schiller, der, unter uns gesagt, weit mehr ein Aristokrat war, als ich, der aber weit mehr be­dachte, was er sagte, als ich, das merkwürdige Glück, als besonderer Freund des Volkes zu gelten. Ich gönne es ihm von Herzen, und tröste mich damit, daß es An­deren vor mir nicht besser ergangen. Es ist wahr, ich konnte kein Freund der französischen Revolution seyn, denn ihre Gräuel standen mir zu nahe und empör­ten mich täglich und stündlich, während ihre wohlthäti­gen Folgen damals noch nicht zu ersehen waren. Auch konnte ich nicht gleichgültig dabei seyn, daß man in Deutschland künstlicher Weise ähnliche Szenen herbei­

zuführen trachtete, die in Frankreich Folge einer großen Nothwendigkeit waren."

Eben diese ächt volksfreundliche und vaterländische Gesinnung offenbarte G. auch bald darauf, während der innigsten Freundschaft mit Schiller, dem er den früher entworfenen Wilhelm Tell abtrat, in den Unterhal­tungen deutscher Ausgewanderter, und vor Allem in Hermann und D oro thea, von welchem letzten Werke er gestand, er habe darin einmal seinen lieben Deutschen recht ihren Willen gethan, und zwar so, daß er selber eS nie ohne tiefe Rührung lesen konnte, und in einer solchen Vorlesung bei Schiller unter hervor­quellenden Thränen auSrief: „So schmilzt man bei seinen eigenen Kohlen!"

M iS) eileN.

— Aus der Grafschaft Glatz , im Febr. (Der Teufel als Wahlkandidat.) Der Wunsch, bei den Wahlen am 22. vorigen Monats berücksichtigt zu werden, hatte einen Bauerguts­besitzer im Habelschwerter Kreise veranlaßt, bei einem seiner Nachbarn, einem sehr beliebten, ihm aber abholden Manne, die Rolle des leibhaftigen Teufels zu spielen. In der Nacht vor dem verhängnißvollen Wahltage findet er sich, mit Hörnern, langem Schwänze und anderen teuflischen Abzeichen versehen, in der Schlafstube seines Nachbars ein, weckt ihn durch dumpfes Geprüll und befiehlt ihm, seinen ganzen Einfluß in der Gemeinde darauf zu verwenden, daß jener Bauergutsbesitzer (nämlich er selbst) ge­wählt würde, andererseits ihm und der Gemeinde Pestilenz und andere Uebel bevorständen. Der erschrockene Nachbar, vielleicht ein wenig abergläubisch, verspricht den Befehlen des Teufels nachzukommen, worauf sich derselbe entfernt. Zu seinem Unglück werden ihn einige Kettenhunde gewahr, von denen sich der eine losreißt und auf den armen Teufel losspringt. Dieser flüchtet sich in seiner Angst auf die an den Kuhstall angelegte Brandleiter und bleibt auf dem Dache desselben sitzen. Durch das wüthende Gebell der Hunde aufgeweckt, erscheinen mehrere und immer mehrere Leute, welche dem auf dem Dache zusammengekauerten Teufel durch fleißiges Bewerfen mit Schneebällen dermaßen zu­setzen, daß derselbe endlich um Pardon bitten und beschämt den Grund zu seiner Verkappung angeben muß. — Buchstäblich wahr, sagt die Schlesische Zeitung.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Theater zu Wiesbaden.

Samstag den 10. Januar bleibt das Theater wegen des ®ür gerwehrballes geschlossen.

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.