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„Ich beantworte keine Frage, erwiderte Milon mit Kaltblütigkeit. Ueber diesen, so wie andere Punkte werde ich nur im Verhör antworten, weil ich nur einmal ant­worten will."

„Werden Sie wenigstens Auskunft geben, wie Sie ■ Ihre Zeit seit gestern Abend zubrachten?"

„Ich war die Nacht, sagte er, in dem Gehölz von Roumare. Diesen Morgen habe ich mit meiner Mutter auf dem Felde gesprochen, wohin, wie ich wußte, sie kommen mußte. Sie hat mir eine Wunde verbunden, die ich am linken Arme hatte, dann stieg ich in einen Wa­gen, Len sie bei sich hatte, und bin ganz allein nach Hause gefahren. Ich habe Jedermann in meinem Hause ausgezahlt und verabschiedet, um Ihnen ganz frei folgen zu können."

„Weiter haben Sie uns nichts zu sagen?"

„Nein."

Der Richter blieb noch einen Augenblick stehen und sagte mit Anstrengung:

„In diesem Falle, Milon, verhafte ich Sie im Na­men des Königs."

XL

Man war mitten im Winter. Ein Reiter kam aus dem Geholze von Lavalette und ritt durch das Dorf von Maromme, um sich nach der Stadl zu begeben. Er war in einen weiten braunen Mantel gehüllt. Er ritt ein altes isabellensarbiges Husarenpferd, das ungeachtet seiner Magerkeit noch ziemlich feurig war. Ohne sein eigen­thümliches Aussehen, das nur das des treuen Port-Mahon seyn konnte, wäre es unmöglich gewesen, in dem Reiter den Abbe Gilbert zu erkennen, so sehr war er in seinen Dreispitz und seinen Mantel eingehüllt, und so viel man von seinem Gesichte wahrnehmen konnte, war er nieder­geschlagen und bleich. Es war wirklich der Priester von Saint-Jean; aber seit den letzten Begebenheiten sehr ver­ändert, und wie Jedermann über ihren wirklichen Zusam­menhang in grausamer Ungewißheit.

Er gelangte durch die Barriere von Beauvoisine in die Stadt. In der Nähe dieser Barriere liegt das Non­nenkloster von Ernemont. Der Abbe Gilbert ritt auf dieses Kloster zu, und hielt am Thore an, aber ohne ab­zusteigen. Die Aufseherin des Klosters erschien sogleich an der Schwelle und der Abbe fragte:

„Sind sie bereit?"

„Sie werden es gleich seyn, antwortete die Schwester. Die junge Dame hat mehrere Ohnmachten gehabt, als sie erfuhr, was sich heute zugetragen und was man von ihr verlange; aber sie fängt an, Kraft zu gewinnen, Dank sey es der starken Frau, die bei ihr ist."

„Ja, ja! Sie macht ihr keine Furcht mehr?"

„O nein! seitdem sie zu ihr gesagt hat: Sie sind es nicht, die ich verdamme."

„Sonst nichts?" versetzte der Priester nach einem Momente des Schweigens uud eines tiefen Nachdenkens.

„Sonst nichts."

„Es ist gut, erwiderte Gilbert. Sagen Sie ihnen doch, Laß ich da sey und sie erwarte. Man kann mich in der Conciergerie aufsuchen."

Er grüßte Lie Aufseherin, die ihm eine tiefe Ver­beugung machte und ritt nach dem Innern der Eite. In dem Grade, als er sich dem Justizgebäude näherte, stan­den immer zahlreichere Gruppen auf der Straße. An dem Gebäude selbst angelangt, stieg er ab, und gab sich dem Thürsteher zu erkennen. Sogleich wurde er durch düstere Gänge und über dunkle Treppen bis zu einer Thüre geführt, die sich vor ihm öffnete. Er ging vor­wärts bis zu einem Platze, der für ihn auf einer der äußersten Stellen der Estrade reservirt war, und von wo aus er alles sehen konnte, ohne selbst gesehen zu werden.

(Fortsetzung folgt.)

Das Haus einer weisen Bäuerin.

(Schluß.)

Auch die bäurische Matrone sah mich noch lange wohlwollend an und ihre Neugier richtete noch einige Fragen an mich, die aber dann allemal sogleich, ehe ich antworten konnte, ihre Weisheit sich selbst leise beant­wortete. Sie fügte nämlich jedesmal mit weisem Kopf­nicken ihre Vermuthungen als Antwort hinzu. Sind wohl weit her? fragte sie, aus Ungarn, fügte sie leise hinzu. Da sie wenigstens errathen hatte, woher ich für den Augenblick kam, so fragte sie nach einer kurzen Pause in ihrer unbeschreiblich gutmüthigen Neugier weiter: Was gibt's Neues? — Nir, setzte ihre Weisheit sogleich hinzu. In dieser eigenthümlichen Art ging meine Unter­haltung im Stillleben der bayerischen Wirthschaft fort.

Vor dem Abendessen knieten die Knechte alle nieder. Durch ihr lautes Beten herbeigelockt kamen auch die Kinder aus der Nebenstube herbei, ihnen folgte behaglich die Mutter und alle knieten nieder. Sogar die Gäste ließen endlich ihre Krüge stehen und knieten. Ganz zu­letzt kam noch die Kellnerin aus der Küche hereinge­sprungen und kniete gerade mir gegenüber vor der Tafel, hinter der ich saß. Nach Tische bat sie um die Erlaub­niß, sich mit ihrer Arbeit — sie nähte an einem Hemde — mit zu meinem Lichte setzen zu dürfen, und ein ande­res Mädchen, das noch mehr Kind als Jungfrau und dazu etwas verwachsen war, fetzte sich stillschweigend und