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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zcituug.

1*49. — M 35.

△ £ u j t e n n e.

(Fortsetzung.)

.» Die Stimme Romain'S ertönte.

„Das?... Ei, das ist der Vetter deS 'Herrn Milon!"

„Unglücklicher!... sagte die Pächterin mit donnern­der Stimme."

„WaS habe ich denn gemacht? fragte Romain, mit beiden Händen in die Haare greifend: —"

Ach, mein Herr! mein Herr! ...

„Sie wissen also darum? erwiderte der Richter, sich an die Pächterin wendend, Sie wissen, daß Ihr Sohn..."

„Wagen Sie seine Mutter zu fragen?... unterbrach sie ihn mit schrecklichem Tone. — Niemand soll Ihnen hier antworten. Kommen Sie nicht vom Schlosse? Habe ich nicht die Wagen gesehen, die Sie hergebracht haben? Sind Sie nicht von der Gräfin abgeschickt?... Weiß ich nicht, daß Nichts ihn retten kann? Sprechen Sie nicht, sagte sie z'u Luzienne, die eine Bewegung machte. Er befiehlt uns Alleu zu schweigen.

Der Richter sagte mit einer Verbeugung:

Dieser Befehl genügt, wir fügen uns. Die Mutter, die Frau, die Schwiegermutter dürfen nur mit seiner Zu­stimmung vernommen werden.

Wir hoffen in seinem Interesse, daß er sie nicht im­mer verweigern wird.

„Thun Sie ihre Pflicht. Wir gehören nicht zu denen, die sich entschuldigen, indem sie ihre Wunden zei­gen; wir gehören auch nicht zu denen, die sich verbergen. Er hat Ihnen einen Augenblick entgehen können, weil er mich sprechen wollte; aber jetzt gehen Sie, gehen Sie, wenn Sie mehr wissen wollen, er erwartet Sie in seinem Hause.

Die Richter beriethen sich einen Augenblick, und über­zeugt, daß sie hier nichts weiter ausrichten würden, be­stiegen sie wieder ihre Wagen, und eilten, von den berit­tenen Gensd'armen begleitet, im Trabe nach der Stadt.

In einer halben Stunde war der Weg zurückgelegt. Man stieg vor dem Hause in der Straße von Air ab. Die Bude war geschlossen. Schon hatte sich das Ge­rücht von dem Ereignisse hier und da verbreitet, und verschiedene Gruppen hatten sich um einen Wagen ge, bildet, der vor der Thüre hielt. Es war derselbe Wagen, dessen sich die Pächterin am Morgen bemächtigt hatte.

Man klopfte. Milon öffnete. Er war allein zu Hause.

Er hatte das Aussehen eines Mannes, der sich von Seinesgleichen verurtheilt weiß, der aber ihnen das Recht streitig macht, in ihn zu dringen. Er trug einen Arm in der Binde.

„Milon, sagte der Jnstruktionsrichter nicht ohne große Wehmuth und tiefes Mitleiven, diesen Morgen ist ein Edelmann, Namens Aubry d'Orizelle todt in dem Gehölz von Roumare gefunden worden . . . Man klagt Sie als seinen Meuchelmörder an."

„Sein Meuchelmörder? sagte Milon, das bin ich nicht."

Der Richter betrachtete ihn einen Augenblick und erwiderte:

„Haben Sie ihn getödtet?"

„Ja."

Es trat eine kurze Pause ein, während welcher der Gerichtsschreiber das Geständniß aufnahm.

„So wären Sie wohl angegriffen worden, sagte der Sichter mit einem geheimen Wohlwollen, und Sie hät­ten sich gesetzmäßig vertheidigt; wirklich sind Sie auch verwundet . . ."