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wissen es wohl? Das Stück Land neben dem Walde, nach Hulm zu; sie überwacht die Leute, die dort sâen. Sie hat den ganzen Tag dort zu thun."

„Ah! gut, ich danke;" antwortete blos die junge Frau und achtete weiter nicht aus das Mädchen, das schwieg und sie mit neuer Verwunderung ansah.

Luzienne vertiefte sich ganz in ihre Lektüre. Fast eine Stunde war verflossen. Sie hörte ihre Mutter nicht, die soeben in den Saal trat.

Madelaine Aillaud, die, wie schon gesagt, nur lang­sam ging, hatte Zeit, sich ihr zu nähern und sie auf die Stirn zu küssen, indem sie sagte:

„Wie eifrig bist Du beschäftigt, mein Kind!"

Luzienne blickte überrascht auf:

„Ach! sagte sie, bist Du es? Guten Tag Mutter!"

„Sprechen Sie mir nicht davon, sagte die Magd, schon eine Stunde lang ist das Fräulein, das heißt die Frau, in ihr Buch vertieft. Ich habe ihr bereits gesagt, daß der Tisch gedeckt und das Frühstück aufgetragen ist, aber sie hört mich nicht."

„Das ist ein gutes Zeichen, sagte die Alte, das be­weist, daß Du Dich wohlbefindest."

„Ja, Mutter, sagte Luzienne, so wohl, daß ich gleich im Wagen mit Grand-Jean abreisen werde."

„Wirklich? um nach der Stadt zu Deinem Manne zurückzukehren?"

Luzienne schlug die Augen nieder.

„Dann bist Du geheilt, sagte Madelaine mit frohem Tone. Ich wußte wohl, daß es eine Kinderei sey."

(Fortsetzung folgt.)

00 L. Spohrs Weihe der Töne.

Das Programm deS ersten diesjährigen Konzerts, welches zum Besten des Orchester-Wittwen- und Waisen­fonds gegeben wird, enthält die Ankündigung der treff­lichen Symphonie von Louis Spohr, die Weihe der Töne genannt. Von der Schwierigkeit der Ausführung dieses klassischen Werkes mag zweierlei Zeugniß geben, einmal: daß Habe neck als Direktor des Konserva­toriums der Musik zu Paris sich eigens deshalb nach Aachen begab, um mit dem Komponisten namentlich über die Tempo des zweiten Satzes Rücksprache zu nehmen; sodann, daß vor vier Jahren das treffliche Frankfurter Orchester unter der Direktion Guhr's bei einer Auf­führung mit dem zweiten Satze total umwarf. Von der Schönheit des Werkes werden sich Alle überzeugen, denen die Gelegenheit geboten ist, dasselbe kennen zu lernen. Zum schnelleren Verständniß der Gedanken, die der Kom­position zum Grunde gelegen, erlaubt sich ein Freund

der letzteren hier das Gedicht mitzutheilen, das dem Komponisten die erste Anregung zu seiner großartigen Schöpfung gegeben. Es rührt dasselbe von dem Schwa­ger des Komponisten, dem einst so hochgefeierten Dr. Karl Pfeiffer, dem früh verstorbenen Sohne des be­kannten Kasseler Oberappellationsgerichtsrath Burkhard Wilhelm Pfeiffer her und ist schon 1825 gedichtet. Wir haben zur bessern Uebersicht die Abtheilungen der Sym­phonie an gehörigem Orte daneben gesetzt, wollen nur noch für die Laien bemerken, daß die Schwierigkeit des zweiten Satzes in der Zusammenarbeitung der verschie­denen Tempis der drei Sujets „Wiegenlied der Mutter", „Tanz" und „Ständchen" liegt.

Die Weihe der Töne.

1 8 2 5.

Erster Satz. Einsam lagen die Gefilde

In des Lenzes Blumenpracht; Durch die schweigenden Gebilde Wandelt der Mensch in Nacht; Folgte nur dem wilden Triebe, Nicht des Herzens sanfte Spur; Keine Töne fand die Liebe, Keine Sprache die Natur.

Da wollte sich die ewige Güte künden, Und hauchte in des Menschen Brust den Klang!

Und ließ die Liebe eine Sprache finden, Die ihm beseligend zum Herzen drang.

Ihn grüßt die Nachtigall mit Liebestönen, Es rauscht der Wald ihm Harmonieen zu, Des Zephyrs Säuseln füllt die Brust mit Sehnen, Des Baches Wellen flüstern ihn zur Ruh. Da schwinget bei der Töne heil'gem Wehen Der Geist, befreit von jedem Eroenbanh, Sich trinmphirend zu des Himmels Höhen, Und grüßt der Träume schönes Vaterland.

Zweiter Satz. Heil'ge Töne, Friedensklänge

Aus der unbekannten Welt!

Zu des Lebens Lust und Strenge Seid ihr treu uns zugesellt!

Bei des Kindes ersten Schmerzen An der treuen Mutterbrust, Dringt ihr schon zum kleinen Herzen, Und verkehrt den Schmerz in Lust.

Auf des Säuglings Wiege leise Zaubert ihr die süße Ruh;

Haucht mit sanfter Liedesweise Goldne Traumgebild' ihm zu.

Auch zu der Jugend fröhlichen Reigen Ladet ihr ein mit Allgewalt, Und die finsteren Sorgen schweigen, Wenn der jubelnde Tanz erschallt.