Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Raffauischcu Allgem. Zeitung
1849. — . I“ 81.
△ 8 II j t e ti n e.
(^fe^ung.)
Ein Dutzend bleich^und zitternde Figuren drängten sich hinter den Amtmann und seinen Gehülfen. Der Arzt, der Feldhüter, Cary und der Mechaniker standen in der ersten Reihe.
„Wie sind Sie denn gefallen? sagte der Amtsmann, sich gegen den Letztern wendend."
Mein Herr, sagte Cary, ich habe mich, wie ich jetzt sehe, an dem Körper gestoßen, und bin mit den Knieen und Händen in den Schmutz gefallen."
„Ah! sehr gut. Ich hätte das früher denken können. Um nun mit Ihnen, Mann der Wissenschaft, anzufangen. Greffier, halten Sie sich bereit und schreiben Sie. Herr Migaut, wollen Sie uns sagen, ob keine Hoffnung ist, diesen Mann in's Leben zurückzurufen?"
Der Barbier, der wieder einigen Muth gefaßt, sagte:
„Mein Herr, dieser Körper ist- ganz erkaltet und steif. Schon länger als vier Stunden muß er todt seyn.
„Das genügt. Nun Hufschmied, ist die Reihe an Ihnen.
Rigaut erhob sich, von einer schweren Last erleichtert, während der Hufschmied seinen Posten einnahm und die Untersuchung in der gehörigen Form beendete.
Der Amtmann stellte die einzelnen Punkte zusammen, indem er dem Greffier folgendermaßen diktirte:
„Schreiben Sie: „Haben dann festgestellt, daß die Kleidung des Besagten die eines Mannes aus den höheren Ständen war, daß der Körper sorgfältig untersucht, nur eine einzige Wunde zeigt, die an der Kehle mit einem breiten und scharfen Instrument nach Art eines Dolches hervorgebracht ist; — daß die rechte Hand des Getödteten noch ein abgeschossenes Taschenpistol umspannte. Erklären, daß die Aussage derjenigen, die zwei Schüsse in
dieser Nacht gehört haben, eine Nachsuchung nach einem zweiten Pistol veranlaßt hat; — daß man es wirklich einige Schritte hinter dem Körper gefunden hat; — daß dieselbe Nachsuchung die Auffindung eines Dolches von eigenthümlicher Form herbeiführte, der mit Blut benetzt war und allen Anzeigen nach das Instrument, womit das Verbrechen verübt worden, seyn mußte; erklären, daß wir diese drei Gegenstände dem Feldhüter zur Aufbewahrung übergeben haben; daß wir dann zur Visitation der Taschen geschritten find und den Inhalt derselben in die Hände unseres Greffier niedergelegt haben, bestehend in einer mit Gold gefüllten Börse und einem Portefeuille, eine beträchtliche Summe in Papier enthaltend, woraus sich entnehmen läßt, daß der Mord nicht aus Habsucht, sondern aus Haß oder Rache geschehen zu seyn scheint..."
„Das ist Alles, glaube ich. Nun! was sagen Sie, Hufschmied?..."
„Ah! Ah! Sehr gut!... Schreiben Sie noch: Erklären, daß der Hufschmied bei genauerer Betrachtung des Antlitzes einen Edelmann zu erkennen glaubte, den er mehrere Male auf dem Schlosse von Remalard gesehen, daß der besagte Edelmann der Neffe der Frau Gräfin von Remalard sey und Aubry d'Orizelle heiße."
Hierauf siegelte der Amtmann und fuhr fort:
„Wir haben hier jetzt nichts mehr zu thun. Nach dem Schlosse von Remalard, meine Herren! Lassen Sie eine Tragbahre heranbringen, den Körper darauf legen und ihn mit dem Mantel zudecken."
Es war neun Uhr, als man in die Allee des Schlosses gelangte. Dort machte man einen kleinen Halt, um den Eintritt des Zuges zu regeln, und der Körper des Edelmannes lag einen Augenblick auf derselben Stelle, wo die Tochter des Dichters das Bewußtseyn verloren hatte. Der Amtmann befahl den Leuten, einen abgelegenen Weg zu nehmen und von hinten in das Schloß einzutreten.
