gesagt, daß ich heute Morgen um sechs Uhr abreisen würde; aber ich bin schon um eilf Uhr Abends aus demselben weggegangen, mit der Absicht, nicht mehr dahin zurückzukehren. So ist meine Spur verloren. Jcy will mich jetzt nach der Stadt begeben, und mich dort in irgend einen undurchdringlichen Winkel verbergen. Wollen Sie nun hier bleiben, oder wollen Sie in Ihr Haus zurück, kehren? Das letztere wäre wohl vorzuziehen."
„Ich werde morgen dorthin zurückkehren."
„Herrlich! Nur Muth!... Sie machen sich. Dort werden wir uns mit Muße sehen."
„Sie gehen in dieser Stunde nach der Stadt, allein, zu Fuß?"
„Ja. Oh, fürchten Sie nichts für mich! Ich bin den Gefahren gewachsen, die Sie beunruhigen! Ich habe mit den Huronen und Mohikanern gekämpft, die ganz andere Feinde sind, als die Ihrigen."
„Wie, Sie wollen der Landstraße nicht folgen?"
„Ich werde mich wohl hüten. Würde man nicht aufmerksam auf mich werden, wenn man mich dort kommen sähe? Ich werde den schrecklichen Fußsteig nehmen, den Sie, glaube ich, Coupe-Gorge nennen. Ich halte ihn meinerseits für einen herrlichen verdeckten Weg, und wenn es einen Hinterhalt einschließt, so werde ich die Offensive ergreifen. Schlafen Sie nur ruhig, ich habe hier zwei gute Freunde und Helfer."
Man hörte drinnen die Schlösser zweier Pistolen knacken.
In diesem Augenblicke bewegte sich der draußen am Fensterladen stehende Mann wie ein Schatten vorwärts, entfernte sich aus dem Garten, ohne daß nur ein Sandkorn knarrte, schlug den Weg ein, der zum Gehölz führte, und eilte schnell nach dem Coupe-Gorge.
IX.
Es war sieben Uhr Morgens. Der Amtmann von Maromme, Herr Cäsar Lerond, eine kleine Gestalt, die sich vor der Nachbarschaft der Räuber sehr wenig fürchtete, und den die Landleute ihren kleinen Kapitän nannten, ging lebhaft im Schlafrock in seinem Audienzsaale, der im unteren Stocke seiner Wohnung lag, auf und ab. Sein Gehülfe, bereits in seiner Amtskleidung, saß in seinem Bureau, neben einem Fenster, bas auf den Hof hinauSging.
„Nun, Meister Fouquet, sagte der kleine Mann des Königs, seit den fünfzehn Monaten meiner Amtsführung nicht ein einziger Kriminalfall! Das ist erbärmlich! Ich glaubte doch einen Ehrenposten verlangt zu haben! Rechnen Sie auf Weiberversprechungen! Dieser Wald von Roumare ist ein Operngebüsch! Heute speise ich im Schlosse von Remalard; die Gräfin ist eine gute Dame,
und hat Einfluß am Hofe; ich gelte etwas bei ihr. Sie muß, meiner Treu, mir eine Versetzung auswirken. Aber sehen Sie doch, ob der Esel von Rigaut kommt, um mich zu rasiren?"
Inwiefern Momente hörte man einen großen Tumult im Hofe, und der Gehülfe, durch die Scheiben blickend, sagte:
„Da ist Rigaud, aber mit vielen Leuten."
Fast zugleich ging die Thüre auf, und der Barbier, ein großer phlegmatischer und furchtsamer Mensch, trat in den Saal.
Er war sehr blaß und zitterte wie Espenlaub.
„Was gibt's denn? sagte der Amtmann. Sie kommen sehr spät; und wahrhaftig in einem schönen Zustande, um rasiren zu können!
„Ach! Herr! Cary, der Mechaniker, welcher alle Morgen von Hulm durch das Gehölz kommt, um in seiner Fabrik zu arbeiten — dieser hat so eben erzählt, daß er in der Tiefe des @ou|^@orge gestolpert und dann auf einen Menschen gefallenst , der im Wege lag ... Da unten ist Cary, um Ihnen seine Erklärung zu machen, aber die Andern lassen ihn nicht fort, und bestürmen ihn mit Fragen. Er glaubt, daß es ein Mann ist, denn man diese Nacht getödtet hat."
Hat sich der Dummkopf nicht darüber Gewißheit verschaffen können?"
„Ach, Herr Amtmann, anfangs hat er sich zu fehl gefürchtet, er dachte nur an seine Rettung. Dann sieh? man keine Hand vor Augen in der Tiefe des Coupe- Gorge. Und endlich gibt es Leute im Dorfe, die inest Nacht, morgens gegen 2 Uhr, zwei Schüsse in dem Ge Hölz gehört haben; ... das ist eine himmelschreiende, eint schreckliche That. .. Cary hat Blut an Händen uni Füßen."
„Teufel! Teufel! sagte der Amtmann, sich von Neuen in Marsch setzend, die Hände auf dem Rücken und mi sich selbst sprechend, — sollte es denn doch noch Etwaè geben? — Als er Cary in Begleitung des Haufens ein treten sah, betrachtete er mit schnellem erfahrenen Blick denselben, dessen Gesicht und Haltung noch den Schrecke, ausdrückte und an dessen Körper noch die blutigen Zeichei zu sehen waren."
„Vernehmen Sie ihn und die Leute, die die beide, Schüsse gehört haben, sagte er zum Gehülfen. — Dam wendete er sich gegen die Menge: hat Jemand die Gens darmerie geholt?"
„Da ist sie," sagte eine Stimme.
„Gut, sagte der Amtmann. Er wandte sich zu Rigaut der sich auf einen Stuhl gesetzt hatte, um sich zu erholer und sagte: „Gib mir mein Amtskleid und meine Perück« denn ich sehe wohl, daß ich heute nicht mehr rasirt werd«
