Vortheil der Arbeiter besteht darin, daß jetzt in Paris 410,000 Menschen aus Armenmitteln leben. Unter 24,000 Todten sind 9000 im Hospital, gestorben. Eine schöne Demokratenerbschaft.
Geht's in Deutschland besser? In Köln leben 33,000 Menschen von Almosen. In Wien hungern die Arbeiter; die Stadt verlor 4 Millionen schwere Gulden und machte 1% Millionen Schulden.
Berlin verlor 40— 50 Millionen Thaler und im April waren bereits 70,000 Einwohner ausgewandert! Authentischen Listen gemäß ist die Zahl der unbesteuerten Handwerker auf 18,600 gestiegen und das Gewerbe hat um Vr abgenommen.
Nun mögen doch die Demokraten den Fleck zeigen, wo nach ihrer Lehre das Korn im Wein blüht?' Die Bibel hat Recht: „im Schweiße Deines Angesichts sollst Du Dein Brod essen."
Ich sehe immer noch nicht ein, wie wir ohne diesen Spruch über den Berg kommen.
Arbeit ernährt ihren Freund, allein cs muß Gesetz und Ordnung im Lande herrschen; entsteht Auflauf und Unruhe, so trägt der gemeine Mann den Schaden. Das habe ich stets behauptet.
Neulich sah ich in einem Bilderladen ein schönes Stück. Demokraten und Bürger theilen eine Wurst, — Errungenschaft genannt. Der Bürger faßt das kleinste Ende, der Demokrat führt das große Messer und schneidet dem armen Teufel den Daumen mit ab. Da dacht ich bei mir, es werden noch Viele seyn, denen die Finger seit den Märztagen bluten.
Die Hauseigenthümer in Berlin sollen jetzt die Brandstiftungen des Märzes bezahlen; das ist auch eine schlechte Salbe für die große Wunde.
Jetzt sind die Wahlen vor der Thür; da haben die Handwerker und Bürger Gelegenheit, abermals mit den Demokraten gute Geschäfte zu machen. Proteste, Verein- barungstheorien und Geschrei über den verletzten Rechtsboden werden billig zu haben seyn, und Aufregung an allen Enden.
Mich aber will bedünken, daß innerer Zwist weder für den Staat noch für die Familie taugt.
Gesetzt, der jüngere Sohn eures Handwerkers kehrte heim von Paris und glaubte den Vater und die ältern Brüder zu übersehen. Dürfte er damit ansangen, das Handwerkszeug aus dem Fenster zu werfen, und das Leder nach fremder Mode für unbestellte Waare zu verschneiden? Antwort: nein! Man würde dem jungen Brausewind den Stuhl vor die Thür stellen.
Italien. Gin Bild von R. Lehmann.
Adolf Stahr, der geistvolle Kritiker, schreibt in dem Feuilleton der Kölnischen Zeitung nachfolgenden Brief, der gewiß in jedem kunstb edürftigen Gemüth — und deren gibt es jetzt mehr, als man glauben sollte — einen Widerklang finden wird, zumal wenn dem Leser die Prachtbilder Rudolf Lehmann'S bekannt seyn sollten, die, wie wenige modernen Bilder, einen wahrhaft begeisternden Eindruck auf jeden Beschauer üben.
(An D. H. H. in H.)
„Theurer Freund, wo öffnet sich dem Frieden, Wo der Freiheit noch ein Zufluchtsort?"
Sie werden mich nicht schelten, geliebter Freund, wenn dieser Seufzer des edelsten Dichterherzens sich selbst mitten in der schwarz-roth-goldenen Freiheitszeit auch aus meiner Brust zuweilen emporringt. Wohl mag die Freiheit bei ihrem ersten Auftreten wie Christus sagen: „Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert." Aber wir, die wir die Nothwendigkeit der Gegenwart Jahre lang in der Vergangenheit vorausgesehen — wir dürfen wohl klagen, daß der Wahnwitz und die Verstocktheit Derer, die Ohren hatten, zu hören, und nicht hörten, Augen, zu sehen, und doch nicht sahen, die Geschichte der Menschheit um das ersehnte Schauspiel einer friedlichen, allein menschenwürdigen Entwickelung zur Freiheit betrogen hat, um eine Entwickelung, zu der kein Volk hoffnungsreicher dem Beobachter erschien, als das deutsche Volk.
Mitten unter den Stürmen und Schrecknissen, deren schwarze Wetterwolken unseres Vaterlandes Horizontöum- düstern, habe ich indessen gestern eine Stunde verlebt, welche mir das Gedenken nachgerufen hat an jene glückliche Zeit, die wir vor nun bald drei Jahren in Rom gemeinsam verlebten. Ich habe unseren Freund Rudolph Lehmann wieder gesehen, den ich im Jahre 1846 in seinem stillen Studio in der Via del Babuino zu Rom verließ, emsig schaffend an seinem großen Werke, „Sirius der Fünfte, die Pontinischen Sümpfe segnend." Sie wissen, mit welcher Freude alle wahrhaften Freunde der Kunst damals jenes Werk des genialen Künstlers begrüßten, und wie ich in meinem Buche „Ein Jahr in Italien," Theil II., den Versuch gewagt, den Eindruck jener trefflichen Kunstschöpfung wiederzugeben. Seitdem ist des Künstlers Prophezeiung Wahrheit geworden.
Ein neuer Sirius auf dem Stuhle Petri hat den Versuch gewagt, die Pontinischen Sümpfe des italienischen Völkerlebens in Wohnstätten der Gesundheit und Freiheit eines menschenwürdigen Daseyns umzuwandeln. — Das Italien, wie wir es gesehen, wie es seit Göthe lebte in unserer Literatur, ist nicht mehr. Unter Blut und
