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VII.

Wie lange auch eine Ohnmacht anhalten mag, für die, welche sie befallt, dauert sie nur eine Sekunde. In dem nämlichen Augenblicke, wo Luzienne eine lethargische Nacht umgab, schien sie in einem glücklichen Zustande aufzuwachen. Ihr verstörter Blick, ihre betäubten Geistes­kräfte erlaubten ihr anfangs keinen Gegenstand zu unter­scheiden. Ein glänzendes Licht umgab sie, eine wohl­tuende Wärme durchdrang sie, sie fühlte sich wie einge­wiegt durch eine fernklingende Musik. In ihrer Nähe ertönten weibliche Stimmen, liebendes Mitgefühl aus­drückend. Dann fühlte sie, daß mack ein Glas an ihre Lippen brachte, und sie trinken lassen wollte. Sic ge­horchte wie ein krankes Kind, und alsbald durchfloß sie ein süßes Wohlbehagen und eine gewisse Trunkenheit; die letzte Wolke zerstreute sich vor ihrem Blicke. Sie sah sich halbliegend auf einem Sofa in einem engen Zimmer, in dessen Mitte ein funkelnder Kronleuchter herabhing.

Durch die auf beiden Seiten einer offenen Thüre zurückgeschlagenen Vorhänge bemerkte sie noch mehrere prächtig erhellte Zimmer, auS denen die harmonischen Töne, die sie vorhin gehört, zu kommen schienen. Um sie herum waren acht oder zehn Frauen mit zarter Sorg­falt beschäftigt. Gold, Silber und Blumen waren auf der Seide ihrer Gewänder mit lachenden Farben unter­mischt. Diamanten schimmerten auf ihren nackten Schul­tern, und auf ihrer herrlichen Stirn glänzte ein Heller Schmuck. Nur eine Einzige, und zwar im reiferen Alter, saß neben ihr. Sie hielt in ihrer Hand eine Tasse, die sie Luzienne anbot, und sagte in der ungeschminkten Sprache unserer Großmütter:

„Gott sey Dank, das arme Kind kommt wieder zu sich. Sehen Sie, meine Damen, sie öffnet wieder die Augen, und wie schön sind sie! Geht es besser, meine liebe Kleine? Können Sie mit mir sprechen? Sagen Sie diesen Damen, daß Sie Luzienne Aillaub, die Toch­ter meines guten Freundes Michel Aillaud sind.

(Fortsetzung folgt.)

C Hermann s Zeichnungen zur Ge­schichte des deutschen Volkes.

zweiten Blatte, bei etwas veränderter Anordnung, sehen wir die Kämpfe zwischen Römern und Germanen, in der Mitte die Arminiusschlacht; darüber aber den in der Edda selbst beschriebenen Untergang der nordischen Götterwelt. Passende Sprüche, in Rahmen oder sonst angebracht, deu­ten hier wie durchgängig auf die Beziehung der Mensch­heit zu Gott und Ewigkeit. Im dritten Blatt, dessen obere Hälfte eine gedrängte aber erschöpfende bildliche Darstellung der Grundlehren des christlichen Glaubensbe­kenntnisses enthält, sehen wir die Geschichte der Verbrei­tung des Christenthums in Deutschland. Ich bemerke, daß bei der größten Mannigfaltigkeit in der Anordnung der einzelnen Szenen doch durchgängig für alle Zeichnun­gen .dasselbe Maß von zwei Fuß vier ^oll Breite zu ein Fuß acht Zoll Höhe und die Form des oben durch einen flachen Bogen gebrochenen Vierecks beibehalten ist.

Die Blätter IV bis IX sind der Bildung, Entwicke­lung, Erstarkung und Machtentfaltung des deutschen Reichs gewidmet, namentlich sehen wir im vierten Blatt Karls des Großen und seiner Vorgänger Unternehmungen für die Kirche und den christlichen Staat; im fünften Blatt die Gestaltung des deutschen Reichs unter Heinrich dem Städtebauer; im sechsten Deutschland unter den Ottonen und Konrad II.; im siebenten die Zeit der sali- schen Kaiser von Heinrich III. bis Heinrich V., die Kämpfe mit der Kirche; im achten die Kreuzzüge und Barbarossas Thaten; und im neunten die Hochperiode deutscher Ge­schichte unter den Hohenstaufen bis auf Konradius Hin­richtung.

Auf dem zehnten Blatt wendet sich die Geschichte; die Burgen werden gebrochen, mit Rudolph von Habsburg tritt ein neues Recht ein und in Huß kündigt die Zukunft sich an. Das elfte Blatt ist der Reformation und den sie begleitenden Begebenheiten gewidmet; das zwölfte dem dreißigjährigen Krieg; das dreizehnte dem Abschnitt der Geschichte, der Friedrichs des Großen Namen und Ehren trägt; das vierzehnte enthält das Ende des deutschen Reichs, Deutschlands Schmach und seine Erhebung im Jahr 1813; das fünfzehnte endlich Gegenwart und Zu­kunft unseres Volkes in sehr fantastischer, religiös-alle­gorischer und geschichtlich-symbolischer Zusammenstellung.

(Schluß folgt.)

(Fortsetzung.)

Die Vorgeschichte des deutschen Reichs behandelt er in den ersten drei Blättern, und zwar so, daß im ersten das Leben, die Sitten und Gebräuche der alten Germanen unter dem Einfluß der Macht der nordischen Götter (die den abgeschlossenen obern Raum des Bildes einnehmen) in einer doppelten Reihe von Szenen dargestellt ist. Im

Weibliche Bildung

Bemerkungen zu den Randglossen eines „alten Praktikers."

Es hat Ref. sehr gefreut, als er in dem Wanderer las, daß sich ein alter „Praktiker" der in der Neuzeit in