t Der Ursprung des Namens der Stadt Wiesbaden.
(Fortsetzung.)
Die älteste Nachricht, worin der Name deutsch Wiesbaden wirklich vorkommt, ist die von Kind- linger in handschriftlichen Bemerkungen und Bodin a n n's Rheingauischen Alterthümern, welche das Archiv zu Idstein besitzt, angeführte Urkunde des deutschen Königs Ludwig II. von 882. Dekan Vogel, welcher in der Topographie Nassau's S. 148, 171, 532 eben dasselbe Jahr aus „ungedr. Urk." anführt, wird ebendasselbe Stück vor sich gehabt haben. Obwohl nun die Originale nicht mehr vorhanden sind, und selbst Bod- mann's Abschriften, besonders in den Namen, manche Ungenauigkeiten haben, wie schon Kindlinger öfters nachweiset; so will ich doch, der Merkwürdigkeit wegen, da die ganze Urkunde noch ungedruckt ist, hier die betreffenden Worte mittheilen, und zwar nach des Letzteren eigenhändiger Copie: ecclesiae s. Ferrutio in Blidenst. ex sisco nostro Wisibad in pago Cunigeshundra in villa, quae dicitur Nordinstat, in comitatu Hat- tonis comitis mansos III terrae arabilis cum curlili- bus, et Omnibus ad ipsos mansos pertinenlibus in proporium donavimus atque transtulimus per prae- sentes. Arnulfus cancellarius ad vicem Luitperdi archicapellani recognovi et subscripsi. Data XIV. Kal Febr. ad. dominicae incamationis DCCCLXXXII, indictione X, anno VI H Ludowici serenissimi regis. Actum Francorofurt palatio regio in dci homine fcli- citer. Amen.
Der große handschriftliche Conspectus historiae Nassoviensis von Erath' s *) setzt die erste urkundliche Erwähnung des Namens Wiesbaden in 965 mit folgenden Worten: Loci Vuisibadun prima mentio. Otto imperator curtem juris regni sui Rosbach, in pago Hassonum, in comitatu Elli comitis cum per- tinentiis St. Mauritio' Magdeburgensi donat. Actum Wisibadurn. Die Probationes hierzu lauten: „Dipl, in Hertii notit. vet Germ, populorum Opusc. II. p. 52. Cons Schenk memorab. Wisbad. T. I. p. 55, II. p. 45. Böhmer, in der Regesten der deutschen Könige und Kaiser, hat bei Nro. 288 u. 289 für 965 zwei Urkunden mit dem Ausstellungsorte Wisebaden, a) über die Schenkung des Gaues Melectice an den h. Moritz,
*) Vgl. die nähere Beschreibung in der Zeitschr. f. die deutsche Archive. Bd. 1. Hst. 1. S. 39. Da noch nirgends umfassendere Proben von dieser Arbeit und der Art ihrer Ausführung gegeben wurden, obwohl sie Arnoldi durch und dnrch benutzte so wird man das hier Beigebrachte hoffentlich nicht ungern sehen. Anderwärts sollen anschaulichere Darstellungen folgen.
nach Gercken, C, D. VI. 383; b) über die Schenkung von Rosbach nach Leub er, disquis. Stap. Sax. 1606. Die Originale dieser Urkunden befinden sich nicht zu Magdeburg, sondern nur reinliche Abschriften v. I. 1678, und in beiden stehet genau die Form Wisibadin. Jedoch find nach Graff im althochdeutschen Sprachschatze die Formen B a d u n und Wisibadun als Ortsnamen dat. plur. von Bad, ohne Nachweisung von Quellen oder Varianten. — Nach Erath folgt weiter 990, Willegi- sius aepus Mog. bona nonnulla circa Wisbadon ecclesiae s. Stephani Mog. donat. v. Joannis R. M. Scr. T. II. p. 61e — Beigefügt kann werden Wisbadon v. 1043 nach einer Urkunde bei Joann. T.II. p. 514. — Ferner erscheint bei Erath im Jahre 1123 Wis baden als curtis regia v. Schenk, T. I. p. 56. de Gudenus cod. dipl. T. IV. p. 864. Ejusd. syll. I. vett. dipl. p. 564. Joannis spicil. p. 443. Kremer origg. Nass. p. 155. Aber bei Kremer stehet offenbar Wisibad, und so zitirt auch Wenk, Hess. Gesch. Bd. 2. S. 522. aus Gud. syll. p. 564. Bei Joann. 1. c. p. stehet in der Urkunde des K. Heinrich IV. silvam quandam ad regiam nostram curtim Wisibad vocatam. Böhmer Nro. 2080 hat die gegenwärtige Orthographie gewählt. — Zu dem J. 1211 hat der Conspectus Erath's: Henricus et Robertus, comites de Nassau, jus patronatus ecclesiae in Wis- baden Ordini Yentonico donant. Vid. litteras ap. de Gudenus C. D. T. III. p. 1078. Cons. Schenk. T. II. p. 18. sg. Würd twein Dioc. Mog. II. p. 127. Kremer P. II. p. 254. P. I. p. 404, 426. (Kremer hat Wiesebaden, Würdtwein Wisebaden aud Gu- den.) Ao. 1214 Fridericus rex donationem confirmat. v. Dipl. ap. de Gud e n us, T. III. p. 1080. Cons* Schenk, T. II. p. 79. Böhmer Nro. III. (neue Bearbeitung von 1847) hat die jetzige Form. Weiterer Verfolg würde unnütz seyn. Die Abschriften der alten traditt. Blidenst. bei Kindlinger ^aben Wisinbade, Wissebad, Wissebaden, Wesebaden. (Schluß f.)
ff Gin Naturbild
In den „charakteristischen Thierzeichnungen" von Rudolf Meyer, Zürich 1833 stoßen wir Seite 86 auf folgende Schilderung der Lemminge, welche vor 16 Jahren und in rein naturwissenschaftlicher Tendenz geschrieben, die köstlichste unfreiwillige politische Satyre ist, welche wir jemals gelesen haben.
Die Beschreibung der Lemminge, welche m aulwurfs- âh nliche und also sehr wühlerische Thiere sind, lautet wie folgt, und wir überlassen es jedem Leser, sich die Parallele selbst zu ziehen:
