Einzelbild herunterladen
 

Gans; und wenn sie auch Chemie und Literaturgeschichte gehört hat, so weiß sie doch am Ende noch nicht, wie das Einfachste in Küche und Haushalt muß angegriffen werden.

Dagegen weiß jene, außer der gewöhnlichen Schul­bildung, als Lesen und Schreiben, sich in Allem zu hel­fen ; sie kennt die ganze Zubereitung des Flachses, kann spinnen, üricken, auch wohl weben, grob nâhen, das Ein­fachste kochen — weiß mit Vieh umzugehen, kann melken, sich allenfalls selbst das Holz für die Küche herrichten, mit Karst und Schaufel umgehen und wenn es durchaus seyn muß, fährt sie allenfalls auch in den Acker.

Wenn dergleichen auch nicht von Allen gefordert werden kann und unter allen Umständen nöthig ist, so leuchtet es doch ein, welch' ein herrliches Kleinod eine solche Frau, namentlich für Jeden seyn würde, der aus­wandern will und muß. Und schließt dann ein solcher Zuschnitt in der weiblichen Bildung alle Empfänglichkeit für etwas Höheres, wenn es die Umstände zulassen, ganz aus? Denn natürlich kann hier nicht von eigent­licher Roheit und völligem Stumpfsinn die Rede seyn, weßhalb schon oben gesagt ist, Körper und Geist müssen gesund seyn.

Wissen denn etwa die älteren Frauen unserer An­gestellten, die auch nur eine ganz einfache bürgerliche Er­ziehung erhielten, nur durch die damaligen Elementar­schulen liefen, die mit den jetzigen gar keine Vergleichung aushalten können, — sich nicht anständig zu benehmen, zu unterhalten, wenn sie auch wohl im Briefschreiben noch ein Schnitzer machen? So war auch die Frau des Professors Lichtenberg zu Göttingen, noch zu meiner Zeit eine der gebildetsten und feinsten Frauen, die alle Gesellschaften durch ihre Geistesfülle zu beleben wußte — ein sogenanntes Milchmädchen aus der Nähe, das Lich­tenberg kennen lernte, da es täglich Milch in's Haus brachte.

Ueberhaupt darf man nicht vergessen, daß für den, der etwas lernen will, auch das Leben noch eine Schule ist. Und so kennt auch Schreiber eine Menge wirklich gebildeter Frauenzimmer aus neuerer Zeit, die keine In­stitute, sondern nur die Elementarschule des Ortes be­sucht haben — und dennoch einen Brief nicht blos wirklich schön, sondern auch richtig schreiben, eine große Belesen­heit haben und sich recht gut zu unterhalten wissen, auch unter Herren.

Vor Allem muß ich hier gegen den Schluß prote- stiren, der vielleicht hieraus gezogen werden könnte, âls wenn ich ein Feind aller feinen weiblichen Bildung sey oder wohl gar das Weib bloß zum Lastthier des Mannes machen wolle. Es ist gewiß höchst traurig, wenn das Weib von nichts Anderem zu reden weiß, als vom Wet­

ter und Putz, und der Mann sich ihrer schämen muß, wenn sie nur den Mund öffnet. Allein läßt sich das nicht auf andere Weise erreichen, als durch lange Jnsti- tutsbildung? Woher sollen denn die Eltern das Geld nehmen, wenn die Bildung einer Tochter fast ebenso viel kostet, als die eines Sohnes?

Ein Anderes wäre es auch, wenn wir immer be­stimmt die künftigen Verhältnisse unserer Töchter voraus­sehen könnten. Aber müssen nicht auch eine Menge von Damen, die jetzt eine feine Bildung erhalten, in ganz andere Verhältnisse eintreten, wo ihnen dergleichen nicht nur nichts nützen kann, sondern vielleicht dazu beiträgt, daß sie sich unglücklich fühlen? Deßhalb wird es weis­lich seyn, auch hier immer mehr die allgemeinen Lebens, zwecke und die eigentliche Bestimmung des Weibes fest- zuhalten.

Und die Frau soll vor Allem die Gehülfin und Freundin seyn , die dem Mann das Leben aufheitert und verschönert; sie muß daher, während der Mann arbeitet und verdient, solches klüglich zu erhalten und anzuwen­den wissen und sich daher auch selbst sogar in höheren Kreisen um Küche und Keller bekümmern. Der Mann will, wenn er Abends von seinem Geschäft zu­rückkehrt, sich nicht über gelehrte Gegenständ e unterhalten und streiten, sondern es thut ihm wohl, wenn er sein Hauswesen beaufsichtigt, in Ordnung weiß. Da Über­sicht er es gerne, wenn die Frau etwa nicht weiß, wo dieser und jener Ort oder Fluß liegt, wann ein König lebte 2C. und wird bei dem Vernünftigen wahrlich der­gleichen nicht die Achtung und Liebe ganz untergraben.

Für einen großen Mißgriff muß man es daher an­sehen , daß die Meisten ihre Töchter nur für den soge­nannten höhern Stand zu erziehen suchen und daher weniger Rücksicht auf die Haushaltung nehmen, weil der­gleichen bei Angestellten, die alles kaufen, in der Regel wenig zu sagen hat. Deßhalb wird dann nun die meiste Zeit auf Lektüre, Klavierspielen, feine weibliche Arbeiten Sticken K. verwendet. Das alles ist nun recht gut, wenn es die Verhältnisse zulassen. Aber was wird dar­aus, wenn der Magd die ganze Haushaltung allein über­lassen wird? Und nicht zu gedenken, daß jene Arbeiten durch das beständige Sitzen der Gesundheit sehr oft nach­theilig werden; (denn woher doch jetzt überall in Städten die Bleichsucht, Nervenreizbarkeit, Schwäche der Mäd­chen und Frauen ?) so entfremden sie doch oft den ernsteren Hausgeschäften und verleidet dieselben. Die Finger wer­den durch die gröbere Hausarbeit für das Klavierspielen zu steif, die Hände zu rauh , um mit Seide u. dgl. um­zugehen. Und so ist die Kurzsichtigkeit und Schwäche mancher Aeltern selbst daran Schuld, wenn ihre Töchter