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Dich war es das Wort eines Vaters . .. Wenn das Dein Kummer ist, so soll Dir noch heute Deine Erb, schaft werden . . ."

„Kannst Du glauben, daß mein ganzes 'Leben darin bestehe?" .

„Empfindest Du Kummer, daß Du keine Gesellschaft besucht, oder Deinen Mann keine höhere und glänzendere Karriere einschlagen siehst? ... Ich habe geglaubt, daß das, was für mich gut sey, auch für Dich genügen würde. Was ein Gemüth, wie das Deinige bedarf, was es verfolgt, ohne es zu wissen, was allein es hier unten beruhigen kann, das ist die Weisheit, und sein sicherstes Asyl beruht in der regelmäßigen, bescheidenen und thä­tigen Lebensweise, die ich cinführte, ohne Dich zu zwin­gen" .. .

„Ich weiß ... ich glaube es ... ich bin davon über­zeugt . .. aber ich kann es nicht fühlen . ..

Mckon halte bisher mit mühsamer Selbstbeherrschung gesprochen. Eine unfreiwillige Heftigkeit riß ihn plötz­lich fort.

„Aber, rief er, was verheimlichst Du mir dann?... was bekümmert Dich denn? ... Ast es ein anderer Gatte? ...

„Oh!" ... rief sie, verwirrt von Erstaunen, Schmerz und Unwillen. — Dann wider ihren Willen ausfallend, sagte sie:

„Was mich bekümmert, das bist Du selbst!... Wenn einige Illusionen mir lächelten, so war das, als ich die Hoffnung hatte, von Dir geliebt zu werden; wenn ich sie verschmähte, so geschah das, um von Dir geliebt zu werden... wenn ich hier mein Asyl und Glück habe, so ist das unter der Bedingung, daß Du mich liebst. . . Aber Du liebst mich nicht!" . ..

„Ich!... versetzte Milon mit einem Schrei, den er sogleich unterdrückte."

„Ja Du ... Du siehst es wohl ein bei Deinen schrecklichen Fragen! Du siehst es wohl ein bei dem, was in Dir vorgeht! Ich habe Alles gesagt, ich wiederhole es. Ich habe mich ganz gegeben, wie ich bin. Ach! ich leide unaussprechlich und es ist dunkel und traurig um mich wie in einem Grabe." . . .

Dieser Schmerz Luziennens sprach sich in ihren von Schluchzen unterbrochen Worten aus. Milon konnte diesmal nicht widerstehen.

Er brach sich selbst unbewußt in die Worte aus:

„Ja, Du hast gesprochen ... Du hast mir gesagt, daß dieser elende d'Orizelle gewagt hatte, Dich wieder­zusehen."

„Ach! ich glaubte nicht, daß Dich das noch beun­ruhigen könnte."

„Du hast mir aber nicht Alles erzählt."

„Ach Gott! konnte ich denn die schimpflichen Worte wiederholen. Du kennst sie ja, Du warst ja dabei, und glaubst Du, daß ich nicht einsehe, was Du damals ge­litten . . . sollte ich eine solche Qual wiederholen."

„Was liegt an seinen Beleidigungen! Er rühmte sich Deiner Gunst, und Du strafest ihn nicht Lügen. Er sagte Dir, daß Du vor dem Abfalle der Blätter erfahren würdest, daß er Recht habe — und jetzt sähest Du zu, wie die Blätter fielen."

„Ach! das also habe ich gewonnen. Du zweifelst an mir, Du verdächtigst mich!"

„Luzienne! rief Milon, ich schwöre vor Gott, daß Du weder meine Liebe noch mein Vertrauen auf deine Tugend kennst; aber ich habe nicht dasselbe Vertrauen auf Dein Herz, und wenn ich es denn sagen soll, nun, ich glaube, daß du mich nicht liebst."

(Fortsetzung folgt.)

Die politischen Flüchtlinge in England.

(Schluß.)

Metternich hat mit Vergnügen gesehen, daß sein in­timer Feind an die Spitze der deutschen Revolution trat. Es ist ein harmloses Kind! rief er aus, als er die Wahl des Erzherzogs vernahm, und das sechszigjährige Kind soll, wie man sagt, den Eingebungen das Ohr leihen, welche ihm aus Brighton, der neuen Residenz Metter- nich's, zugehen*).

Es ist ein Name, welcher ehemals auf diesem Ver- zeichniß von Verbannten einen Platz ausfüllte, den die Hand des allgemeinen Stimmrechtes aber aus demselben gestrichen hat. Welche Erinnerungen würde ich übrigens hier zu sammeln finden! Dieser Name hatte weder für unsere Nachbarn, noch für uns irgend eine ernste poli­tische Bedeutung gehabt bis zu dem Tage, wo an sechs Millionen Stimmen denselben Europa zu einem' Räthsel, Frankreich zu einem Unterpfand der Ordnung und der Einheit gemacht haben. Der Prinz Ludwig lebte in Eng­land übrigens nicht ganz unbeachtet. Die Londoner Bour­geoisie ehrte in ihm den Neffen eines Mannes, welchen die offenherzige Unparteilichkeit der Inselbewohner fast eben so sehr bewundert, wie den Herzog von Wellington. Die Aristokratie tolerirte ihn ihrerseits wie einen Gentle­man von gutem Geschmack, sehr sorgfältig nach den eng­lischen Sitten (english manners) dressirt — die Haupt-

*) Wie einfältig diese Behauptung des Hrn. von Alaur ist, brau­chen wir nicht hervorzuheben. Jedermann weiß, daß der Erz­herzog Johann seit je der Gegenstand des Haffes und der Ver­folgung Metternich's war. A. d. R. d. Köln. Ztg.