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§ Randglossen von einem alten Praktiker.

II. Die Aufhebung der Strickschulen.

Von der Aaar. Zu dem traurigen Theil der Errungen­schaften vom März v. I. gehört auch an vielen Orten die Aufhebung der Strick- und, Nähschulen. Auch selbst da, wo man so vernünftig war, sie fortbestehen zu lassen, ist der Eifer dafür erkaltet, und so schicken nur noch Wenige der besseren Eltern ihre Kinder regelmäßig in diese Schu­len, die andern, wo dieses hoppelt Noth wäre, lassen sie daheim herumlaufen oder betteln gehen. Seitdem alle Polizei darniederliegt, greift dieser Krebsschaden, beson­ders auf dem Lande, wieder auf eine Schauder erregende Weise um sich und wenn nicht bald wieder auch in An­sehung des regelmäßigen Schulbesuchs strengere Maaß­regeln ergriffen werden, so werden wir rasch zu der schö­nen alten Zeil zurückkehren, wo Einzelne verlangten kon- firmirt zu werden, ohne lesen zu können, und Stricken und Nähen bei den Armen eine seltene Kunst war. Denn leider gibt es überall Eltern, denen die wahre Bildung und das Glück ihrer Kinder wenig am Herzen liegt, wenn sie nicht dazu gezwungen werden.

Wer nur irgend mit dem Leben bekannt ist, weiß, wie tief in alle häuslichen Verhältnisse solche Kunstfer­tigkeiten eingreifen! Ein Mädchen oder eine Hausfrau, die nicht nähen, stricken, flicken kann, ist nirgends an ihrem Platze! Was kann aller Fleiß des Mannes hel­fen, wenn die Frau den Verdienst nicht anzuwenden und zu erhalten weiß? Der Arme besonders, der sich nicht oft neue Kleider anschaffen kann, muß die alten länger geflickt tragen und das gefällt überall besser, als unrein und zerlumpt! Wo finden wir denn jene Schauder erre­gende Armuth — Rückgang in Allem, Versunkenheit, Stumpfsinn, Niederträchtigkeit rc. als wo Weiber nicht zu rechter Zeit waschen und flicken! Eine Magd, die sich selbst nicht Strümpfe stricken kann, wird um so eher verleitet, solche zu nehmen, und so greift — der Diebs­sinn um sich. Eine Mutter, welche in dieser edlen weib­lichen Kunst unerfahren ist, gewöhnt sich das Betteln an und da selten geschenkte Sachen gehörig geschont und ausge­bessert werden — ist auch darin kein Segen; sie wird immer fauler, unreinlicher, niederträchtiger.

Man wird freilich wohl sagen, es sey, wo die Strick- schulen unverständiger Weise aufgehoben sind, Sache der Schulbehörden, durch bessere Vorstellungen darauf wieder hinzuwirken. Wie sehr hat man sich darin doch auch in anderer Rücksicht geirrt! Und was können alle Vorstel­lungen fruchten, wenn man einmal nicht will, sein Bestes

nicht einsieht und eben so füglich seine Kinder glaubt auf den Bettel schicken zu können?

Die nächste Veranlassung zur Nachgiebigkeit unserer Regierung in diesem Punkte war wohl, daß nach dem langen Bestehen der Strickschulen in unserm Lande, jetzt alle Mütter selbst ihre Kinder darin unterweisen könnten. Indeß gibt es auf dem Lande noch immer Viele unter den älteren Frauen', die nicht hinlänglich mit Näh- und Stricknadel umzugehen wissen und die anderen, die es können, haben dazu keine Zeit. Sie sind froh, wenn sie das Vieh und die Küche besorgt haben, besonders die armen, die sich für jenes das Futter suchen müssen, lind so ist zu fürchten, daß auch die besseren Haushaltungen wieder mehr sinken werden, wenn nicht überall wieder eine bessere Ordnung der Dinge eingeführt wird.

Miszellen.

— „Wären", so schreibt das Manchester Journal, „Menschenliebe und Wohlthätigkeit Gründe zur Beförderung in der Kirche, so müßte die Schwedin Jenny Lind ohne Frage sogleich zum Bischof gemacht werden. Diese mildherzige Dame war diese Woche in Manchester, ihrem von freien Stücken gegebenen Ver­sprechen die Erträgnisse zweier Konzerte dem Manchesterer Kran­kenhaus zu widmen. Die Konzerte haben soeben stattgefunden, und eine in diesem Theil Englands unerhörte Einnahme geliefert, indem sie nicht weniger als 2880 Pf. St. ertrugen. Der Zauber ihrer Stimme und der Reiz ihrer ungezierten Bescheidenheit brachten einen unbeschreiblichen Enthusiasmus hervor. Kurz, Jenny Lind hat alle Herzen in Manchester gewonnen und alle Köpfe schwindlich gemacht."

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— Im Feldsvital zu Verona lag neben einem Kroaten ein blutjunger Piemontese, der am Kopi eine Wunde hatte. Der Kroate bemerkte jedoch, daß der Jüngling jedesmal nach der ärzt­lichen Visite sich auch am Fuße selbst verband. Der Kroate meldete es dem Chirurgen, der Piemontese versicherte jedoch, daß ihm außer der Kopfwunde nichts fehle. Da aber die Selbstanlegung des Fußverbandes fortdauerte, so bestand der menschenfreundliche Grenzer auf genauer Untcrsuchuntz, die vom Oberarzt vorgenom­men wurde und zur Ueberzeugung führte, daß der piemontesische Schütze eine Schützin sey. Das arme Mädchen gestand, daß st nur aus Angst für ihren Geliebten mit diesem unter männliche, Maske in's Feld gezogen, leider aber durch ihre in einem Gefcch erfolgte Verwundung von ihm getrennt worden sey. Das' if treue Liebe!

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.