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Schlaf weckte, haben, ohne sie jedoch zu schwächen, ein wenig die kräftigen Springfedern .dieser so allgemeinen und praktischen Intelligenz abgespannt.

Die Haltung der Gräfin von Neuilly ist die der Er­gebung, welche zu gleicher Zeit etwas, ich weiß nicht, Sanftmüthiges und doch Stolzes durchblicken läßt, wie im doppelten Wiederschein religiöser Demuth und verletz« ten Stolzes. In Claremont wie in den Tuilerien schien die Politik eine der geringsten Beschäftigungen Marie Amaliens zu seyn, welche blos durch Wohlthaten Königin seyn wollte. Man errieth jedoch an einigen mit Mühe zurückgehaltenen Blitzen dieser strengen Seele, daß das Königthum nicht gewichen wäre, ohne den Degen zu ziehen, wenn Marie Amalie über Frankreich geherrscht hätte.

Der Herzog von Nemours ist von allen Mitgliedern der königlichen Familie der Ruhigste. Die Art politischer Jsolirung, in welcher er selbst auf den Stufen des Thro­nes lebte, das Bewußtseyn der ungerechten Parteilichkeit, durch welche er in dem Geiste der Massen zum Vortheil seiner Brüder verdrängt wurde, hatte ihn einigermaßen für die Traurigkeit der Verbannung vorbereitet. Seine Resignation hat vielleicht noch eine tiefere Ursache. Wenn ich nicht fürchtete, eine sehr zarte Schattirung im Cha­rakter des ehemaligen präsumtiven Regenten zu grob wiederzugeben, so würde ich sagen, daß er der Legitimist der Familie war. Der Herzog von Nemours, das wissen alle diejenigen, welche ihn gekannt haben, hätte lieber einen Generallieutenant des Kaiserreichs zum Vater ge­habt, als einen König der Franzosen, und er sah mit einer Art abergläubischer Ueberzeugung den Untergang einer Eristenz voraus, welche auf dem beweglichen Boden des revolutionären Rechtes gegründet war. Daher viel­leicht diese Art Kälte, die man ihm vorwarf, und diese beinahe uneigennützige Gleichgültigkeit, mit welcher er es verschmähte, nach Popularität zu jagen. Dieser Ge­danke, welcher den Herzog von Nemours verfolgte, hat übrigens nie seiner Ergebenheit als Sohn und als Fürst Abbruch gethan. Ludwig Philipp hat immer auf ihn ein gränzenloses Vertrauen gesetzt. — Hatte der alte König etwa jenen Charakterzug gemerkt, und spielte er daraus an, als er neulich zu einem Mitgliede der alten Majorität sagte: „Nemours war von allen meinen Söh­nen, ohne selbst meinen armen Orleans auszunehmen, der Fähigste zur Führung der Geschäfte; aber er hätte als Erzherzog auf die Welt kommen sollen!" Nemours führte, als der Aelteste der Familie, zu Claremont die Herrschaft. (Forts, folgt.)

Literatur.

A Memoiren aus dem Jenseits.

(Fortsetzung.)

Nach Beendigung der Musik fragte die junge Lady mich über Frankreich, über Literatur; sie wünschte beson­ders die italienischen Schriftsteller kennen zu lernen, und bat mich, ihr einige Notizen über die d i v i n a com- media und la Gerusalemme zu geben. Allinählig empfand ich den schüchternen Reiz einer Zuneigung, die aus der Seele kam; ich gerieth in Verwirrung, als ich versuchte, eine Stelle aus Tasso zu übersetzen. Das Alter von Charlotte Ives harmonirte mit dem Meinigen. Da ich einen Sturz mit dem Pferde gethan, so blieb ich einige Zeit im Hause des Herrn Ives. Es war Winter, die Träume meines Lebens begannen vor der Wirklichkeit zu fliehen. Miß Ives ward zurückhaltender, sie wollte nicht mehr singen.

Wenn man mir gesagt hätte, daß ich den Rest meines Lebens unbekannt in der Mitte dieser Familie zubringen sollte, so wäre ich vor Freude gestorben.

Der Liebe fehlt nur die Dauer, um zugleich das Eben vor dem Falle und das Hosianna ohne Ende zu seyn. Machen Sie, daß die Schönheit bleibt, daß die Jugend fortdauere, daß das Herz nicht überdrüssig werden könne, und Sie werden den Himmel aus Erden haben. Die Liebe ist so sehr das höchste Glück, daß sie von der Chimäre, ewig zu dauern, verfolgt wird, sie will nur unverbrüchliche Schwüre aussprechen: in Ermanglung von Freuden sucht sie ihre Schmerzen zu verewigen; ein gefallener Engel spricht sie noch die Sprache, die sie im unverdorbenen Zustande sprach; sie hofft niemals zu enden; in ihrer zweifachen Natur und Illusion macht sie Anspruch darauf, immer fort in unsterblichen Gedanken und undenk­bare Generationen hindurch zu dauern.

Ich sah mit Bestürzung den Zeitpunkt kommen, wo ich genöthigt seyn würde, mich zu entfernen. Am Vor­abende des zur Abreise festgesetzten Tages herrschte eine Todtenstille während des Diners. Zu meinem großen Er­staunen entfernte sich Mr. Ives beim Nachtische und führte seine Tochter mit sich fort; ich blieb allein mit Madame Ives : sie befand sich in großer Verwirrung. Ich glaubte, daß sie mir Vorwürfe wegen einer Neigung machen würde, die sie vielfach hatte entdecken können, von der ich jedoch nie gesprochen. Sie sah mich an, schlug die Augen nieder und erröthete.

Endlich jedoch überwand sie mit Mühe das Hinder­niß, das ihr das Wort benahm und sagte auf englisch zu mir: „Mein Herr, Sie haben meine Verwirrung gesehen, ich weiß nicht ob Charlotte Ihnen gefällt, aber es ist