nicht gelingen wollen, sagt er, diese Klaffe zu einer politischen Partei zu gestalten. (Forts, folgt.)
Talmas letztes Duell.
Aus den Originalien.
Der Fechtmeister Bonnet in Paris erzählte in einer Gesellschaft, wo viel über den berühmten Tragöden Talma gesprochen wurde, mehres aus dessen Leben. Viele Zuhörer halten sich um ihn gruppirt, wir horchten seiner Rede mit großem Interesse. Ich hebe hier folgende Thatsache hervor und führe Bonnet selbst redend ein. Als ich Abends aus dem Theater, nach einer Vorstellung der Jphigenia in Aulis, in welcher mich die Georges als Klytemnâstra und Lafond als Achill entzückt hatten, nach Hause zurückkehrte, überreichte mein Diener mir ein an mich eingegangenes Briefchen von Talma, in dem mich der berühmte Künstler dringend ersuchte, schon um sechs Uhr am nächsten Morgen zu ihm zu kommen.
Ich stellte mich pünktlich ein. Ich fand den Tragö- den in seinen Schlafrock gehüllt, wie ein alter Römer in seiner Toga; er schritt «in seinem Zimmer rasch auf und ab, und zerknitterte eine Nummer des Journal de l'Empire in seiner Hand. Ohne nur meine Begrüßung zu erwiedern, rief er mir entgegen: Ich bitte Sie, lesen Sie diese Schändlichkeit. — Bei Ibiefen Morten gab er mir das Blatt und ich las das Feuilleton mit Aufmerksamkeit.
Talma und Lafond hatten abwechselnd die Rolle des Achill gegeben. Die Kritik hatte nun einen Vergleich zwischen den beiden berühmten Künstlern aufgestellt, dem letzteren durchaus den Vorzug zuerkannt und den ersteren mit leeren Rathschlägen oder Ermuthigungen, wie man sie wohl einem angehenden Talente spendet, abgespeist. Offenbare Parteilichkeit sprach aus jeder Zeile. Ich muß gestehen, es verdroß mich und ich äußerte mich demzufolge. Das ist noch nicht alles! rief Talma empört; auf dem letzten Balle des Hrn. Lacepede hat der nichtswürdige Lafond ein wahres Pamphlet gegen mich verlesen und mich vor vielen Anwesenden zum Gespötte gemacht. — Wäre es möglich? fiel ich ihm in die Rede. Sie können es auf mein Wort glauben, St. Prir war anwesend und hat mich sogleich davon in Kenntniß gesetzt.
Sie sollten sich über die Meinung eines einzelnen wegsetzen, bemerkte ich ihm; das Publikum vergöttert Sie.
Nein, nein, das geht nicht, das muß ein Ende gewinnen! Darf ich auf Ihren Beistand rechnen? — In jeder Lage, versicherte ich. Gut denn, fuhr er fort, begeben sie sich in meinem Namen zu Lafond, sagen Sie ihm, daß sein Benehmen gegen mich weder das eines
guten Kollegen noch das eines Ehrenmannes ist und bestehen Sie darauf, daß er mir Genugthuung gebe! — Woran denken Sie, Talma! in Ihrer Stellung! rief ich. Mein Entschluß ist unwiderruflich! bestätigte er, ich habe alles genau überlegt. Haben Sie vielleicht Ursache, den Weg nicht machen zu wollen, finde ich leicht einen andern Freund. — Nicht doch, mich hindert nichts, ich gehe und richte ihren Auftrag aus,
Ich verfügte mich zu Lafond. Sein Wagen hielt vor der Thür, er wollte eben ausfahren. Ich brachte meine Bestellung vor. Er zupfte seine Spitzenmanschetten zurecht und sprach: So kriegerisch ist die Stimmung meines Kollegen? Gut, ich nehme seine Herausforderung an. Die Zeit? — Morgen, sechs Uhr. — Der Ort? — Das Gehölz von Vincennes. — Auf morgen denn, mein Herr, sprach er, indem er sich mit der Majestät eines Helden von seinem Sitze erhob.
Am nächsten Morgen, es war Ende Mai, war das Wetter vortrefflich. Vier Personen trafen an dem Gitterthor des Gehölzes von Vincennes zusammen. Ich begleitete Talma als Zeuge, St. Georges kam mit Lafond. Nach einer höflichen Begrüßung und einigen kalt hingeworfenen Worten verfügten wir uns tiefer ins Gehölz. Auf einem freien Platze wurde Halt gemacht. Dieser ruhige Ort ist ganz geeignet, unsre Angelegenheit ungestört abzumachen, sprach Talma. St. Georges unternahm es noch einmal, durch einige vermittelnde Worte eine Versöhnung herbeizuführen; ich unterstützte ihn, es war aber durchaus vergebens. Die Eigenliebe Talmas war zu mächtig verletzt und Lafond beharrte in seinem verächtlichen Schweigen. In wenigen Minuten waren die Kleider der beiden Gegner zur Erde geworfen und ihre Degen gezückt. Talma griff seinen Gegner mit großer Heftigkeit an, dieser parirte indeß mit kalter Geschicklichkeit, bis er endlich einen Hieb in die Schulter erhielt. Als das Blut über seinen Arm stürzte, eilten wir hinzu und verhinderten die Fortsetzung des Kampfes; die beiden Gegner wollten noch nicht aushören, wir aber bestanden darauf. Ta^na versöhnte sich mit Lafond und wir vier gaben uns das Wort, über diese Sache das tiefste Stillschweigen zu beobachten, und wir hielten unser Versprechen. Fouche indeß, mit seinem Luchsauge, mußte Wind davon erhalten haben, denn Napoleon erfuhr den Vorfall mit den kleinsten Details. Als Talma sich eines Tages bei ihm befand, sprach der Kaiser zu dem Herzog von Abrantes, indem er die Stirne in Falten zog: Das Leben der großen Künstler wie der Großwürbenträger meiner Krone, gehört Frankreich an — ich mag die Duellisten nicht.
Der Achill des Theaters senkte vor dem Achill auf dem Schlachtfeld das Haupt, der Hieb — hatte getroffen.
