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Der

Wanderer.

Bnblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1849. — â 14.

△ £ ti j t c n n c.

(Fortsetzung.)

Indem. Milon so sprach, brach das arme Mädchen in Thränen aus, sie unterbrach ihn mit schluchzender Stimme:

„Vetter ... ich weiß nicht, was Sie gegen uns ha­ben .. . Seit zwei Monaten haben Sie uns unfreund, lich gemieden, als wenn Jemand . . . Sie beleidigt hätte. Heute kehren Sie ganz zornig zurück, und sagen mir un­ter dem Scheine der Freundlichkeit grausame Worte. Es ist wohl wahr, daß die Gräfin während der Abwesenheit ganz unerwartete Forderungen gestellt hat, aber das ist nicht meine Schuld, ich habe nichts Unerlaubtes gethan. Niemand hat mit mir so gesprochen , daß mein Gewissen dadurch beunruhigt wurde. Wenn ich einen Augenblick über Ihre Worte nachgedacht habe, so ist es mir doch nicht in den Sinn gekommen, mich jemals von Ihnen zu trennen."

„Doch, das ist unerläßlich."

„Aber Sie haben mich ja erzogen," sagte sie ängst­lich; „Sie sind mein Wohlthäter, und mein Vater ver­langte es nicht von Ihnen; mein Vater und meine Mut­ter fürchteten diese Gefahren für mich. Mein Gott; ich weiß nicht, was ich sagen soll; aber mich hält etwas zurück, was ich nicht erklären kann. Ist es die Freund­lichkeit des Abbe, ist es die Wohlthätigkeit Ihrer Mut­ter, ist es .. . ist es meine ganze in Ihrer Mitte ver­lebte Kindheit? Ist es die Meierei, ist es das Dorf, ist es die Stille der Felder? Ich weiß nicht, ich weiß nicht . . ."

„Aber im Schlosse ist etwas, das Sie anzieht?"

„Nein, nicht in diesem Moment; nicht wenn Sie da sind, wenn Sie mit mir sprechen.. . Und doch sind Sie sehr streng mit mir; Sie haben mir niemals Freund­

schaft bewiesen; ich weiß auch selbst nicht, ob ich viel für Sie habe. Aber Sie scheinen mir größer,, stärker als die Andern zu seyn. .. Oh! Vergebung, Vergebung, mein Vetter. . ."

„Reden Sie, reden Sie, ich habe nichts mehr zu fordern," sagte Milon mit schmerzlichem Lächeln, indem er seine Mutter und den Abbe ansah, als wenn er ihnen sagen wollte: „Ihr seht es!"

Aber beide machten große Augen und schienen ganz erstaunt über seine Naivetät."

„Nun gut," erwiederte Luzienne mit festem Blicke, „es scheint mir jetzt, daß ich mir selbst klar werde. Was ich in Ihrer Abwesenheit dachte, war böse; was ich jetzt denke, ist das Gute, und wenn ich auf das Schloß ging, so müßte ich doch nach Verlauf eines Tages hier­her zurückkehren, als wenn Gott selbst hier wohnte."

„Das ist Kinderei und ein Irrthum. Glauben Sie denn, daß es nicht eine Menge Leute in der Welt gibt, die rein bleiben, indem sie das Ansehen haben, kleinlichen Dingen nachzuhängen?"

„Diese sind stark, oder wenn sie schwach sind, wie ich, so stützen sie sich auf Jemand, wie ich es that, ohne daran zu denken.. ."

„Von Zeit zu Zeit werden Sie uns in Ihrer Equi­page besuchen .. ."

„Oh! schweigen Sie, Milon, aus Barmherzigkeit! Sie sind es nicht, der mit mir redet. Ihre Rede würde mich aufrichten, aber diese erschreckt, tödtet mich. Mein Gott! ich bin also sehr strafbar gewesen und ich muß dafür büßen! ... Ach! vergeben Sie mir; nein, nein! jagen Sie mich nicht fort, liefern Sie mich nicht aus!"

Luzienne machte bittend einen Schritt gegen Milon, indem sie die Hände rang.

Aber der unversöhnliche Mann sagte in kaltem Tone

„WaS sollen wir denn thun? Es handelt sich hier