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sowie die Verbindung mit dem edeln, freisinnigen Prinzen jenen Schergen des Geistes als Gegenstände des Miß­fallens und des Verdachts galten.

Indessen hatten die Bestialitäten, welche die Zensur- Bulls begingen, und diese Naderer-Wirren auch oft ihre sehr lächerlichen Seiten, die dem an Gemüth und Jovia­lität reichen Erzherzog Johann, der von diesen Bremsen vorzugsweise zerstochen wurde, viel Ergötzlichkeit be­reiteten.

So z. B. war die lithographische Anstalt Trentsensky zu Wien, damals von dem verständigen Rittmeister Ste­phanie geleitet, auf die Portraitschätze der Ambraser Sammlung aufmerksam gemacht worden, und es trat alsbald der Habsburgische Ambraser Stammbaum, ein Lieblingswerk des Kaisers Mar aus seiner geliebten Nürnberger Kunstschule, an's Licht. Als Schlußblatt wurde Kaiser Franz gegeben mit seiner letzten Gemahlin; die drei vorgegangenen Gemahlinnen aber, Elisabeth, Theresie und Ludovike, waren in Medaillons an einer Pyramide des Hintergrunds angebracht. Die Zensurer- ledigung lautete:Admittitur; jedoch ist dem Heraus­geber die Unbescheidenheit zu verweisen, den Monarchen mit seinen vier Frauen darzustellen."

Der Leibarzt Stifft, dem man diese Rüge zusteckte, rannte damit voll Wuth zum Kaiser, der selbst lachend erwiderte:Schaut's, schaut's, ist das nicht köstlich, so eine aufrichtige Polizei zu haben, die mir's in's Gesicht sagt, daß es unbescheiden sey, vier Frauen zu haben. Ich hab's ja nur nach einander g'habt, und nicht neben ein­ander."

Häufig sah man die Polizeihäupter, namentlich den spürenden Sedlnitzky, früh Morgens bei den Prinzen Be­suche machen, gegen die Mittags gewiß wieder irgend eine jämmerliche Basenhistorie aUerunterthänigst in's Ka- binet geschmuggelt wurde. Bei einem wichen Besuche sagte einmal der Erzherzog Johann schalkhaft über das Blatt des Ambraser Stammbaums, welches den Kaiser Albrecht I. enthält:Ei, ei, ihr hochweisen Herren , die ihr Alles wißt, und laßt doch in der Wollzeile und am Kohlmarkt öffentlich aushängen, wie Johannes Parricida den Dolch auf seinen Herrn und Kaiser zuckt. Der Mensch ist ein Gewohnheitsthier. Glauben Sie mir, Sedlnitzky, der wackere, nur etwas schroffe Syndikus von Langenlois wäre neulich nicht so hinterrücks erschossen worden, wenn Sie nicht an der Wien den Tell erlaubt hätten. Wirk­lich, Sie müssen sich etwas mehr in Acht nehmen! Mir- ist die Sache auch darum unangenehm, weil seit der Zeit in unserm ganzen Hause Niemand mehr Johann geheißen

hat!" Während der Prinz mühsam das Lachen verbiß, tanzte die bewegliche Polizeipagode, wie David vor der Bundeslade, mit ihrem Sacke voll Weisheit überselig fort, ließ den Dolch aus dem Bilde schleifen und ret­tete den Kaiser und das Kaiserthum.

Nach einigen Tagen bei dem Prinzen wieder ein­tretend und sich nochmals bedankend, erstaunte die Pa­gode nicht wenig über den Empfang.Da haben Sie," rief ihm der Erzherzog entgegen,was Schönes gemacht. Der Dolch ist weg. Aber jetzt hält der Johannes dem Kaiser die Faust unter die Nase, und zwar öffentlich und ungestraft! Ein Mord geschieht nicht alle Augenblicke; aber die Ehrfurcht vor den gekrönten Häuptern ist heut­zutage ohnehin genug erschüttert! Das Männlein dankte abermals, und nun war alsbald dem Parricida der Arm bis zum Ellenbogen abgenommen. Der Zensor-Professor Eugen Kaster, noch einer der Wohlmeinendsten, schrieb zur Sch'loerung Albrecht's I. in Hormayr's Geschichte von Wien:Wenn dieses und dieses wegbliebe, stände dann nicht Albrecht's Ebenbild noch schöner und ganz fleckenlos da?" Gest ainsi quon fait lhistoire!"

Miszellen.

In der Rue Choiseul zu Paris, Nummer 18, befindet sich auf ebener Erde eine bescheidene Wohnung: hier hausten vor der Julirevolution die Herren Thiers und Mignet; unter der Auf­sicht des unglücklichen Buchhändlers Schubart arbeitete jeder von beiden an einer Geschichte der französischen Revolution. Schubart sah sich zuweilen genöthigt, die Herrn Geschichtsschreiber einzu­schließen bis am Abend, wo jeder zehn Franks von ihm erhielt. Als nach der Julirevolution Herr Thiers Minister wurde, -stand Herrn Schubart im eigentlichen Sinne des Worts der Verstand still: er konnte sich nicht darein finden, daß der kleine Literat, dessen Brodherr er gewesen war, jetzt Herr von Frankreich sei. Schubart verschwand. Eines Tages bringen ihn die Gendarmen auf die Polizeipräfektur: er war in Italien umhergercist und hatte sich für einen französischen Gesandten ausgegeben. Der arme Schubart starb im Narrenhause.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Theater zu Wiesbaden.

Dienstag, den 16. Januar. Der Spieler. Schauspiel in 5 Akten von Iffland.

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.