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nicc in dortiger Gegend wird sowohl an Sonn. als Feier» taslcn on Bauern und Soldaten fleißig gearbeitet. Auch bei Turczeny am Sereih sind die Brückenköpfe befestigt worden. Wir haben in diese Darstellung nur entschieden glaubwürdige Meldungen ausgenommen und erwähnen daher jener abenten- erlichen Gerüchte überhaupt nicht, wonach bereits russische Emissäre mit aufwie lerischen Planen wahrnehmbar geworden wären. Thatsächlich festgestellt ist indessen, daß von russi­scher Seite ernste kriegerische Borb cre itu ng en getroffen werden, die, wenn auch die Ausführung zum Theil in die zweite Hälfte deö Mai fällt, gleich oohl auf frühere Absichten und frühere Befehle hindeuten, deren Datum ohne »weiset über den 15. Mai, an welchem Tage das bekannte Assersiche Handbillet in Betreff der Aushebung von 95,000 Mann erlassen wurde, zurückreichl. Nicht die österreichische Maßregel war es daher, welche eine Reaction von Seite Ruß­lands hervorrief; eher mag dies von der Haltung des öster­reichischen Cabinets im Allgemeinen gelten; doch zieht man in Erwägung, daß es vom Anbeginn bis zu seinem letzten Be­gehren unwandelbar auf der Linie höchster Mäßigung und unzweideutigen Rechts stehen blieb, so kann es unmöglich als der herausfordernde Theil angesehen werden, die Krisis des Augenblickes möge wie immer enden. Die Entscheidung ruht indessen im Schooße der nächsten Tage.

Aus Ungarn schreibt man der „D. Allg. Z." unterm 17. Juni: Die allzu große Anhäufung von Truppen in Siebenbürgen, das als Gebirgsland natürlich nicht so viel zu produciren vermag, hat bereits einen fühlbaren Mangel an Cerealien und andern Produkten des Bodens hervorgebracht, so zwar, daß die Ausfuhr solcher Artikel nach Ungarn und dem Banat verboten worden ist. Uebrigens dauern Die Trup- p,»Märsche fort, nnd selbst die Grenzregimenter verlassen ihre Stationen und ziehen nach Siebenbürgen und Galizien. Am ,29. Juni trifft das Hauptquartier des 1. Kavalleriecorps in Szegcdin ein; das der Armee aber, welches sich noch in Ofen befindet, dürfte noch nicht sobald von da wegrücken, da es mcht im Willen des Kaisers liegen soll, welcher dem Gerücht nach gegen Ende des MvnatS in der Residenzstadt Ungarns eintreffen wird, um sich in Gesellschaft des Erzherzogs Albrecht nach Siebenbürgen zur Jnfpicirung der dortigen Heerestheile zu verfügen.

Frankreich.

Paris, 20. Juni. Durch eine in dem heutigen Moni­teur veröffentlichte telegraphische Depesche wird officiell be­stätigt, daß die Belagerung SilistriaS seit dem Gefecht vom 13. Juni thatsächlich eingestellt ist. Die näheren Angaben über dieS Gefecht fehlen noch, nur so viel weiß man, daß Fürst Gortschakoff dabei verwundet worden. General Schil­der wurde in Kalarasch ampuiirt. Geueral Lipraudi hat Sla­tina geräumt und sich mit seiner Division in der Richtung nach Piteschli zurückgezogen.

Seil einigen Tagen wird zwischen dem hiesigen und Lon­doner Cabincle ein sehr eifriger Notenwechsel über die Abbe­rufung des britischen Gesandten in Constantinopel Lord Strat- fort de Redcliffe gepflogen, Mit dem Marschall St. Arnaud steht der englische Gesandte auf dem schlechtest-möglichen Fuße. Wahrscheinlich werden die Verhandlungen mit der Abberufung des Lords und der Ueberlraguug der höchsten diplomatischen Vollmachten an den commandirendeu englischen General endigen.

Die Partei-Zetteleien, welche sich in Constantinopel be­ständig kreuzen, machen in Paris und besonders in London den schlimmsten Eindruck. Die Griechen zur Zeit deö Ver- salles des Kaiserreiches gingen hierin nicht weiter, als die jetzige Umgebung des Sultans. Außerdem spricht man nur von Erpressungen und Diebstählen; den beiden Heeren an der Donau und in Anatolien fehlt es an Allem, während man sich in der Hauptstadt berumstreitet. Ein Zug, der diesem Gemälde die Krone aufgesetzt, ist daß in Paris wie in Lon­don das Publicum nichts von dem weiß, was am Bosporus vergeht. Die Engländer halten die Wahrheit zurück aus Interesse und in Frankreich verhehlt die Regierung sie aus System. Die Pariser Blätter haben die förmliche Aufforde­rung erhalten, ihre Correspondenzen nach der Politik des

hinunter zum Diezer Thore. Auf diesem langen Wege wird dem Volke noch mehrmals der Segen ertheilt und an dem Altar vor dem Diezer Thore zum letztcnmale diese heilige Handlung wiederholt. Unter den erhabenen Klängen des Te Deum und dem Geläute der Glocken biegt die Prozession wieder in die Straßen der Stabt und bewegt sich hin­auf zur Domkirche, in welcher die Menge der frommen Theilnchmcr nach Ertheilung des priesterlichen Segens entlassen wird.

Es darf als ein erfreuliches Zeichen der stets zunehmende» Reli­giosität und des wachsenden Glaubenseirers betrachtet werden, daß nicht allein die Zahl der frommen Walle, von Jahr zu Jahre sich vermehrt, sondern auch von Seiten der Bewohner und Hauseigen- thümer Alles geschieht, was zur Verherrlichung und Feier des heiligen Jubelzuges beizutragen im Stande ist. Was kalte Denker und profane Seelen gegen diese Entfaltung kirchlicher Pracht und Zierde auch im« ^rhin vorbringen mögen; cs bleibt dennoch wahr, daß das öffentliche Beispiel der Frömmigkeit und Andacht schon viele frostige und leeie Veizen erwärmt und in ihnen den längst verglühten Funken der Rc- ■ ""edcr angefacht hat. Freilich muß man, um ein gültiges “bcr solche öffentliche Anvachtsübungen abgeben zu können, 'O'holisch denken und katholisch fühlen gelernt haben.

Zur Taqeègeschichte.

.• " Der „Wiener Lloyd" theile nach der „Revue des deur mondeS" ori« Artikel, der den Gang der österreichischen Politik in der irntauföen Frage bespricht, als Episode der Brautwerbung deS von Oesterreich mit: „Der 18. August, wird erzählt, ist der vuitstag des Kaisers von Oesterreich. Zwei Tage vorher begab er $ Ischl' um, wie man glaubte, den Monat im Familienkreise seit ™ ? verleben. Die Herzogin in Bayern war mit ihren Töchtern Db»ik rmn Tagen dort. Die jungen Prinzessinnen halten sich dem de* kaiserl. Familie bisher nur ein einziges Mal zu nähern ein W «'dabt. Ain Abend nach der Ankunft gab dessen Mutter sebatt i m ^lu ble beiden Prinzessinnen und die Elite der Gesell» diel n c^"deone «ngeladen waren. Der Kaiser beschäftigte sich auf und leu'en Cousinen, forderte die Jüngere zum letzten Contretanze tinet «»?'" »'-'^ "n Blumenstrauß, den man nach Wiener Sitte «ehr r (? Tanzcrrn als der seinigen anbietet. Das fiel auf. Noch

* «der wurde tie Erzherzog,n Sophie überrascht, als ihr der Kai«

Moniteur zu modeln. Daraus folgt, daß sie sehr häufig ge- gerade das Gegentheil von dem sagen, was ihre Correspon- denteu berichten. Was den Stgnd der Dinge zu Oesterreich betrifft, so weiß das Personal der Regierung weniger als je, wie es mit der eigentlichen Politik dieser Macht daran ist (?). Während man behauptet, es bestehe mit Oesterreich das voll­kommenste Einverständniß, bemerkt man, daß Herr v. Hübner seit vierzehn Tagen sich auf dem Laude befindet und kaum nach Paris hereinkommt. Die Schwierigkeiten der Lage sol­len, wie man versichert, einen sehr düsteren Eindruck auf den Kaiser machen. Der Regen dauert fort, die Noth nimmt zu. In der Normandie kostet jetzt der doppelte Hectoliter Getreide, der gewöhnlich nur 40 Fr. gilt, 98 Fr., und wenn das schlechte Wetter anhält, dürfte das Steigen bald alles Maß überschreiten.

Die Truppeneinschissungen zu Toulon und Marseille wer­den in all. r Stille nnunterbrochen fortgesetzt. Ein Husaren- regimeut, welches nach Algier bestimmt wnrj ist na* Gall'poli abgegangen, wohin ihm unverweilt ein lllanenregiment Nach­folgen soll, eben so auch das Linienregiment, welches bisher in EhalonS für Saone und Macon in Garnison stand. Das auf der Rhede von Cherbourg befindliche Linienschiff Tilsit, 1 Brigg, 2 Dampfavisos und 1 Korvette werden demnächst nach der Ostsee abgehen. Sie sollen Landungstruppen mitnehmen.

Um den Beschwerden der neapolitanischen Regierung jeden gegründeten Vorwand zu nehmen, hat der Kaiser befohlen, daß Lucian Murat aufhöre , sich mit neapolitanischen Flücht­lingen zu umgeben. Nur der als eifriger Demokrat bekannte Salicetti, ehemaliges Mitglied der constituirenden Versamm­lung und der provisorischen Regierung zu Rom, befindet sich noch in seiner Nähe. Marschall St. Arnaud hat bezüglich des Prinzen Napoleon etwas AehnlicheS gethan und erficht, daß er als Oberbefehlshaber das Recht habe, alle bei der Armee befindliche Offiziere zu kennen, weßhalb der Prinz ihm die Liste der zu seinem Stabe gehörigen Offiziere zuzustellen habe, indem er zugleich den Wunsch aussprach, auf dieser Liste blos französische Offiziere zu finden, was die Flüchtlinge da­von ausschliegt. — Dem Vernehmen nach hätte der General­gouverneur von Algier dem Kaiser eine der Absendung Bu- Mazas nach der Türkei ungünstige Note zugehen lassen. Se. Majestät hätte jedoch unter die Note geschrieben: „Es bleibt dabei."

Man liest im „Journal de Rouen" : „Ein Schreiben aus Hong Kong vom 22. April berichtet, daß nach dort ein­getroffenen Meldungen der russische Admiral Paniutine , wel­cher mit einer geheimen Mission nach Japan beauftragt wor- I den, an der Küste von Sikolf Schiffbruch gelitten. Admiral Paniutine hatte, um schneller vorwärts zu kommen, das Li­nienschiff „Pallas" verlassen und sich an Bord eines kleinen russischen Schooners begeben ; ein heftig wehender Wind trieb dieses Schiff an die Küste, wo es zu Grund ging. Der Admiral und ein Theil der Mannschaft wurde gerettet. Sie setzten hierauf ihre Reise an Bord -einer japamsischeu Junke fort. Es wird nicht angegeben, ob der Schiffbruch vor oder nach Erfüllung der Mission Paniutioe'S stattgefunden hatte; doch vermuthet man, daß Paniutine vor jenem Unfälle mit den Behörden Japans communicirt hatte."

Paris, 21. Juni. Nach aus Co nsta n tinp e l hier eiugctroffenen Nachrichten vom 12. d. M. war die ganze Di­vision deS Prinzen Napoleon bei Daudpascha, unfern Adrianopel, campirt, während die deS Herzogs vou Cambridge sich nach Varna eingeschifft hatte.

Spanien.

Madrid, 15. Juni. In der verflvffenen Nacht wurden die Generäle Messina und Orlando verhaftet. O'Donnell soll sich bei dem letzter» verborgen gehalten haben; dem ersteren ist es gelungen, von der Wacht zu entfliehen. Orlando wird heute Abend nach Galicien gebracht. Man hat einige militä­rische Sicherheitsmaßregeln getroffen. — Die zum Truppen­transport nach Cuba bestimmten Kriegsschiffe sind am 9. d. M. von Malaga nach der Insel Caracca, wo sich die großen Seezeughäuser und Schiffswerften befinden, abgegangen, um i alles Benölhigte eiuzunehmen.

ser nach beendetem Balle erklärte: Seine Wahl habe feine Cousine, die Prinzessin Elisabeth, getroffen, er wolle sie oder gar nicht heirathen. Er verlangte überbieg, daß man die Herzogin befrage, aber sich allen Einflusses enthalte, um ihre Einwilligung zu erhalten. Die Prinzessin Elisabeth beantwortete die erste Eröffnung ihrer Tante mit einem un­glaublichen Aufschrei: „Das ist unglaublich, ich bin ja ein gar zu win­ziges Ding!" Ueberzeugt aber, daß der Vorschlag Ernst sei, gab sie freudig ibie Einwilligung Am Morgen des 19. Februar begab sich der Kaiser zeitlich früh mit seiner Familie, der Herzogin in Bayern und seinen Cousinen zur Kirche. An der Thüre angelangt, ließ die Erzherzogin ihrer jüngsten Nichte den Vortritt, und die Erzherzoge er- kannten von da an in derselben ihre zukünftige Kaiserin. Nach der Messe nahm der Kaiser seine Cousine bei der Hand, trat zu dem vom Ali ar herabsteigenden Geistlichen bin und sagte: „Herr Pfarrer, seg. neu sie uns, Das ist meine Braut." Bei der Rückkehr stieß er auf den General O'Donnel und rief aus: „Heute danke ich Ihnen wahr, haft dafür, daß Sie mir das Leben retteten." Die Geschichte des kaiserlich österreichischen Hauses, von so vielen Episoden einfachen und reizenden Familienlebens durchwebt, hat keine zartere und heiterere zugleich."

♦♦ Kurz vor seinem Tode ließ der sterbende Gifford, Capitäu vom „Tiger", die gefangenen Matrosen an fein Bett bescheiden und sprach zu ihnen: „Jungens! Euer Leben verdankt Ihr meiner Wunde, die mich hinderte, das Schiff in die Luft zu sprengen. Lebt wohl! Grüßet unser theueres England, wenn Ihr cs wiedcrscht!" Nach diesen Wor- ten forderte er ein Glas Limonade, wendete von den Marrosen sein Antlitz nach der anderen Seite und — starb. So meldet die N. Pr. Z.

** Anö Neuro de in Schlesien vom 14. Juns theilt die „Brest. Ztg." mit, daß ein durchaus rechtlicher, keiner Leidenschaft ergebener Mann sein Weib und seine beiden Kinder erschlagen habe, um ei­nem qualvollen Hungerleben plötzlich ein Ende zu machen. Der Thä­ter wird im Walde gesucht und man glaubt, daß er auch noch zum Selbstmörder geworden fei.

** Der „Wanderer" theilt folgendes gelungene Anagramm auf den NamlN Ihrer Maj. der Kaiserin Elisabeth mit: E ximia L iberalitaie I mperatrix S navissima A dauget Bona Et T uetur Honesta. sMit seltener Hochherzigkeit föidert die anmuthreiche Kaiserin das Gute und schirmt die Sittlichkcit.)

I Wroßbritauttien.

I London, 19. Juni. In der heutigen Sitzung des Ober­hauses lenkt. Lord Lindhurst die Aufmerksamkeit auf das Me­morandum über orientalische Frage, welches Preußen und Oesterreich dem Bundestage übergeben, und zog daraus, daß der Statns «uo vor dem Kriege als Friedensbasis festgehalten wurde, den Schluß, daß der Versuch, die gegenwärtigen Ter­ritorialgrenzen zu ändern, jene Mächte aus die russische Seite hiilüberfuhren möchte. Ohne materielle Garantie dürften aber die 21 Hütten keinen Frieden schließen. Bloßen Versprechungen dürfte man nicht trauen. — • Der Minister deS Auswärtigen Lord Clarendon erklärt, daß sich der Status quo nur auf daS Gebiet der untern Donau beziehe. (?) Oesterreich stünde jetzt im herzlichen Elnvernebmcn mit den Westmächten. Wenn Rußland die Herrschaft über das schwarze Meer und die Do- : naumündungen erlange, so werde Oesterreich ein russischer I Vasall. Bis zu Ende dieses Monats werde Oesterreich 300,000 Mann vollständig ausgerüstet haben, und mit Zu­stimmung der Pforte die Donaufürstenthümer besetzen, wenn dieselben von den Russen geräumt sind. — Der Minister» Präsident Gras Aberdeen erklärt, daß der Krieg mit Ruß­land ein rein defensiver sei. Er werde zum Schutz der Türkei jede Anstrengung machen, um einen ehrenvollen Frieden zu erreichen.

Der König von Portugal besichtigte gestern in Begleitung des Prinzen Albert die Cavallerie von Windsor und deren Kaserne. Montag gedenkt der jugendliche Monarch die City und deren Merkwürdigkeiten zu besuchen. Der Lord Mayor trifft Anstalten, ihn gastlich zu empfangen, und gibt am Abend ein Banket im Mansiou-House, wozu die Minister und die be- deutendsteiOGrößen in Kunst und Wissenschaft geladen sind. — Herr Bunsen ist heute früh zu einem Sommerausenihalt nach Heidelberg abgereist.

Die engl. Regierung soll in Ui terhandlung mit der Pen- tnsular and Oriental Steam Navigation Compagny begriffen sein, um das 10. Husaren-Regiment von Bombay über Suez nach der Türkei befördern zu lassen.

Mit großer Bestimmtheit erklärt der „Advertiser" aus guter Quelle zu wissen, ba&- die Ernennung des Herzogs von Newcastle zum Kriegsminister und die Uet'ergebung Lord Pal» merston's zu Paris in den Tuilerieen sehr unangenehm be­rührt habe.

Staitrn.

Vom Po, 15. Juni. (St. A. f. W.) Bei Gelegen» heit der kräftigen Opposition mehrerer savoyardischer Deputir» ter gegen die unerhörte Steuerlast, besonders gegen die neue ErbschaftS und Gebührensteuer, vergaß sich Graf Cavour so weit, daß er diese sehr ehrenwerthen Abgeordneten, welche den Zustand des armen Landes schilderten wie er ist, „Revolutio­näre" nann-e. Es gab einen gewaltigen Sturm und der edle Graf bekam von den Herren Girod, Costa di Beauregard u. A. sehr bittere Dinge zu hören. Sämmtliche savoyische D«- putirte erhoben sich von ihren Sitzen und protestieren gegen den leidenschaftlichen, ungebührlichen Ausdruck. Der Graf Costa macht mit Recht auf dcn loyalen, friedliebenden Sinn der Savoyarden aufmerksam und erinnert den eklen Grafen an verschied nes Liebäugeln mit anerkannten Rkvoluticnsmän- nern, an die Serenade, welche ihm (dem Grafen Cavour) nebst obligaden Steinwürfen im Monat Dezember gebracht u. s. w. Freilich entschuldigte Cavour den gebrauchten Aus­druck mit der „foga di un discorso improvvisato", aber die Scene wird nicht verfehlen, die Berstmlmung in Savoyen sehr zu vermehren. Auch wird der edle Graf in Turin nicht al­lein wegen seiner periodischen Aufwallungen, sondern auch we­gen der Milde und Schonung getadelt, die bisher den Maz- zinisten zu Theil ward — Der berüchtigte Gesetzesentwurf i Rattazzi's gegen die Geistlichkeit wird am 19. d. im Senat I zur Verhandlung kommen und große Theilnahme erwecken. —■ I Die Jnstructionsacken im Pulschprozeß von La Spezia find i jetzt geschlossen; die Richter Franzoni und Zunini kehrten nach ; Genna zurück, wohin auch die Gefangenen abgeführt wurden. : Parma, 19. Juni. Der herzogliche Rath Antonio Gab- i bri, der die Untersuchung gegen die muthmaßlichen Mörder

Literatur und Kunst.

♦* In Nürnberg find vor Kurzem die Onglnalskizzen von Michel Angelo in Terra cotta zu den Figuren Tag, Abend und Nacht in eer Capeile der Mevicaer zu Florenz um einen Spottpreis an einen Pri­vatmann in Sachsen verkauft worden. Man kann nicht leicht eine geistvollere Arbeit sehen, schreibt die „Allgem. Ztg.", als diese Figu­ren, die mit einem der vollkommensten griechischen Kunst ebenmäßigen, feinen und lebendigen Formensinn und, bei aller Frische und Kraft, mit einer Zierlichkeit auSgekuhrt find, als waren sie nicht das Mittel, sondern der Zweck des Künstlers gewesen.

* Aus Paris meldet man, daß der beispiellose Erfolg der Mé- moires d’un bourgeois, von Vèron, einen neuen Abdruck der Memoi­ren deS berühmten Bilboquet dervorgerufen hat. Die Herausgeber, eS find ihrer drei, sagen in der Vorrede, daß die Veröffentlichung der­selben im Anfänge deS 16. Jahrhunderts ungeheueres Aufsehen ge­macht habe.

Theater.

** Wien. Das Hofburgtheater brachte zum ersten Male: „Schuldig", Scherz in einem Act von Hackländer. Das kleine Stück erweckte stel- lenweoe Heiterkeit und wurde, als der Vorhang fiel, ausgezischt, ein Erfolg, der vollkommen verdient war. Einige Situationen find wohl komisch, aber das Ganze beruht auf unwahrschemlichcn Voraussetzun- gen, deren man nicht los werben kann, und löst sich auf so läppische Weise, daß Anfang und Ende vernichten, was die Mitte Gutes bietet. Einige Züge ausgenommen, wie jener deö Polizeibcamtcn , der einen Raubanfall sammt Entführung einen „reizenden Fall" nennt, wird man durch nichts daran gemahnt, daß „Schuldig" den Dichter deS „geheimen Agenten" zum Verfasser habe.

Liszt aus Weimar hat jede fernere Unterhandlung mit der Berliner Hofbübnenintcndanz wegen Aufführung des „Tannhäuser" von R. Wagner abgebrochen, da die von ihm gestellten Bedingungen nicht angenommen worden find. Die Intendanz soll indeß die Hoff­nung nicht aufgeben. die Oper durch Vermittelung deS hier lebenden Vaters bcr Sängerin Johanna Wagner zur Aufführung zu bringen.